Samtstimmen voller Brillantglanz

Liestal Amerikanisches Frauenensemble Lyyra begeisterte

Eine perfekte Einheit aus sechs unterschiedlichen Timbres: Lyyra..Foto: T. Brunnschweiler
Eine perfekte Einheit aus sechs unterschiedlichen Timbres: Lyyra..Foto: T. Brunnschweiler

Es ist ein Glücksfall, dass im Rahmen von «Stimmen zu Gast» das Weltklasse-Ensemble Lyyra am 7. Mai die Stadtkirche Liestal besuchte. Es besteht aus je zwei Sopran-, Mezzosopran- und Altstimmen und ist nicht irgendein A-cappella-Klangkörper, sondern ein audio-visuelles Ereignis mit starker Bühnenpräsenz. Das Programm war stilistisch unglaublich vielseitig und reichte von der Renaissance-Polyphonie bis zu modernen Pop-Arrangements. Amerikanische Klangästhetik – emotional direkt, flexibel und vom Jazz geprägt – verbindet sich mit einer grossen Individualität innerhalb des Gesamtklangs. Ob intim und fein im Pianissimo, ob kraftvoll groovend im Fortissimo, immer sangen die sechs Frauen mit samtiger Wärme und strahlender Leuchtkraft, transparent und mit präziser Intonation. Der Klang pulsierte und schwebte leicht durch den Raum, und oft verschmolzen die sechs Timbres zu fast synthesizerähnlichen Klangclustern, aus denen sich organisch eine Solostimme aufschwang.

Von der Renaissance bis Billie Eilish

Mit der festlichen, anspruchsvollen sechsstimmigen Renaissance-Motette «Sing Joyfully» von William Byrd eröffnete Lyyra den Abend, gefolgt von der sanften, aber rhythmischen Neo-Soul-Ballade «Medal» von Emily King, in der es um den Selbstwert und menschliche Verletzlichkeit geht. Eindrücklich zeigte Lyyra seine atmosphärische Bravour im zeitgenössischen Chorwerk «When the Earth Stands Still» von Don Mac Donald, einem Stück über Stille und Reflexion; hier wechseln tonale und clusterartige Klänge und erzeugen eine schwebende Wirkung. Ähnlich ist dies in «The Hymn of Acxiom» von Vienna Teng, wo sich reibende Harmonien zum Einsatz kommen. Es geht in diesem aktuellen Werk um eine Firma, die Informationen über Menschen sammelt; es heisst denn auch: «Lass unsere Formeln deine Seele finden …»

Nach dem komplex gesetzten Roadsong «America» von Paul Simon und dessen «Bridge over Troubled Water» folgte «Rise Up My Love» von Leslie Savoy Burrs, dem Vater der Mezzosopranistin Aryssa Burrs. Das ausdrucksstarke spirituelle Werk über einen Text aus dem Hohelied 2 erwies sich mit den synkopischen Einlagen als sehr anspruchsvoll. Dem spätromantischen Kunstlied «Dusk in June» von Amy Beach folgte der Jazzstandart «A Nightingale Sang in Berkeley Square», in dem Lyyra die Kunst des engen Harmoniegesangs präsentierte. Mit ungewöhnlich experimentellen Klängen ging es in Caroline Shaw’s «Dolce Cantavi» weiter. Vom Gospel geprägt ist das Traditional «Will the Circle Be Unbroken». In der bewegenden Soul-Ballade «Someday We’ll All Be Free» bot Aryssa Burrs ein hinreissendes Solo. «You Are the Sunshine of My Life» von Stevie Wonder durfte ebenso nicht fehlen wie «What Was I Made For?» von Billie Eilish & Finneas O’Connell. Hier setzte die Arrangeurin Anna Crumley mit ihrem engelhaften Sopran ein Glanzlicht. Mit Laura Mvulas «She» und Dolly Partons «Light of a Clear Blue Morning», bei dem Lyyra dynamisch nochmals alles geben konnte, ohne zu forcieren, endete das Konzert. Nach Standing Ovations gab es eine rhythmische Zugabe.

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