Region Waldenburg
04.07.2019

Stadtanalyse zeigt grosses Potenzial

Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann zeigte sich optimistisch in Bezug der Weiterentwicklung.Foto: W. Wenger

Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann zeigte sich optimistisch in Bezug der Weiterentwicklung. Foto: W. Wenger

Willi Wenger

An einer Informationsveranstaltung in Waldenburg ist aufgezeigt worden, dass im Stedtli grundsätzlich viel Potenzial für Veränderung vorhanden ist. Trotz der Tatsache, dass die historische Bausubstanz in teilweise schlechtem Zustand ist, sagen Fachleute von EspaceSuisse, dem Verband für Raumplanung, dass der Stadtkern in Bezug der Weiterentwicklung von Waldenburg zentral sei. Der Fokus müsse auf die Innenentwicklung gelegt werden. Eine Vergrösserung der bestehenden Siedlungsfläche sei mit der heutigen Gesetzgebung in naher Zukunft nicht mehr möglich.

Das grösste Entwicklungspotenzial liege zwischen Bahnhof und der Gemeindeverwaltung, sagt Anna Borer von EspaceSuisse fest. «Um hier Platz für Einwohner und mehr Qualität zu schaffen, bedarf es für dieses Gebiet einer räumlichen, einer ortsbaulichen Strategie.» Überhaupt, das Wort «Bauen» im weitesten Sinne war am vergangenen Freitag eines der zentralen Hauptwörter. Ruedi Riesen, der Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, sprach von einer guten Baukultur, die es aufzuwerten gelte. «Wohnen» sei dabei das A und O, kommentierte Borer. Die vielen Liegenschaften sollten, wenn die Geldmittel zur Verfügung stehen, auf Vordermann gebracht werden. «Die jetzigen Eigentümer brauchen Perspektiven für ihre Liegenschaften, oder aber sie brauchen einen Käufer», blickte Borer in die Zukunft. «Denn», so Borer weiter, «im Vordergrund sollte dabei das gemeinsame Erkennen einer Gesamtvision für die Altstadt sein, welche über die Betrachtung der einzelnen Liegenschaften hinausgeht.»

Dominique Salathé, der Leiter Architektur der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz, der sich im Auftrag des Gemeinderats mit seinen Studenten Gedanken zum Bereich Schulanlage, Verwaltung und Parkplatz gemacht hat, hielt fest, dass es letztlich um Qualität gehe. Dies gelte es zu bedenken, wenn dereinst die «Riesenchance» der Veränderung angegangen werde. «Wir alle wollen ja etwas Gutes machen.»

Dass dies am Ende des Tages ein nicht leichtes Unterfangen ist, war allen Besucherinnen und Besuchern klar. Waldenburg, das in den vergangenen rund zehn Jahren rund zehn Prozent an Einwohnerinnen und Einwohnern verloren hat, ist, das muss man nüchtern festhalten, halt nicht gerade die Wunsch-Wohngemeinde der Bevölkerung. Vieles scheint dort «ausgestorben» zu sein. Der Detailhandel ist verschwunden und auch erheblichen Teile von Industrie und Gewerbe sind nicht mehr vor Ort. Die Hoffnung auf Ansiedlung von neuen, arbeitsplatzintensiven Firmen, ist wenig realistisch. Es lohne sich deshalb, in den Bereich Wohnen zu investieren, bestenfalls kombiniert mit kleineren Arbeitsstätten wie Spezialitätenläden, Gastronomie, Tourismus oder Village-Office», so Borer an die Adresse der sehr zahlreich erschienen Frauen und Männer.

Eine Ausstellung der Fachhochschul-Studenten, die noch bis am 10. Juli im Gemeindesaal zu besichtigen ist, war beeindruckend. Sie zeigt Modelle eines zukunftsweisenden, eines neuen Waldenburg. Das tolle Stedtli wird dabei in ein zukunftsweisendes Licht gerückt, unter anderem mit einem Parkplatz ohne Autos, bis heute nicht vorstellbaren Gassen und Strassenräumen oder mit «Wohnen am Wasser».

Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann zeigte sich offen für vieles und sie informierte, dass im Spätsommer das Thema mit der Öffentlichkeit wieder thematisiert werde. In Arbeitsgruppen sollen dann die vorhandenen Ideen besprochen und weiterentwickelt werden. «Wir müssen weiterhin selbstbewusst auftreten. Waldenburg soll attraktiv bleiben.» Gesprächsleiter Jürg Gohl (Sissach) fragte schliesslich die Podiumsteilnehmer, wie Waldenburg in fünf Jahren aussehen möge. Alle zeigten sich optimistisch bezüglich der Veränderungen, wobei es Kaufmann auf den Punkt brachte. «Waldenburg ist bis dann definitiv als Wohlfühlgemeinde positioniert und nicht nur mehr als Wohngemeinde». Fazit: Es war ein wertvoller Abend für die Bevölkerung. Zielführend wird nur ein gemeinsamer Weg sein, mit allen Beteiligten. Und, der politische Prozess muss sehr sorgfältig aufgegleist werden. Es gibt viele sensible Bereiche, welche besprochen werden müssen. Die Bereitstellung der Finanzmittel ist einer davon, die Parkplatzfrage ein anderer.