23.07.2020

Glückliche Gesichter auf den Pferderücken

Entspannt und glücklich wird die halbseitig gelähmte Patientin sicher vom Hippotherapiepferd gehoben und in den mit Pferden verzierten Rollstuhl gesetzt.

Entspannt und glücklich wird die halbseitig gelähmte Patientin sicher vom Hippotherapiepferd gehoben und in den mit Pferden verzierten Rollstuhl gesetzt.

Gelterkinden Mobile Hippotherapie-K auf dem Sportplatz Wolfsstiege 

Von: Ursula Handschin

«Ein Highlight für Seele und Körper» seien diese Pferdetherapiestunden für sie, betonte die erste Patientin an diesem eher trüben Tag auf dem Parkplatz des Sportplatzes Wolfsstiege in Gelterkinden.  In ihrer Jugend war sie Sportreiterin und erkrankte dann an Multipler Sklerose MS. Seitdem ist ihre Fortbewegung zu Fuss beschwerlich geworden. Mit ihrem Gehstock ersteigt sie mit Vorfreude im Gesicht den inzwischen leeren Pferdetransport-Anhänger, der jeweils am Donnerstagvormittag dort eintrifft. Mit drei Therapiepferden und Sibylle Müller-Bänteli am Steuer des Zugfahrzeugs. Die ausgebildete Therapeutin in Neurophysiotherapie, lernte als Pferdefreundin den therapeutischen Effekt dieser Vierbeiner kennen und liess sich zusätzlich in Hippotherapie-K ausbilden. (K-wie Künzle, die diese Behandlungsmethode auf dem Pferderücken entwickelte und die Krankenkassen für MS-, Trisomie 21- und Cerebraler Parese CP-Patienten für deren Zulässigkeit überzeugte.  Im Unterschied zu einer gewöhnlichen Reitstunde braucht es aber für diese Hippotherapie jeweils ein Zweierteam pro Pferd und Patient. Eine mit Pferden erfahrene Person, die das Pferd führt, damit sich die Therapeutin neben dem auf dem Pferderücken sitzenden Klienten widmen kann, um dessen Sitz, Einwirkung und Befindlichkeit zu kontrollieren. Erreicht wird damit durch die Übertragung der dreidimensionalen passiven Bewegung eine Verbesserung der Kräftigung und Stabilität der Rumpfmuskulatur. Diese ärztlich verordnete Behandlungsart Hippotherapie-K  hat vielfältige positive Wirkungen auf den Körper: Lockerung verkrampfter Muskulatur, Verbesserung des Gleichgewichtes, Hemmung von Spastiken, Beweglichkeits-
verbesserung der Gelenke. Sibylle Müller beobachtete als Mitarbeitende in den beiden Neurophysiotherapie-Praxen in Gelterkinden und Binningen, dass diese Wirkung auf die Patienten mit konventionellen Methoden vielfach nicht erreicht werden kann. Was sie anhand der Rückschritte während der pferdetherapielosen Coronazeit beobachten konnte. Und so ermöglicht sie seit zehn Jahren die Hippotherapie als Ergänzung. Damit die Patienten dafür nicht weit reisen müssen, bringt sie ihre Pferde wöchentlich für einen halben Tag nach Gelterkinden und Itingen aus Büren, wo sie mit ihnen und ihrer Familie lebt.  
An diesem Vormittag waren drei Therapeutinnen und zwei Pferdeführerinnen, die jeweils beim Bereitmachen der Pferde helfen und drei Pferde für die fünf Patienten im Einsatz. Drei Jahre dauert es bis ein Pferd ausgebildet ist und für diese anspruchsvolle Aufgabe eingesetzt werden kann. Die beiden Freibergerstuten Solana und Nea, letztere noch in Ausbildung und nur zur Gewöhnung mitgeführt, eignen sich ihres stabilen, ruhigen und zuverlässigen Charakters wegen für diese verantwortungsvolle Arbeit. Und weil sie schwerere Patienten tragen mögen, als die sonst für diese Therapien vielfach eingesetzten Islandpferde. Die Patientin mit einer halbseitigen Lähmung, die aus dem Rollstuhl mit Hilfe auf die Connemarastute Ella gesetzt wurde, fand, dass ihr die Bewegung gerade dieses Pferdes besonders zugesagt habe. Sie, die vor ihrer Hirnblutung im Februar vor Pferden eher Angst hatte, lernte im Paraplegikerzentrum Nottwil anhand der Hippotherapie die heilsame Wirkung dieser Tiere schätzen und dokumentiert ihre Freude mit einem mit Pferden dekorierten Rollstuhl. Dank einer von Sibylle Müller entworfenen mobilen Rampe im Transporter, gelingt es den Patienten, von dort auf den Pferderücken zu steigen und während einer halben Stunde die Natur von dort aus zu erleben. Der Ritt durch den Wald ist Balsam für Seele und Geist. Die Freude und Dankbarkeit der körperlich beeinträchtigten und Trisomie 21-Patientinnen zu erleben, ist ein Erlebnis!