Strom von oben, Ernte von unten
Sissach Pilotanlage für Agrar-Photovoltaik im Weinbau

Die Verknüpfung von Photovoltaik und Weinbau bietet eine innovative Möglichkeit, landwirtschaftliche Flächen effizient zu nutzen und gleichzeitig den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Durch die Installation von Photovoltaik-Modulen über den Rebstöcken entsteht nicht nur Strom, sondern es ergeben sich auch potentielle Vorteile für den Weinbau selbst. Das ist die Erkenntnis und Konklusion der Medienorientierung des Zentrums Ebenrain vom letzten Dienstag auf der 250 Quadratmeter Versuchsparzelle der Winzerfamilie Widmer vom Sissacher Zelglihof. Der Weinbau hat bereits mit erheblichen Anforderungen durch den Klimawandel zu kämpfen. Zu den spürbaren Veränderungen gehören eine beschleunigte phänologische Entwicklung, Trockenstress, frühere Reifezeiten der Trauben, reduzierte Säurewerte und Sonnenbrand. Zusätzlich nehmen extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden, Spätfröste und Starkniederschläge zu. Diese Faktoren beeinflussen nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Traubenernte und somit des Weins. Projektleiter Urs Weingartner sieht denn auch in der Agrar-Photovoltaik eine willkommene Anpassungsstrategie, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau zu mildern.
Doppelte Flächennutzung
Ein wesentlicher Vorteil der Agrar-Photovoltaik ist die doppelte Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche. Während auf derselben Fläche Strom erzeugt wird und zur Förderung erneuerbarer Energien beiträgt, gedeihen darunter die Reben. Dazu kommt, dass diese Module oder eben Solarpanels die Reben je nach Sonnenstand moderat beschatten mit dem positiven Effekt der Temperaturregulierung, einem verbesserten Wasserhaushalt bei dem besonders in Dürreperioden die Verdunstungsrate reduziert wird und die Reben vor heftigen Niederschlägen schützt. Und durch trockenere Bedingungen kann auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden. Auf die vielen baulichen-, wirtschaftlichen- und Landschaftsbild-Bedingungen eines solchen Projekts kann in diesem Bericht nicht eingegangen werden. Mit dem Slogan «Sonne ins Glas – Sonne ins Stromnetz» hat Urs Weingartner denn auch die Kausalität und den passenden roten Faden durch die Thematik der Photovoltaik im Weinbau gefunden. Und rein theoretisch könnten die 4,2 Hektaren Rebfläche der Familie Widmer im Jahres-Modus dieser neuen Technologie 1,8 Gigawattstunden Strom erzeugen und damit in Sissach 460 vierköpfige Haushalte versorgen.
Fazit: Die im Verbund des Zentrums Ebenrain, des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FIBL und der Elektra Sissach bisher erhobenen Daten weisen auf eine klare Win-Win-Situation hin. Gute Stromerträge und guter Schutz der Reben sind als Mehrwert und Zusatznutzen klar erkennbar und werden den Weinbau der Zukunft markant prägen.


