Betörende gesangliche Trinität
Liestal «Trio Cyrene» beendete am 21. April die Saison der Baselbieter Konzerte

Als die Sopranistinnen Shira Patchornik, Hélène Walter und Sara Gouzy zusammen mit Elias Conrad (Theorbe) die Bühne betraten, kamen einem die drei Grazien der Mythologie in den Sinn. Mythologisch begann es auch mit Claudio Monteverdis «Zefiro torna», einem heiteren Madrigal über den Frühlingswind, die Liebe und die Melancholie. Die Sängerinnen interpretierten dieses bekannte Lied mimisch und gestisch gekonnt. Hier wie in den folgenden Stücken vereinten sich die drei unterschiedlichen Stimmen zu einem komplexen und doch transparenten Klanggewebe aus Melismen, Koloraturen und melodiösen Ornamenten. Auch in Barbara Strozzis «Le tre grazie» und «Lamenti» mit chromatischen und rhetorisch intensiven Passagen sah man den drei Sopranistinnen die Lust an, diese Arrangements dem Publikum auf theatralische Weise näherzubringen. Elias Conrad brillierte dazu auf seiner Theorbe.
Ausser Programm stellten sich die Sängerinnen solistisch vor. Shira Patchornik sang einen Liebesappell von Francesco Cavalli und präsentierte ihre helle, klare, silbrige und oft fast schneidende Stimme. In einer Monodie von Antonia Bembo liess Sara Gouzy ihren weichen, warmen und intimen Mezzosopran erklingen: ein nahbares, gefühlvolles Timbre. Ganz anders die Klangfarbe von Hélène Walter in einem sizilianischen Lied: voll, rund, plastisch, mit viel Volumen im Mittellagebereich und mit starker dramatischer Präsenz.
A cappella, wunderschön und mit grosser Innigkeit trugen die drei Sängerinnen Douglas E. Wagners «Red Rose» vor. Danach erklang ein geglücktes Arrangement von «Come away» aus «Dido und Aeneas» von Henry Purcell mit seinem rhythmischen und tänzerischen Charakter.
Von Liebesschmerzbis Weinseligkeit
Nach der Pause interpretierten das «Trio Cyrene» das zeitgenössische, aber stark barock angehauchte Madrigal «Interrotte speranze» des anwesenden Komponisten Flavio Ferri Benedetti. Luigi Rossis «Disperate speranze» ist eine dramatische Kantate, geprägt von Kontrasten und expressiver Chromatik. Shira Patchornik sang das warmherzige jüdische Wiegenlied «Rozhinkes mit mandlen» («Rosinen mit Mandeln»). Aus der Barockoper «Nebucadnezar» von Reinhard Keiser erklang die lyrisch-empfindsame Arie «Geliebter, gute Nacht». In Francesca Caccinis «Aure volante» wird der Wind zum «Verbündeten eines Ichs, das zwischen Klage und Hoffnung pendelt». Hélène Walter interpretierte das innige armenische Wiegenlied «Loosin yelav» («Der Mond ist aufgegangen»). Nach Barbara Strozzis witzigem «Amor dormiglione» sang Sara Gouzy die melancholische irische Ballade «She move through the fair», bei der das ganze Publikum den Grundton mitsummte, was einen mystischen Effekt ergab. Den Abschluss machte das a cappella gesungene Lied «Wiegala» von Ilse Weber, das im Lager Theresienstadt entstand und emotional stark berührte. Nach Standing Ovations gab es das Trinklied «Amigella tutta bella» aus den «Scherzi Musicali» von Monteverdi, ein klangliches Besäufnis der komischen Art. Verabschiedet wurde an diesem Abend der langjährige Konzertarzt Markus Schönenberg.


