Schreibend lernte sie Liestal kennen
Krimi-Reihe Der achte «Samantha»-Roman von Ina Haller ist erschienen

Die Autorin Ina Haller lebt im Aargau, schreibt aber eine Krimi-Reihe, die in Liestal und Umgebung spielt. Gut möglich, dass Sie ihr schon einmal zufällig begegnet sind, ohne es zu wissen. Sei es bei einem Spaziergang auf dem Schleifenberg, sei es auf einer Quartierstrasse irgendwo im Baselbiet. Denn sie nimmt es mit der Recherche für ihre Romanschauplätze sehr genau. «Die Leute sind manchmal überrascht, dass ich nicht in der Gegend wohne, weil die Details alle stimmen», stellt Ina Haller fest.
Dabei ist die Liestaler Serie eigentlich aus einer Not heraus entstanden. Bekannt wurde Ina Haller durch ihre «Andrina»-Reihe, die im Aargau spielt. Als sie irgendwann den Wunsch hatte, eine zweite Reihe zu starten – mit der Heldin Samantha, die eine indische Abstammung hat und ihre eigene Perspektive und Lebensgeschichte mitbringt –, musste sie sich einen neuen Schauplatz suchen. Denn die Vorgabe des Verlags lautete, dass sich Andrina und Samantha nie begegnen dürfen. «Rund um Aarau, Luzern, Solothurn war alles schon besetzt von Kollegen, so ist es Liestal geworden», erklärt Ina Haller.
Liestal war ihr vor allem wegen dem «Chienbäse» ein Begriff, ansonsten wusste sie nicht viel über das Stedtli. Nach acht Romanen hat sich das geändert: «Ich durfte es mit Samantha kennenlernen – ich bin gemeinsam mit ihr auf Erkundungstour», erzählt Haller.
Im ersten Roman mit dem Titel «Rüebliland» wohnt Samantha noch in Lenzburg, bewegt sich aber schrittweise aus dem Aargau heraus und zieht schliesslich nach Liestal um. Der zweite Romantitel «Chriesimord» lässt bereits das Baselbiet anklingen und der dritte heisst, wie könnte es anders sein, «Chienbäse». Und in allen folgenden ist «Liestal» im Titel.
Richtung Seltisberg muss Samantha das Velo schieben
In Haller gibt zu, dass ihre Schilderungen nur Momentaufnahmen sind: «Das ist anders, als wenn man am Ort wohnt – aber auch anders, als wenn man sich einen Ort nur auf Google Maps anschaut.» Als sie zum ersten Mal Samanthas – fiktive – Wohngegend aufsuchte, fiel ihr auf, dass die Strasse in Richtung Seltisberg ziemlich steil bergauf geht. «Also musste ich einbauen, dass sie ihr Velo hinauf schiebt», sagt die Autorin.
Mittlerweile hat sie in Liestal und im Baselbiet auch Freundschaften geknüpft, unter anderem dank ihrer Lesungen. So erfährt sie kleine Alltagsbegebenheiten und lokale «Sörgeli» und kann auch mal fragen: «Du, wie ist das eigentlich …»
Manche Leute gelangen auch mit Tipps oder Wünschen an sie. Der aktuelle Roman «Liestaler Lügen» hat beispielsweise Aesch als Nebenschauplatz, wie es sich ein Leser gewünscht hatte. «Mal schauen, ob er eine Rückmeldung gibt», meint Ina Haller. Eine andere Person, mit der sie schon in mehreren lokalen Restaurants essen war, hatte ihr ein Foto vom Aussichtsturm Liestal geschickt – der nun zu einem wichtigen Bestandteil des Tatorts geworden ist.
Inzwischen arbeitet die Vielschreiberin bereits am neunten Band: Im Frühling erscheint meistens ein Samantha-Krimi, im Herbst meistens ein Andrina-Krimi, letztes Jahr hat sie sogar noch zwei andere Bücher dazwischen geschoben, die nichts mit den beiden Reihen zu tun haben. Jetzt, wo ihre drei Kinder etwas grösser sind, gelingt es ihr besser, alles unter einen Hut zu bringen. Trotzdem: «Man muss Disziplin haben – wenn ich das Rohgerüst schreibe, muss ich wirklich dranbleiben.» Auch in den Ferien wird «getöggelet». Dafür nimmt ihre Familie Anteil am Schreibprozess: Die Idee mit der Mumie in der Wand hatte ihre Tochter, während ihr Mann die Details rund um die Kosmetikbranche beisteuert, in der Samantha arbeitet.
«Gewisse Sachen müssen erfunden sein»
Die Nebenfiguren sind manchmal von existierenden Personen inspiriert, verrät Ina Haller. Aber meistens kommen sie in einem ganz anderen Kontext vor. Also keine Angst: Keine Liestaler Nebenfigur hat irgendetwas mit einer reellen, lokalen Persönlichkeit zu tun – das will Ina Haller bewusst vermeiden, genauso wie Kommentare zur Lokalpolitik: «Ich will unterhalten und manche Leute freuen sich vielleicht, wenn sie einen Ort kennen, der im Roman vorkommt.»
Und gewisse Sachen müssen einfach erfunden sein, betont Ina Haller. So ist die Buchhandlung, die im nächsten Roman vorkommen wird, nicht diejenige, in der sie jeweils ihre Lesungen abhält. Aber wenn wir schon beim Thema sind: Die Premierenlesung von «Liestaler Lügen» findet am 27. Mai um 19.45 Uhr in der Buchinsel, Rathausstrasse 8 statt.


