Baselland
21.07.2021

Neue Tafelkirschensorten

Die Kirschenproduzent/-innen an der Degustation.Fotos: zvg

Die Kirschenproduzent/-innen an der Degustation.Fotos: zvg

Wintersingen Kirschenproduzent/-innen informieren sich über neue Sorten

Am Mittwochabend, 14. Juli, trafen sich rund 20 interessierte Kirschenproduzent/-innen im Steinobstzentrum Breitenhof in Wintersingen, um sich über die neuesten Tafelkirschensorten informieren zu lassen.

Die rund 20 sich einfindenden Kirschenproduzent/-innen erschienen alle pünktlich um 19.30 Uhr und in professioneller Regenbekleidung. Nach einer kurzen Begrüssung durch Franco Weibel, Leiter des Ressort Spezialkulturen am Ebenrain, führte Thomas Schwizer, Betriebsleiter des Versuchsbetriebs, die Gruppe in die Anlage, wo die neuen Sorten aufgepflanzt sind. Diese werden dort über mehrere Jahre auf Herz und Nieren bzw. auf eine grosse Anzahl von verschiedenen Baum- und Fruchteigenschaften geprüft. Thomas Schwizer stellte dieses Mal vor allem die Sorten aus dem mittleren bis späteren Bereich vor. Einige der vorgestellten Sorten sind erst Zuchtnummern mit «kurligen» Bezeichnungen wie z.B. CX 189 oder HL 10072. Weshalb ist das Interesse an neuen Sorten so hoch? Die Antwort ist einfach: Viele der jetzt gängigen Sorten – und die stehen zum Teil noch gar nicht so lange im Anbau – erfüllen die heutigen Anforderungen für die Lieferkette nach der Ernte nur knapp oder gar nicht genügend. Was ist anders geworden? Heute werden die Kirschen vermehrt zentral mit grossen, technisch auf höchstem Stand stehenden Anlagen sortiert und verpackt. Der Sortiervorgang selbst sowie der Transport dorthin und zum Verkaufspunkt; aber auch die Dauer in einem zwischenzeitlichen Kühllager, im Verkaufsregal und schlussendlich auch zuhause in der Früchteschale, all dies fordert von einer Kirschenfrucht eine hohe physikalische Belastbarkeit und Haltbarkeit nach der Ernte. Mit anderen Worten: Da können nur noch festfleischige Sorten mithalten. Kommt dazu, dass auch bei der Käuferschaft grosse, knackig-saftig-süsse Sorten eindeutig bevorzugt werden.

Bei der Sortenerfassung durch den Kanton Baselland können 70 Kirschensorten erfasst werden. In den Handel werden bis zu 52 verschiedene Sorten und z.T. in kleinsten Mengen geliefert. Es leuchtet ein, dass hier auch aus handels-logistischen Gründen eine vernünftige Reduktion der Sorten hin zu zukunftstauglicheren Sorten gemacht werden muss.

Bei der anschliessenden Degustation am Festbank-Buffet konnten sich die Anwesenden selber ein Bild über die Optik und den Geschmack der Sorten machen. Nebst den neuen Sorten waren als Referenz auch die bekannten Sorten dabei wie z.B. Greystar oder die Hauptsorte Kordia. «Doch, doch, da zeigen einige neuen Sorten klar eine Verbesserung in den Geschmackseigenschaften» war man sich einig. Doch für die Anbauer/-innen müssen auch die Baumeigenschaften stimmen, damit eine kostendeckende Produktion möglich ist.

Die neue Sorte muss selbstverständlich geschmacklich überzeugen; darüber hinaus darf sie nicht extrem anfällig sein auf eine oder mehrere Krankheiten, Schädlinge, Blütenfrost, Aufplatzen der Haut, und sie muss auch regelmässig genügend hohe Erträge und Fruchtqualitäten bringen können. Das Anforderungspaket ist also sehr, sehr hoch!

Neue Sorten, die es erfüllen gibt es zwar wenige; aber es gibt Lichtblicke! Die auch in Zukunft auf Tafelkirschenanbau setzenden Produzent/-innen werden dynamisch und flexibel diese Herausforderung annehmen.

Franco Weibel, Leiter Ressort

Spezialkulturen, Ebenrain Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung, Sissach