Region Waldenburg
07.05.2019

Spektakel im Pfarrhof

Die «Kräuterhexe» auf Werbetour.FotOs: E. GysinDer Meister der Holzröhre, Deuchelbohrer Jakob Steinmann.Szene aus «Dunnerwätter über Waldeburg» mit Regisseurin Manuela Glanzmann (oben).Metzgermeister Beat Stoller mit leckeren Würsten vom Grill.

Die «Kräuterhexe» auf Werbetour.FotOs: E. Gysin

Der Meister der Holzröhre, Deuchelbohrer Jakob Steinmann.

Szene aus «Dunnerwätter über Waldeburg» mit Regisseurin Manuela Glanzmann (oben).

Metzgermeister Beat Stoller mit leckeren Würsten vom Grill.

Waldenburg • Frühlingsmarkt mit Überraschungen

Edi Gysin

Der morgendliche Auftakt hat Tradition, die Onoldswiler Alphornbläser weckten das Stedtli mit dem «Engelberger Echo», ihnen folgten die Dachluckespinner, es könnte der «Arabi» gewesen sein. Dann hatte Beat Feigenwinter von der Zunft zum Oberen Tor das Wort zur Eröffnung des Marktgeschehens. Und schon glühte auch die Esse der Schmiede aus dem Mittelalter, verströmte etwas Wärme und verbreitete den unnachahmlichen Geruch glühender Kohle. Das mittelalterliche Tagwerk nahm seinen Lauf.

Allerdings kamen sich im Pfarrhof die Gäste des Apéros mit der Theatergruppe «Dunnerwätter über Waldeburg» in die Quere. Hatte diese doch am gleichen Ort eine Theaterprobe vorgesehen und jetzt das. Manuela Glanzmann, die Regie führt, zeigte sich etwas aufgebracht ob der Terminkollision. «Was macht ihr hier, wir haben Probe!» Das gehörte aber, wie sich schnell zeigen sollte, zur Inszenierung und das Publikum konnte erleichtert eine Szene aus dem Volksschwank geniessen. Am Originalschauplatz, in mittelalterlichen Kostümen, genäht und gefärbt von Waldenburger Frauen. Eine Pracht. Dieweil führte Glanzmann Regie, dass es eine Freude war. «Wir sind nicht privat hier, wir spielen eine Rolle, nehmt euch ein Beispiel an den Kindern», spornte sie ihre Kumpanei an. Drei Generationen machen die 60-köpfige Theatertruppe aus, es wird zurzeit intensiv geprobt. Schliesslich finden sich alle im Kreis zur Kritik. «Es war eine schöne Probe, wir haben noch Luft nach oben, aber im August können wirs dann», sagte sie lachend und dankte ihrem Ensemble fürs Engagement. Beim Publikum ist das Versucherli bestens angekommen, nimmt man den Applaus zum Massstab.

Vorgezogene Eisheilige

Der Vorverkauf hat sich gut angelassen, einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Dennoch belebten die Schauspielerinnen und Schauspieler das Marktgeschehen noch lange. Eine Abteilung Soldaten sorgte für Aufsehen im Stedtli und die «Kräuterhexe» brachte Bärlauch sowie Waldmeister unters Volk und machte Werbung für die Theateraufführungen.

Das garstige Wetter hielt wohl manche davon ab, überhaupt aus dem Haus zu gehen, sodass das Publikumsaufkommen kleiner war als auch schon. Dafür war die Abteilung Mittelalter mit vielen Handwerken bestens vertreten. Nebst Frisuren wurden auch Körbe geflochten, beides kunstvoll. Ein Lehmbackofen war zu sehen und Kinder übten sich im Schöpfen von Papier. Jakob Steinmann war mit dem Deuchelbohrer beschäftigt, der pensionierte Waldenburger Zimmermann bohrte eine Wasserleitung aus einer drei Meter langen Tanne. Die Musikanten sorgten für den mittelalterlichen Sound und folgte man der Nase, gab es sehr viele Möglichkeiten, sich zu verpflegen – von der währschaften Kässchnitte bis zu Metzgermeister Beat Stollers Grill- und Wildwürsten. Und gleich gegenüber wurden Flammkuchen feilgeboten und nebenan Crêpes, süss oder salzig.