Nuancen der Spätromantik

Liestal Gefühlvolles Konzert «L’île inconnue» mit Tanja Ariane Baumgartner 

Das differenzierte Programm mit Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner und Pianist Riccardo Bovino bot unter anderem vokale und instrumentale Klänge aus der Natur.Foto: S. vasn Riemsdijk

Die in Rheinfelden aufgewachsene Mezzosopranistin und designierte Professorin für Sologesang an der Musikakademie Basel ab September 2025, Tanja Ariane Baumgartner, gab am letzten Sonntag in der gut besuchten Stadtkirche in Liestal unter dem Titel mit «I’île inconnue» (auf Deutsch «die unbekannte Insel») in der Konzertreihe «Stimmen zu Gast» einen eindrucksvollen Liederabend. Begleitet wurde sie dabei am Klavier von dessen künstlerischem Leiter Riccardo Bovino, Dozent an der Hochschule der Künste Bern. Das differenzierte Programm, dessen Musik zum Kernrepertoire der Vokalistin und des Musikers gehört und mit allen Nuancen der spätromantischen Musiksprache ausgestattet ist, bot vokale und instrumentale Klänge aus der Natur und den inneren Welten des lyrischen Ichs, aus enttäuschter Liebe und Aufbruch. Die Werke mit ihrem fantastischen Klangreichtum verströmten allesamt einen gefühlvollen Ausdruck von emotionaler Intensität und menschlichen Erfahrungen.

Breitgefächertes Repertoire

Tanja Ariane Baumgartner, die am Theater Basel mit Penthesilea ihren Durchbruch feiern konnte und eine bemerkenswerte internationale Karriere ablegte, beeindruckte mit ihrer klassischen klangvollen Mezzosopran-Stimme. Angefangen mit einem breit gefächerten Repertoire aus dem Zyklus «Les nuits d’été» von Hector Berlioz, einem der bekannten und häufig aufgeführten Vokalwerke der Epoche und gefolgt von ausgewählten Liedern von Erich Jacques Wolff (1874–1913), Entdeckungen wie «Im Entschlafen» und «Lied der bretonischen Fischermaid». Neben Klavierkompositionen umfasst das Werk von Wolff nicht weniger als 150 Lieder. Nach seinem Tod in den USA geriet sein Werk in Vergessenheit; wahrscheinlich, weil die meiste Musik von ihm heute nicht mehr verlegt wird und damit schwer zugänglich ist.

Fulminantes Vokalerlebnis

Mit Richard Wagners Wesendonck-Liedern – «In der Kindheit frühen Tagen / Hört’ ich oft von Engeln sagen / Die des Himmels hehre Wonne / Tauschen mit der Erdensonne» – dessen Repertoire Tanja Ariane Baumgartner besonders liebt – zusammen mit dem von Strauss –, schloss sich klanglich der Kreis mit dem Repertoire von Hector Berlioz, der den Anfang des Konzertes machte. Die zu den führenden Mezzosopranistinnen unserer Zeit gehörende Sängerin mit ihrer kostbaren Stimme bot zusammen mit den Pianoklängen von Riccardo Bovino ein fulminantes Vokalerlebnis auf hohem Niveau, das zweifellos noch lange nachklingen wird. Als Dank für ihre besondere Leistung konnte das Duo einen verdienten, lang anhaltenden und warmen Applaus vom begeisterten Publikum entgegennehmen.

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