Identitäten und Neuanfänge

Regionale 25 «Furnace Creek» in der Kunsthalle Palazzo präsentiert 13 Künstler/-innen aus dem Dreiländereck  

Ausstellungsansicht «Regionale 25 – Furnace Creek», 2024. Foto: Nina Rieben

Ein Kultfilm von 1970 über das amerikanische Death Valley diente als Inspiration für die diesjährige «Regionale»-Ausstellung in der Kunsthalle Palazzo in Liestal. In «Zabriskie Point» flüchtet der Protagonist inmitten der politischen Unruhen der späten 60er-Jahre in die Wüste, welche einen atmosphärischen Hintergrund für Gesellschaftskritik, Identitätssuche, Beziehungsfragen, radikale Transformation, Tod und Neubeginn liefert. Themen, die auch heute wieder, oder immer noch, aktuell sind.

Mit dieser Stimmung im Kopf evaluierte das Kunsthalle-Team Olivia Jenni und Michael Babics die über 860 Dossiers, die – eine Rekordzahl – dieses Jahr für die «Regionale 25» eingereicht wurden. 18 Standorte im Dreiländereck präsentieren seit November ihre Auswahl; in Liestal sind 13 Künstler/-innen vertreten.

Auch wenn die Ausstellung den Titel «Furnace Creek» trägt (wie «Zabriskie Point» ein Ort im Death Valley), finden sich kaum direkte Bezüge zum Film oder zur Mojave-Wüste. Vielleicht am ehesten bei Tim Kummer, der einen Wurm (einen Sandwurm?) durch die Wand krachen lässt, was möglicherweise Erinnerungen an andere Wüstenfilme weckt. Ausserdem erinnert die Beleuchtung an eine Terrarium-Lampe.

Hitze spielt auch eine Rolle bei den Miniaturfiguren aus angebrannten Zündhölzern von Manuela Morales Délano. Mehr noch geht es aber bei ihr um Gesellschaftskritik, um Machtverhältnisse und Hierarchien, übrigens auch ein Thema, das in «Zabriskie Point» angesprochen wird. Ist es im Film etwa die Hierarchie zwischen Chef und Sekretärin, so lässt die aus Chile stammende Künstlerin beispielsweise einen Diktator über seinen verbrannten Opfern thronen. Beziehungs- und Gender-Hierarchien, Rollenbilder und nicht ganz eindeutige Identitäten kommen im Hauptsaal zum Ausdruck: Seline Burn, aufgewachsen in Sissach, spielt an das berühmte «Ophelia»-Gemälde von John Everett Millais (1852) an, ihre Figur widersetzt sich aber dem damaligen Bild von Weiblichkeit und das Todesthema wird durch einen Fisch als Symbol für Neuanfang relativiert. An der gegenüberliegenden Wand porträtiert sie ihre Schwester, wobei aus der eigenartigen Pose nicht klar wird, ob sie kriegerisch oder verletzlich ist. Im hinteren Teil des Raums hängen drei Cyanotypien (ein fotografisches Druckverfahren in Blautönen) von Maya Hottarek, die sich mit Sonne, Kalender, Kreisläufen und Wiedergeburt auseinandersetzt – somit auch mit Transformation und Neubeginn.

In vorderen Teil des grossen Saals fällt die Plastikmüll-Skulptur von Marina Zindy auf, vor allem aber die Installation von Alberto Papparotto mit Renaissance-Plateauschuhen und einem von der Decke hängenden Gebilde aus Haar- oder Perücken-ähnlichen Fasern – ein komplexes Werk mit vielschichtigen kulturellen Bezügen, das Alberto Papparotto als Drag-Persona in Performances belebt. Spannend sind auch die Arbeiten von Alyona Hrekova aus Kyiv, die eine Fee aus ihrer Kindheit mit Kriegsvideos kontrastiert, oder die schwarzen, von Kruzifixen abgebrochenen Jesus-Füsse, die Sophie Yerly in verschiedenen Räumen verteilt hat, wie an den Wänden sitzende Mücken.

Weitere Künstler/-innen, die in der Ausstellung zuweilen in Dialog miteinander treten, sind Stefanie Gerhardt, Luisanna González Quattrini (unter anderem mit wüstenähnlichen Bildern), Daniel Karrer (Hinterglasmalerei), Keam Tallaa und Ambra Viviani (mit einem fiktiven Drehbuch).

«Regionale 25 – Furnace Creek» dauert noch bis zum 23. Februar 2025.

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