Jedes Wochenende was los
Sissach «Kultur im Keller» feiert das 30-Jahre-Jubiläum mit einem Drei-Tage-Event

Seit 1996 ist das «KiK» – die Abkürzung steht für «Kultur im Keller» – mit grosser Kontinuität ein wichtiger Pfeiler im Sissacher Nachtleben. Der atmosphärische Gewölbekeller beim Bahnhof gilt den einen als Geheimtipp, andere treffen sich hier regelmässig für ihre Lieblings-Eventreihe, wieder andere reisen extra für ein bestimmtes Konzert an, auch aus anderen Kantonen oder sogar aus Deutschland.
Dass der Betrieb mit durchschnittlich vier Events pro Monat – meistens an einem Freitag oder Samstag – aufrecht erhalten werden kann, dafür sorgt ein sechsköpfiges, ehrenamtliches Team, das gleichzeitig Vereinsvorstand ist. Auch hier zeigt sich eine grosse Beständigkeit, auch wenn es immer wieder Wechsel gibt: Zwei Mitglieder sind seit rund 20 Jahren dabei, und wenn jemand austritt, kommen Neue dazu. Was nicht selbstverständlich ist: «Es ist schon nicht etwas, das nicht jeder machen will, denn wir investieren unsere Zeit, die nicht gezahlt ist», sagt Teammitglied Sarah Schmid. «Bereits um 17 Uhr sind wir am Vorbereiten und stehen dann bis zwei Uhr hinter der Bar.»
Die Aufgaben, vom Booking über die Technik bis zur Kasse, haben sie unter sich aufgeteilt, aber an einem Event «machen alle alles», fügt Leontien Mahler hinzu. Finanziert wird alles über die Bar, ein Eintritt wird nicht verlangt, ausser eine Band entscheidet sich anstelle von einer Kollekte für einen fixen Eintrittspreis – der dann zu hundert Prozent der Band zugute kommt.
Konzept geht auf, wenn auch nicht immer sorgenfrei
Mit diesem Konzept ist das «KiK» bisher gut gefahren. «Aber es ist nicht so, dass wir keine Sorgen haben», bemerkt Sarah Schmid. Letztes Jahr war es unsicher, ob die Kosten gedeckt werden können. Eine Spendenaktion wollte der Vorstand jedoch nicht durchführen, stattdessen rief er dazu auf, vermehrt ins «KiK» zu kommen. Was offenbar funktioniert hat: «Immer wenn wir denken, okay, jetzt wird’s schwierig, dann kommt wieder eine Welle, wo es gut läuft», stellt Leontien Mahler fest. «Und dann macht das Ehrenamt auch mehr Spass, als wenn nur drei Nasen im Keller stehen», sagt sie stellvertretend für ihre Vorstandskolleg/-innen. Insbesondere seit der Corona-Zeit haben die Besuchendenzahlen tendenziell abgenommen, wie an anderen Kulturorten auch. Zugleich wird weniger Alkohol konsumiert. «Diesen Trend finde ich positiv», betont Leontien Mahler lachend, «aber man sieht es in der Kasse.»
Aber oft kommt es vor, dass das «KiK» – mit einer Kapazität von 48 Personen – aus allen Nähten platzt. «Wenn es läuft, dann läuft es», freut sich Sarah Schmid. Leontien Mahler kann sich an einige legendäre Anlässe erinnern oder hat von Teammitgliedern davon gehört, die schon länger dabei sind. Ein Konzert mit Baschi habe aus Platzgründen kurzfristig verschoben werden müssen. Auch Polo Hofer sei einmal im «KiK» gewesen, ausserdem Chris von Rohr mit einer Lesung und sogar, an einem «Nachtcafé» der «Volksstimme», eine amerikanische Aussenministerin samt Secret Service.Speziell seien auch die «Livemusik-Bingo»-Anlässe mit Urs Rudin gewesen. Und mit der lokalen Band «Fire Rose», ergänzt Sarah Schmid, sei die Hütte immer voll.
Funky Night bis Karaoke – auch das Publikum ist gemischt
Neben Konzerten finden im «KiK» verschiedene Formate statt, unter anderem treten Hiphop-Acts auf, meistens einmal im Monat wird getanzt – Funky Night, 90er, Techno – und seit einiger Zeit stösst die regelmässige Jam-Session auf Anklang. Letztere ist nach einigen Jahren wieder neu aufgelebt: Begonnen hat es mit Special Guests wie Paulo Mendonca, mittlerweile sind verschiedene Teilnehmende aus der Region regelmässig dabei. In wechselnden Konstellationen stehen sie auf der Bühne, damit an dem Abend alle mal die Chance auf einen Auftritt haben. «Die Musiker kommen einfach und haben Freude daran, zusammen zu jammen», erzählt Sarah Schmid.
Ein treues Stammpublikum habe ausserdem die Karaoke-Nacht. Manche von ihnen seien jedes Mal da. «Sie würden es extrem vermissen, wenn es das ‹KiK› nicht mehr gäbe», so Schmid. Insgesamt werde ein sehr breites und altersmässig durchmischtes Publikum angesprochen, «von 18 bis 75». «Ein Besuch bei uns lohnt sich, weil wir quasi Kultur für alle anbieten», sagt Sarah Schmid zum Schluss. Sie hofft, dass dieses Angebot wahrgenommen werde, damit «Kultur im Keller» auch in den nächsten Jahren weitermachen könne.
«KiK» im Gesamtpaket:drei Tage lang Jubiläum feiern
Im Oktober feiert das «KiK» sein 30-Jahre-Jubiläum während drei Tagen: Am Donnerstag, 15. Oktober, findet eine Jam-Session mit Philipp Fankhauser statt, am Freitag, 16. Oktober, steht Hiphop auf dem Programm: Gfaselbieter, Gabe & DJ O’Lee, Shape & «TReBeats» – alles keine Unbekannten im «KiK». Das Warmup macht DJ Nosecut, die Afterparty gestaltet DJ Flink. Der grosse Abschluss ist die Cover Night am Samstag, 17. Oktober, mit Sons of Grease und Too Big to Fade. Verteilen sich die diversen Formate normalerweise über einen längeren Zeitraum, so ist an diesem Wochenende das «KiK» in konzentrierter Form als «Gesamtpaket» erlebbar.
kik-sissach.ch


