Baselland
06.06.2019

Baden wie in den 30ern

Ein Modell präsentiert Hanro-Bademode im Gitterlibad. Foto: zVg/Hanro-SammlungNathalie Schweizer, Bademodedesignerin, interpretiert Madeleine Handschin’s Entwürfe neu und nennt sie ihr zu Ehren «Madeleine». Foto: J. Hug

Ein Modell präsentiert Hanro-Bademode im Gitterlibad. Foto: zVg/Hanro-Sammlung

Nathalie Schweizer, Bademodedesignerin, interpretiert Madeleine Handschin’s Entwürfe neu und nennt sie ihr zu Ehren «Madeleine». Foto: J. Hug

Liestal Das Museum.BL lädt ein zur nostalgischen Erfrischung mit Hanro-Bademode

Jeanine Hug

Ab morgen Freitag 18 Uhr lädt das Museum.BL zur Erfrischung auf museale Art ein. Nach der Vernissage können Sie in Geschichten und Geschichte, Fotos und Originalmodelle der 30er-Jahre eintauchen. Die bunte Bademode dieser Zeit war Pionierarbeit. Die ersten Entwürfe folgten dem Aufruf von Coco Chanel, die Frauen sollten in der Öffentlichkeit Hosen tragen. So entstand der Strandpyjama, eine luftige Hose kombiniert mit einem knappen Oberteil. Bald folgten Badeanzüge und Zweiteiler, heute Bikini genannt.

Gestricktes ist elastisch, Gewebtes nicht. Manchmal erinnern die Muster an Strickmuster, tatsächlich ist der Grundstoff der historischen Vorlagen aus feinster Wolle. Der Anspruch an bequeme Kleidung, die unserer heutigen Freizeitmode entspricht, wurde erst durch Innovationen der Geschwister Handschin möglich. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters erneuerten sie in der Firma Hanro vieles. Madeleine Handschin eignete sich das Know-how einer Textildesignerin an, ihr Bruder Eric entwickelte technische Lösungen für die Entwürfe seiner Schwester. Sie kombinierten die Wolle mit Gummifäden, um die nasse und schwere Wolle am Körper kleidsam wirken zu lassen.

Das Lebensgefühl der Jahre zwischen den Kriegen war geprägt von politischem und gesellschaftlichem Umbruch. In den Ballungsgebieten verschmutzte die Luft nach erst 30 Jahren seit der Industrialisierung. Die Bevölkerungszahlen stiegen, die Medizin machte Fortschritte, die Arbeiter organisierten sich. Alkoholmissbrauch und Depression breiteten sich aus. Unweigerlich folgte eine Sehnsucht nach guter Luft, Gesundheit, Sonne und Freikörperkultur. Auf dem Monte Verità tanzten die jungen Leute nackt im Freien, Le Corbusier entwickelte den freien Grundriss, Freibäder wie das Gitterli wurden gemäss der zeittypischen Maxime Funktionalität, Hygiene, Luft, und Sonne gebaut.

Auf Einladung des Museums interpretiert Nathalie Schweizer, Bademodedesignerin aus Zürich, die Entwürfe von Madeleine Handschin neu. «Wir sind wohl das einzige Museum, das Bademode verkauft», schmunzelt Marc Limat, Leiter des Museum.BL. Inspiriert von den gestreiften Strickmustern und raffinierten Schnittlösungen entstand die Kollektion «Madeleine», ein Badeanzug mit weit ausgeschnittenem Rücken und ein Bikini, das mit einer Panty- oder High-Waist-Hose getragen werden kann. Der verwendete Jacquard-Strick in Anlehnung an die Farbenwelten der 30er-Jahre wurde speziell für diese Ausstellung neu aufgearbeitet. Die enge Zusammenarbeit mit der Kuratorin der Textilen Sammlung, Madeleine Girard, hat sich gelohnt, die Badsachen passen verblüffend gut in unsere Zeit.