Baselland
28.05.2019

Mehr Qualität, mehr Kirschenkonsum

Der Behang mit «Schorniggeln» verspricht eine gute Ernte. Foto: E. GysinLouis Sutter von Agroscope stellt seine Forschungsergebnisse vor.Die «Landsgemeinde» der Obstproduzenten auf dem Breitenhof.

Der Behang mit «Schorniggeln» verspricht eine gute Ernte. Foto: E. Gysin

Louis Sutter von Agroscope stellt seine Forschungsergebnisse vor.

Die «Landsgemeinde» der Obstproduzenten auf dem Breitenhof.

Wintersingen Breitenhof-Tagung der Obstproduzenten

Edi Gysin

Die Wetterkapriolen im April und Mai sorgten da und dort für schlaflose Nächte bei den Kirschenproduzenten. «Es gab doch einige Frostnächte, sie blieben diesmal ohne grosse Auswirkung, das Schlimmste traf nicht ein», sagte Hansruedi Wirz, Präsident des Produktezentrums Kirschen/Zwetschgen einleitend zu seinen Gästen auf dem Breitenhof. Diese hatten teils eine lange Anreise unternommen, um an diesem für die Branche wichtigen Anlass dabeizusein, die Nummernschilder auf dem Parkplatz verrieten Besucher aus dem Wallis und dem Thurgau sowie aus manch weiterem Kanton.

In den vergangenen Wochen sei den Obstbauern einiges abverlangt worden, sagte Wirz weiter, «Witterungsschutz montieren, dann wieder demontieren, heizen, Schnee von den Blachen schütteln, Sturmschäden reparieren und immer in der Ungewissheit ob es den gewünschten Erfolg bringen wird.» Der Aufwand habe sich gelohnt, die Zahlen der ersten Ernteschätzung seien sehr erfreulich, es sehe in allen Anbaugebieten sehr gut aus, «wir rechnen mit etwa 2600 Tonnen Tafelkischen», so Wirz. Die frühen Sorten kommen etwa acht Tage später in die Läden als letztes Jahr, bei den späteren Sorten wird mit einem Verzug von zwei Wochen gerechnet. Das hat den Vorteil, dass nicht alles aufs Mal gepflückt und vermarktet werden muss.

Das Gerangel um gute Verkaufsplätze werde von Jahr zu Jahr grösser und das Angebot an Früchten immer breiter. «Wir müssen die Kundschaft für unsere Kirschen begeistern, sodass sie die Früchte mehr als einmal kaufen», rief Wirz die Produzenten zu mehr Engagement auf. Die Voraussetzung für eine gute Ernte sei mit dem heutigen Tag vorhanden, schloss Wirz.

Forschung auf dem Breitenhof

Auf dem Breitenhof wird auch geforscht. In einem der Projekte wird untersucht, wieweit der Einsatz von Pflanzenschutzmittel minimiert werden kann. Ein anderes widmet sich den Wildbienen, die nebst der Honigbiene einen gewichtigen Teil zur Bestäubungsleistung beitragen. Nun ist es in der Natur so, dass es kein Entweder- oder gibt, «sowohl als auch» ist angesagt. Daher kann auch nicht von einer Konkurrenz unter den verschiedenen Bestäuberinsekten ausgegangen werden. Der grosse Unterschied ist der, dass zur Honigbiene eine Imkerin oder ein Imker schaut, während die Wildbienen sich selbst überlassen sind. Von den mehreren Hundert Arten an Wildbienen, die es in unseren Breitengraden gibt, sind die wenigsten wirklich gut bekannt. Aber einige leisten doch entscheidende Beiträge zur Bestäubung auch bei den Kirschen.

Louis Sutter von Agroscope stellte die bisherigen Ergebnisse der Forschungen vor. Wenn Hummeln, Mauerbienen oder Sandbienen gemeinsam mit den Honigbienen die Obstbäume bestäuben, dann kann mit einer optimalen Ernte gerechnet werden. Die einen fliegen schon bei tieferen Temperaturen aus, die Hummel lässt sich auch von Regen nicht beeindrucken und die Honigbiene ist trachttreu. «Wildbienen sollten daher gefördert werden», sagte Sutter. Viele Arten nisten im Boden oder an sandigen Wegrändern. Was ebenfalls helfe, gute Bestäubungsergebnisse zu erzielen, sei, wenn in der Nähe eine Wildkirsche stehe, empfahl Sutter.