Anziehung und Abstossung

Liestal Die Regionale feiert im Palazzo das 20-Jahr-Jubiläum unter dem Titel «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins»

Vernissagebesucher rund um Caroline von Guntens «about that Landescape 1» (2019). Fotos: A. Jegge

Vernissagebesucher rund um Caroline von Guntens «about that Landescape 1» (2019). Fotos: A. Jegge

Kurator Michael Babics (l.) und Niggi Messerli vom Palazzo eröffnen die Regionale 20 vor Ana Vujics Kohlezeichnung «1.0 Watching you».

Kurator Michael Babics (l.) und Niggi Messerli vom Palazzo eröffnen die Regionale 20 vor Ana Vujics Kohlezeichnung «1.0 Watching you».

Bereits seit 20 Jahren gibt es die Regionale, das Ausstellungsforum, das das Kunstschaffen der grenzüberschreitenden Regio Basiliensis widerspiegelt. Das Palazzo Liestal gehört seit Beginn zu einer der Ausstellungsstationen. Zum 20-Jahr-Jubiläum hat der Kurator Michael Babics der Auswahl den Titel «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» gegeben. Es ist dem gleichnamigen Roman von Milan Kundera (1984) entnommen, indem es um «Anziehung und Abstossung in gesellschaftlichen wie auch in zwischenmenschlichen Konstellationen» geht. Ein solcher Leitfaden kann helfen, die ausgestellten Werke zu verstehen, doch auch er ist der Anziehung und Abstossung unterworfen. Manche Werke lassen sich schnell mit dem Motto verbinden, manche fordern einiges an Denkarbeit.

Dies sagt aber nichts über die Qualität der Werke aus. Die Findungskommission und der Kurator haben wirklich tolle Werke ausgesucht, die für das künstlerische Schaffen der Region stehen. Keines der Bilder fällt ab und ein Besuch kann sehr kurzweilig werden, falls man sich mit dem Gezeigten auseinandersetzen will.

Auffällig ist, dass die Fotografie oder fotorealistische Arbeiten wieder populärer sind als auch schon. Jennifer Merlyn Scherlers Fotoserie «I can’t get no satisfaction» (2017) nimmt sehr bildhaft den zwischenmenschlichen Teil des Mottos auf und setzt sich mit Zweierbeziehungen auseinander. Eindrücklich auch Anna Diehls «Zwei Ketten» (2019), die aus ihrem gegebenen Bildraum ausbrechen wollen.

Zwei überdimensionierte Werke fallen auf: zum einen Caroline von Guntens Plastik «about that Landscape 1» (2019), ein riesiges aufgeblasenes Wesen, das träge im Raum liegt und die Wahrnehmung von Schwere und Leichtigkeit thematisiert. Zum anderen die grosse, direkt auf die Wand angebrachte Kohlezeichnung «1.0 Watching you» (2019) von Ana Vujic. Drei Menschen werden in einer Art apokalyptischer Welt von Überwachungskameras kontrolliert.

Immer wieder scheint auch der Schalk durch. Zum Beispiel bei Klaas Hansens Schaukel «Ombrosas Tod» (2019) aus Porzellan mit Ketten aus gebranntem Ton: Leichtigkeit, die nicht trägt, weil sie die eigene Stabilität nur suggeriert – die Schaukel kann nicht benutzt werden. Diese Auswahl soll zeigen, wie anregend die Ausstellung und wie hoch das Niveau der regionalen Kunst ist. Die nicht beschriebenen Kunstwerke sind ebenso spannend und warten auf viele Besucher.

Palazzo Liestal bis 5. Januar 2020. Di–Fr, 14–18 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr. Geschlossen: 24.–26. Dezember 2019, 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020. Begleitprogramm: www.palazzo.ch

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