01.07.2020

Millionen versüssen den Abgang

Gemeindepräsidentin Christine Mangold und Vizepräsident Felix Jehle brachten es zusammen auf 42 Amtsjahre.	Foto: O. Graf

Gemeindepräsidentin Christine Mangold und Vizepräsident Felix Jehle brachten es zusammen auf 42 Amtsjahre. Foto: O. Graf

Gelterkinden Christine Mangold und Felix Jehle würdig verabschiedet 

Von: Otto Graf

Vorgestern beendeten in Gelterkinden mit Gemeindepräsidentin Christine Mangold und Vizepräsident Felix Jehle zwei Urgesteine ihre kommunalpolitische Karriere offiziell. Wenige Tage vor Ablauf der Amtsperiode würdigte Gemeinderat Roland Laube das Wirken der politischen Urgesteine an der Gemeindeversammlung in der Dreifachhalle der Schulanlage Hofmatt. Wie Laube in seiner Laudatio festhielt, brachten es die beiden Amtsträger, zusammengezählt, auf 42 Amtsjahre, während die übrigen fünf Gemeinderäte gesamthaft lediglich seit 24 Jahre amten. Entsprechend lang ist die Liste der Verdienste des Duos. Sie kann deshalb hier nur ansatzweise wiedergegeben werden. Mangold wurde 1996 in die Exekutive berufen und leitete unter anderem die Ressorts Bildung, Gesundheit und Volkswirtschaft. 2008 nahm sie auf dem Chefsessel Platz und führte die Departemente Finanzen, Personal und Polizei. Zudem nahm sie in verschiedenen interkantonalen Gremien Einsitz und gehörte während zehn Jahren der FDP-Fraktion des Landrats an.

Der Sozialdemokrat Jehle wurde 2002 in den Gemeinderat gewählt und amtete von Beginn weg als Vizepräsident. Gleich lange setzte er mit seinem Fachwissen den Bereichen Wasser, Abwasser, Verkehrs- und Energiepolitik den Stempel auf. So trug er massgeblich dazu bei, die gemeinsame Brunnenmeisterei zusammen mit Ormalingen und Rothenfluh zu realisieren. Auch die Ortsplanung von Gelterkinden trägt die Handschrift von Jehle. In die Ära Mangold/Jehle fielen namentlich der Neubau des Hallenbads, Schulbauten, die Revisionen der Ortsplanung sowie das Erschliessen neuer Baugebiete.

Millionengeschenk zum Abschied

Zuvor segnete die Versammlung die von Finanzchefin Mangold vorgestellte Jahresrechnung 2019 ab. Unter dem Strich verblieb ein millionenschwerer Überschuss von rekordverdächtig hohen 6,8 Millionen Franken, die Spezialfinanzierungen nicht eingerechnet. Der Löwenanteil der massiven Verbesserung ist dem teilweisen Auflösen der Vorfinanzierung Hallenbad zuzuschreiben. Diese Vorfinanzierung basierte auf den damals angenommenen Bruttobaukosten der Badi von 16,5 Millionen Franken. Richtig gewesen wären aber nur, wie Mangold erklärte, die Nettokosten der Gemeinde Gelterkinden. Allein das Auflösen der Vorfinanzierung trieb den Gewinn um fast 4,4 Millionen Franken nach oben.

Auch die Neubewertung der Sachanlagen im Finanzvermögen und das Auflösen einer Rückstellung beeinflussten das Rechnungsergebnis positiv. Hingegen überwies der Kanton aus dem Finanzausgleichstopf fast 1,2 Millionen Franken weniger nach Gelterkinden, weil die Steuerkraft der Gemeinde anstieg. Die Abrechnung des Neubaus des Hallenbads ist der Beweis dafür, wie seriös die grosse Kiste gemanagt wurde. Denn die bewilligten Kredite konnten um fast 800000 Franken unterschritten werden.

Die gesamten Kosten beliefen sich auf 18,43 Millionen Franken. Unter Berücksichtigung der Beiträge und Spenden verbleibt zu Lasten der Gemeinde Gelterkinden eine Summe von 12,3 Millionen Franken.

Ausserdem hiess die Versammlung eine neue Baurechtsvereinbarung mit der IG Wolfsstiege gut und machte einen Gemeindebeitrag von 510000 Franken für den Ersatztlocker, damit auf der Sportanlage Wolfstiege das abgenützte Kunstrasenfussballfeld ersetzt werden kann.

Das neue Bestattungs- und Friedhofreglement sowie eine Präzisierung eines Artikels im Steuerreglement warfen wohl einige Fragen auf, wurden aber letztlich klar verabschiedet.

Unter «Verschiedenes» ging die Präsidentin kurz auf das nach druckfrische Leitbild der Gemeinde Gelterkinden ein. Als letzte Amtshandlung an einer Gemeindeversammlung stiess Christine Mangold mit den Anwesenden coronagerecht an.