«Das Problem ist, dass wir das Problem noch nicht erkannt haben»
Strom Im «Power Talk» der EBL wurde über die Versorgungssicherheit debattiert

Der letzte Power Talk in diesem Jahr widmete sich der Schweizer Stromversorgung. Experten diskutierten Chancen, Herausforderungen und Zielkonflikte bei der Nutzung von Windkraft und Gas. Die ideale Lösung existiere nicht und unser politisches System sei zu träge, war der Tenor. Yves Grebenarov von der EBL führte in die Thematik ein. 2025 sei die bei der Stromerzeug dominierende Kohle von den erneuerbaren Energien überholt worden. Ab 2022 habe es erstmals negative Strompreise gegeben. Dadurch und durch mehr Photovoltaik werde die Speicherung von Strom immer wichtiger. Im Sommer und zur Mittagszeit gebe es Stromspitzen, im Winter sinke die Produktion. Weil in der Schweiz Projekte bis 20 Jahre dauern können, werde deren Umsetzung erschwert.
Technologien, Mitspracheund schnelles Handeln
Auf der Bühne diskutierten Saskia Bourgeois (Bundesamt für Energie), Nadine Brauchli (VSE), Rita Kobler (Kanton BL) und Simon Weiher (Axpo).
Zur Investition in Gas bei dieser politischen Lage meinte Kobler: «Es ist eher die Frage, was wir wollen.» Die Politik blockiere und verzögere Lösungen durch Uneinigkeit und Einzelinteressenten durch die Einsprachemöglichkeiten. Kobler befürwortet einfachere und beschleunigte Verfahren. Sie stellt auch unaufgedecktes Effizienzpotenzial bei Staat, Industrie und Privaten fest, was zehn bis 15 Prozent ausmachen könne.
Brauchli sieht bei allen Technologien Gegenwind. In ihren Augen fehlt das generelle Bewusstsein, dass Strom in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil unserer Energieversorgung ist. Es gebe genügend Technologien, die Bevölkerung solle sich aber dazu äussern und dahinterstehen.
Gemäss Bourgeois haben viele Leute nichts gegen Windräder, aber es gebe eine laute Gegnerschaft. Sie befürwortet eine Effizienzsteigerung im Verbrauch. Weiher stellt bei den weniger sichtbaren Technologien mehr Zustimmung fest. «Ganz unten sind die Importe.» In den letzten zehn Jahren seien Windanlagen so optimiert worden, dass sie auch für die Schweiz geeignet sind. Die Stromfirmen würden in Investitionsvorleistungen gehen, wenn die Rahmenbedingungen dazu stimmen.
Wir seien in einer Situation wie vor Jahrzehnten, als sich die Schweiz für grosse Infrastrukturbauten entscheiden musste, von denen wir heute profitieren. «Das ist aber schwierig, da immer jemand etwas dagegen hast und es auch am Durchsetzungswillen fehlt», kritisierte Weiher. Es brauche ein Zusammenspiel von verschiedenen Technologien, eine Politik, die eine deutlichere Richtung vorgibt, eine Bevölkerung, die mitzieht und schnelleres Handeln.
«Es ist eigentlich ein gesellschaftliches Thema, das wir angehen müssen. Das Problem ist, dass wir das Problem noch nicht erkannt haben», sagte Grebenarov zum Abschluss.


