Baselland
03.11.2021

Bitcoin verglüht wie ein Komet

Soziologe Axel Paul (l.) und Banker John Häfelfinger erklären die Hintergründe von Bargeld und Bitcoins.Foto: B. Eglin

Soziologe Axel Paul (l.) und Banker John Häfelfinger erklären die Hintergründe von Bargeld und Bitcoins.Foto: B. Eglin

Liestal Uni-Talk über die Zukunft des Geldes 

Von: Beat Eglin

Der Soziologieprofessor Axel Paul und BLKB-CEO John Häfelfinger erörterten im Rahmen der Uni-Talks im Museum.BL die Rolle des Geldes in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Noten, Münzen, Plastikgeld oder elektronische und virtuelle Zahlungsmittel haben alle ihre Berechtigung, aber auch Vor- und Nachteile.

Digitalgeld existiert schon lange

In seiner Einführung zitierte Paul den berühmten britischen Ökonomen John Maynard Keynes:» Alle Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen.» Für Paul ist die Zukunft des Geldes digital, weil wir die Bequemlichkeit schätzen. «Das ist zwar eine Nebensächlichkeit, aber doch fundamental», erklärte er dazu. Früher wurden Werte in Gold, Geld und klimpern-den Münzen aufbewahrt. Mit der Digitalität des Geldes erfolgte eine Entmaterialisierung. Ganz neu ist dieses Phänomen aber nicht, denn das Buchgeld der Banken existiert schon lange in nicht physischer Form. Da wir in Geldeinheiten rechnen, zahlen, tauschen und anlegen hat der Formwandel soziale, politische und rechtliche Konsequenzen. Vor der Erfindung von Münzen (ca. 700 v. Chr.) gab es bereits Schuldeinträge. Mit dem Wandel von diesem Buchgeld zu Münzen wurde der Handel enorm stimuliert.

Heute stellt man fest, dass die Bereitschaft zum Wechsel von Bar- zu Digitalgeld zunimmt.

Was ist neu?

Die Vielfalt an digitalen Bezahlmöglichkeiten nimmt zu. PayPal und WIR sind nur zwei Beispiele. In Afrika gibt es etliche auf das Smartphone basierte Währungen.

Nichtstaatliche Kryptowährungen wie Bitcoins sind oft auch antistaatliche Währungen. Dahinter sind technische Einrichtungen, die das Geld sehr fälschungssicher machen. Es gibt aber einen grossen Nachteil. Sie sind langsam, unterliegen starken Wertschwankungen und verursachen einen enormen Stromverbrauch. Paul prognostiziert die Koppelung an internationale Währungskörbe, die Stabilität und grenzüberschreitende Anwendungen garantieren. Die Nationalbanken werden reagieren und es wird bald auch Kryptos in €, $, Fr. und Renminbi geben.

Durch digitale Währungen erfolgt eine Entanonymisierung. Zahlungen werden repersonalisiert und dadurch wieder transparenter. Durch das Nebeneinander von staatlichen und privaten Währungen ist die Gültigkeit nicht mehr an staatliche Territorien gebunden. Schwache Länder haben plötzlich eine Zweitwährung, auf die sie weniger Einfluss haben. Durch Direktzahlungen braucht es die Banken nicht mehr. «Bonitätsprüfungen sind kalter Kaffee im Vergleich zu dem, was Amazon und andere über uns wissen», sagte Paul.

Betteln mit Handys

Auch Banker John Häfelfinger beobachtet die Entwicklung genau. Die soziale Kontrolle nimmt im digitalen Raum zu. Heute verwenden sogar Bettler Handys, um einzukassieren. Der grossen Mehrheit der Amerikaner gefällt es, sozial kontrolliert zu werden. So erhalten sie Werbung, wenn ihr Handy die durchschnittliche Lebensdauer erreicht hat. Geld mit Gegenwert zu verbinden, fällt im digitalen Raum schwer. "Mir ist es ganz recht, wenn ein Staat für einen Wert garantiert", erklär-te Häfelfinger. Und weiter:" Die Unsicherheit bei digitalen Währungen ist ähnlich, wie wenn man Mitarbeitern auf einen Tag kündigen könnte."

Bargeldbezüge nehmen pro Jahr um 20 % ab und auch im Portemonnaie liegt mit 138 Franken weniger Bargeld als früher. Auf die Frage, wer sein gesamtes Vermögen in Bitcoin anlegen würde, meldete sich aus dem Publikum nur eine Person. Das Vertrauen in das alte Geld scheint also doch noch grösser zu sein.

Wirtschaftlich starke Staaten haben den Vorteil, dass Geld nicht mit realen Werten hinterlegt wer-den muss und dass die Einwohner Steuern in Landeswährung bezahlen müssen, erklärte Paul. Das kehrt, wenn die Leute in anderen Währungen zu rechnen beginnen. Wenn Facebook die so-ziale Kontrolle übernimmt, kann die Firma auch Regeln und Einschränkungen bestimmen. Für Paul gibt es nichts, was aus seiner materiellen Qualität heraus wertvoll ist. "Wir brauchen nicht objektive Werte, sondern Konventionen." Es erfolgt eine Verschiebung von der Erfolgs- zur Leis-tungsorientierung, vor der sich die wenigsten entziehen können. Um aber rasch und viel Geld zu verdienen, wenden sich die Leute den leicht zugänglichen Bitcoins zu. "Der Bitcoin verglüht wie ein Komet", prognostiziert der Professor zum Schluss.