Itingen blühte auf – und die Sonne strahlte mit dem Dorf um die Wette

Jubiläum Zwischen Grillkohle, Guggenmusik und einem Kunstwerk aus Stahl – so feierte Itingen seine 800 Jahre

Der strahlende Itinger Gemeinderat vor der Archiv-Fotoausstellung: Kim Grauwiller, Roland Caviezel, Cécile Schmidt Bur, Peter Bosch und Silvio Strub (v.l.).

Der strahlende Itinger Gemeinderat vor der Archiv-Fotoausstellung: Kim Grauwiller, Roland Caviezel, Cécile Schmidt Bur, Peter Bosch und Silvio Strub (v.l.).

Besser hätte das Wetter nicht sein können: Die Festmeile füllt sich.

Besser hätte das Wetter nicht sein können: Die Festmeile füllt sich.

Das imposante Kunstwerk von Patrick Christen beim Eingang zur Festmeile.

Das imposante Kunstwerk von Patrick Christen beim Eingang zur Festmeile.

Viertel vor elf am Samstagmorgen und schon riecht es nach glimmender Grillkohle. Wer die Festmeile betritt, kommt an ihm nicht vorbei: ein rund zwei Meter grosses Metallkunstwerk, das der Künstler Patrick Christen eigens fürs Jubiläum geschaffen hat und das nun den Eingang markiert– ein Willkommensgruss aus Stahl, bevor man die eigentliche Feststimmung überhaupt betritt.

Dahinter steht die Festmeile längst bereit, die Tische sind aufgestellt, die Bänke an ihrem Platz. Nur die letzten Handgriffe fehlen noch: Hier wird eine selbst gebastelte Blume als Deko zurecht gerückt, dort der Grill eingefeuert. «Das war echte Energie, das hat mir richtig Spass gemacht», sagt Gemeinderat Peter Bosch, der seit dem frühen Morgen zusieht, wie sein Dorf die letzten Vorbereitungen trifft. Nicht der einzelne Stand habe ihn beeindruckt, betont er – sondern das Ganze. Der gemeinsame Handgriff. Die vielen, die einfach mitanpacken.

«S’Elfi-Glöggli lüttet scho»

Um Punkt elf Uhr ist es so weit: Gemeindepräsidentin Cécile Schmidt Bur begrüsst ihr Dorf zu seinem «schönen, stolzen Geburtstag». Der Tag ist lang angelegt: Bis in die frühen Morgenstunden, gegen drei Uhr, soll gefeiert werden. Stündlich, teils sogar halbstündlich, folgt ein Programmpunkt auf der Bühne dem nächsten. «Ihr seht, sie ist gerade im Entstehen», ruft Schmidt Bur ins Mikrofon – während hinter ihr die ersten Kindergartenkinder schon langsam auf die Bühne trotten. Und dann ist da die Liste, die sich anhört wie ein Jahrmarkt aus Kindertagen: Minigolf, ein Stand mit selbst gebastelten Schulprojekten, die «Kulturschachtel», eine Fotobox, eine Papierwerkstatt, die Spielgruppe Zora. Am Nachmittag wird zudem der florale Wettbewerb entschieden: Wer im Frühling eine Sonnenblume gepflanzt hat, kann sie hierher bringen – eine Jury misst die höchsten Exemplare direkt vor Ort. Wer es lieber kühl mag, kann jederzeit ins Schwimmbad springen, das gleich oberhalb des Festgeländes geöffnet hat – bei diesem Wetter, das laut Bosch «voll mitspielt», keine schlechte Idee. Für den Nachmittag ist zudem das grosse Bällchenrennen geplant, für das man sich mit einem Los beteiligen kann.

Den Anfang machen die Kleinsten

Eröffnet wird der Tag von den Kleinsten: Die drei Kindergartengruppen «Regenbogen», «Sonnenstrahl» und «Sternschnuppe» tanzen zu «La Valse d’Amélie», einstudiert mit Tänzerin Sophia von «Move in Arts». «Es ist überwältigend schön, dass heute praktisch alle auf der Bühne stehen», sagt Kindergartenleiterin Isabella Gisin, seit über zwanzig Jahren im Dienst der Gemeinde. Später am Tag sorgt die Guggenmusig für Stimmung, ihre Klänge ziehen bis auf die Festmeile hinaus.

Getragen wird das Fest von Freiwilligen wie Brigitte Spinnler, die ihr kleines Café betreibt – sonst wie auch heute nur samstags geöffnet, an diesem Tag aber mittendrin im Festbetrieb. Auch Peter Bosch selbst legt am Nachmittag den Gemeinderats-Hut ab und greift zum Dudelsack: Um 14 Uhr tritt er mit seiner sieben- bis achtköpfigen Gruppe auf. «Ich freue mich vor allem darauf, dass die Leute auch in ihrer Freizeit Musik machen», sagt er.

Bevor an diesem Tag Dudelsack und Guggenmusig durchs Dorf schallen, klapperten hier andere Geräusche: Im 18. und 19. Jahrhundert lebte Itingen vorwiegend von der Posamenterei, der Herstellung von Bändern und Borten. Von den Webstühlen ist nichts geblieben, vom Fleiss der Itinger auf jeden Fall schon.

Rund zweieinhalbtausend Menschen leben im Dorf, Tendenz steigend. An diesem Samstag aber zählt nicht die Statistik. Es zählt, dass kaum eine andere Veranstaltung in der Region konkurrenziert – und darum, wie Bosch feststellt, «auch viele von auswärts» gekommen sind, um mitzufeiern.

Am Eingang steht das Kunstwerk noch lange, wenn die Bühne längst leer ist. Manche Feste dauern einen Nachmittag. Dieses hier dauert bis in den nächsten Tag hinein.

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