Glänzende Blechpracht
Baselbieter Konzerte Nuancierte Blasmusik mit «Brasseria» in der Stadtkirche

Die Kultur der Brass Bands hat in der Schweiz Tradition. Es kommt aber selten vor, dass man eine Formation hört, in der alle Mitglieder professionelle Solisten und verantwortlich für eine Stimme sind. Dies ist beim Ensemble «Brasseria» der Fall, das am 24. März im Rahmen der Baselbieter Konzerte in der Stadtkirche Liestal aufspielte.
Vorab sei gesagt, dass das 15-köpfige Ensemble durch einen frischen und transparenten Gesamtklang, saubere Intonation, satte Tiefen und strahlende Höhen überzeugte. Dirigent Jan Schultsz, Professor an der Hochschule für Musik Basel, leitet die «Brasseria» mit Schwung, subtilen Bewegungen und einem Gespür für Nuancen. Für Liebhaber des blasmusikalischen Wohlklangs waren die ersten beiden Stücke aus der Planeten-Suite von Gustav Holst gewöhnungsbedürftig. Das Stück «Jupiter, the Bringer of Jollity» oszilliert zwischen hymnischer Ruhe und ausgelassener Energie. Es enthält die berühmte Melodie «I Vow to Thee, My Country». Das längere Stück «Mars, the Bringer of War» tönt dagegen düster, bedrohlich und mit einem markanten Fünf-Viertel-Ostinato unerbittlich. Die Erfahrung von Krieg, Mechanik und Zerstörung wird durch scharfe Dissonanzen ausgedrückt und verzichtet auf jegliches Pathos. In Holsts «Second Suite in F for Military Band» wird konsequent englische Volksmusik verwendet. Nach dem «Song without Words» wird im «Song of the Blacksmith» der Ambossrhythmus des Schmieds hörbar. Nach einem Tanz erklingt in zügigem Tempo eine kontrapunktisch komponierte Interpretation von «Greensleeves». Mit dem beliebten «Pomp and Circumstance March No.1» mit seinem «Land of Hope and Glory» von Edward Elgar klang der erste Teil des Konzerts aus. Instrumentale Wärme und Glanz verschmolzen hier zu einer Einheit.
Von Buenos Aires nachSt. Petersburg
«Maria de Buenos Aires» von Astor Piazzolla aus dem Jahr 1968 ist eine rhythmisch komplexe, atmosphärische und geheimnisvolle Mischung aus Tango Nuevo, Jazz und klassischen Elementen. Hier wird eine Erzählung begonnen, wieder abgebrochen und eine neue gestartet. Immer wieder übernimmt ein Instrument eine Solopassage und reicht sie an ein anderes weiter.
Der dänische Komponist Mogens Andresen schrieb die Auftragskomposition «The Sound of Brasseria». Zuerst erklingen in «The Sound of Nature» alphornähnliche Naturlaute, bevor im «Sound of Angels» in den tiefen Lagen Bachs «Ich steh an deiner Krippe hier» aus dem Weihnachtsoratorium intoniert und von den Trompeten kunstvoll konterkariert wird.
Nach den kraftvollen «Proud Messengers» folgte das ekstatisch-fröhliche Finale «Joy of Life» mit witzigen Einsprengseln auf einem Stabspiel. Mit den «Polovtsian Dances» («Polowetzer Tänze») aus der Oper «Fürst Igor» tauchte man in die Klangwelt von Alexander Borodin ein. Die Tänze sind farbenreich und mitreissend, enthalten exotische Skalen und Rhythmen sowie effektvolle Steigerungen. Gegen Ende wird das Tempo eines Galopps angeschlagen und man sieht sich auf einem Ritt in der Weite der Taiga. Nach grossem Applaus gab es als Zugabe das schöne Stück «Glow» («Leuchten») des Amerikaners Eric Whitacre.


