Region Gelterkinden
09.09.2020

Wo Hilfe am nötigsten ist

Sissach Vortrag Network Anthropia über Flüchtlingshilfe

Von: Sander van Riemsdijk

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: «Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, kann man die Welt verändern.» In diesem Sinne versteht der Verein «Network Anthropia» – aus dem Griechischen übersetzt «Netzwerk der gelebten Menschlichkeit» – ihren Einsatz und die Hilfe für geflüchtete Menschen in Griechenland. Seit die Balkanroute geschlossen ist, stecken viele Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak und anderen Kriegsgebieten in Griechenland fest. Sie leben oft in menschenunwürdigen Umständen in Lagern und sind traumatisiert von ihren schrecklichen Erlebnissen in ihrer Heimat und auf ihrer Flucht, dies ohne Hab und Gut. Viele Perspektiven haben sie nicht. Der Verein unterstützt diese Menschen in ihrer Not mit Nahrungsmitteln, medizinischer Hilfe, Kleidung und Obdach. In der reformierten Kirche referierte Vereinspräsidentin Renata Herger über die schwierigen Einsätze in den Lagern vor Ort und wurde dabei von zwei Flüchtlingen aus dem nördlichen Irak und aus Afghanistan begleitet. Seit 2015 als Präsidentin des Vereins mit Sitz im Männedorf schilderte sie eindrücklich ihre Erfahrungen der spontanen ­Hilfe durch viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Seit 2020 wohnt sie mit ­ihrem Mann in Griechenland und koordiniert die Aktivitäten vor Ort. «Wir versuchen, den Menschen ein Stück Heimat zurückzugeben», umschrieb sie die schwierigen Einsätze und schob nach, dass «ein kleines Stück Würde ganz wichtig ist für die Seele dieser Menschen». In den oft überfüllten Lagern leben manchmal bis zu 20000 Flüchtlinge ohne Privatsphäre auf engem Raum. Und täglich kommen mehr Menschen dazu. Die Situation wird immer prekärer, da es an vielem mangelt. Auch der Zugang zu sanitären Anlagen, zu Nahrung und zur medizinischen Versorgung ist oft massiv eingeschränkt. Renata Herger und ihr Team versuchen mit mehreren Projekten, die Menschen dort, wo möglich, zu unterstützen. Sie organisieren und kaufen Produkte wie Medikamente, Lebensmittel, Brillen, Kleider und gutes Schuhwerk – für einen Flüchtling das wertvollste Gut – bei der örtlichen griechischen Bevölkerung ein. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterstützen sich gegenseitig im Rahmen des «Miteinander – Füreinander» bei den Aktivitäten und tragen so zum guten Einverständnis untereinander bei. «Wir versuchen mit unseren Projekten ein Stück Normalität zu leben», sagt ­Renata Herger und schildert, wie wichtig ihre Einsätze für die Menschen sind. Trotzdem lassen sich Spannungen zwischen den Volksgruppen, die sich gelegentlich in Gewalt entladen, nicht ­vermeiden. Problematisch sind auch Insektenplagen, welche die Lager immer wieder heimsuchen. Mit in den Lagern selber provisorisch hergestellten Insektensprayswirdversucht, Abhilfe zu schaffen. Mit voller Härte trifft die Menschen auch das Coronavirus, das sich aufgrund der fehlenden hygienischen Bedingungen und der engen Platzverhältnisse fast ungehindert ausbreiten kann. Der Verein versteht sein Engagement als «Hilfe zur Selbsthilfe», weil irgendwann diese Menschen wieder aufbrechen werden. Mit leeren Händen musste sich Renata Herger nicht verabschieden. Pfarrer Gerd Sundermann konnte mitteilen, dass der Verein je 1000 Franken von der Aktion Sissach und von der reformierten Kirchgemeinde Sissach erhält.

Weitere Informationen unter www.networkanthropia.org