Am Steuer neu durchstarten

Autobus AG Quereinstieg zum Buschauffeur oder zur Buschauffeuse

Die Autobus AG (AAGL) mit Sitz in Liestal bietet seit wenigen Jahren ein sogenanntes Quereinsteigerprogramm für Linienbusfahrerinnen und Linienbusfahrer an. Dieses erfreut sich einer grossen Beliebtheit und ist begehrt. Geschäftsleitungsmitglied Simon Dürrenberger sagt, dass die Ausbildungen unter anderem deshalb ins Leben gerufen worden sind, damit einerseits auch (arbeitslose) Ü50-Personen als Chauffeure gewonnen werden können, auch solche aus der Region, welche einen Berufswechsel vollziehen wollen oder im «hohen Alter» arbeitslos wurden.

Eine vor fünf Jahren vom Gewerbeverband Basel-Stadt durchgeführte «Stellenkontaktbörse 50plus» war die Initialzündung für das Programm der AAGL. Seither konnte das Busunternehmen einen guten Erfolg verbuchen. «Wir haben ein reges Interesse von zahlreichen Berufsleuten spüren dürfen, von welchen bis heute zehn ihre Ausbildung bei uns erfolgreich abgeschlossen haben», freut sich Dürrenberger im Gespräch mit der ObZ.

«Mit an Bord sind bei uns nunmehr ehemalige Gastrofachleute, Gärtnerinnen, Lehrpersonen, Reinigungsfachleute, Grafiker, Lokführer, Coiffeusen oder Kaufleute.» Sie alle seien aus der Region und fast die Hälfte der Quereinsteigenden sind Frauen, stellt Dürrenberger fest. Er sagt auf der anderen Seite, dass die AAGL bislang dank zahlreichen Bewerbungen aus Deutschland und Frankreich noch nie grössere Probleme gehabt habe, offene Stellen besetzen zu können.

«Unter den rund 130 Chauffeurinnen und Chauffeuren, die 120 Vollzeitstellen besetzen, stammen mehr als die Hälfte aus den angrenzenden Nachbarländern», kommentiert Dürrenberger die heutige Situation. Die meisten würden aus Südbaden stammen. «Wir haben aber auch Linienbusfahrer aus Norddeutschland. Ohne diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnte das Fahrplanangebot nicht mehr gefahren werden; es würde nicht mehr funktionieren», beleuchtet Dürrenberger die trotz allem angespannte Personalsituation infolge des Fachkräftemangels. Das Geschäftsleitungsmitglied sagt zudem, dass der Frauenanteil bei allen Busfahrenden insgesamt leider nur knapp zehn Prozent betrage. «Hier haben wir noch deutlich Luft nach oben.»

Deutschkenntnisse sind unerlässlich

Zur Ausbildung können sich Personen bewerben, welche wenigstens 21 Jahre alt und mindestens zwei Jahre im Besitz des Führerausweises für Personenwagen sind oder drei Monate den Führerausweis für Schwere Motorwagen besitzen. Die Ausbildung dauert nach erfolgreicher Ablegung von mehreren Fachprüfungen und nach der definitiven Rekrutierung durch die AAGL zwischen vier und 18 Monaten. In diese Ausbildungen investiert die AAGL pro Person bis zu 20000 Franken. Die Verpflichtung gegenüber der AAGL nach der Prüfung ist der logische Schritt. Und: Es sind fliessende Deutschkenntnisse sowie das problemlose Verstehen von Schweizerdeutsch für den direkten Kundenkontakt unverlässlich.

Einer der erfolgreichen Absolventen ist der Liestaler Matthias Krickel. Er verlor nach drei Jahrzehnten als Grafiker seine Stelle und stieg um. Der heute 58-Jàhrige bereut seinen Berufswechsel nicht. «Ich arbeite hier seit zwei Jahren und bin sehr zufrieden, auch wenn ich bei der AAGL Schichtarbeit leisten muss.»

Die AAGL verfügt über 52 Busse; davon sind zwölf Elektrobusse. «Wir bauen die E-Bus-Flotte sukzessive aus. In der Regel vier bis fünf Busse pro Jahr», blickt Dürrenberger in die Zukunft. Das Unternehmen betreibt neun Buslinien zwischen Reigoldswil und Basel und zwischen Lupsingen und Kaiseraugst. Pro Jahr leistet die AAGL rund 3,6 Millionen Wagenkilometer, befördert rund 8,8 Millionen Fahrgäste. Die Länge des Liniennetzes beträgt 126 Kilometer.

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