Herbstlich leichte Melancholie

Liestal Das Orchester Liestal spielte Brahms, Koussevitzky und Rimski-Korsakow  

Das Orchester Liestal musizierte in der Stadtkirche. Foto: A. Jegge

Das Orchester Liestal (OLi) hat für sein letztes Konzert eine klassische Zusammenstellung eines romantischen Konzertabends gewählt. Zuerst eine Ouvertüre, anschliessend ein Solistenkonzert und als Abschluss und Höhepunkt eine grosse Sinfonie. Auf den ersten Blick verunsichert das Programm unter der Leitung des Dirigenten Roberto Fabbroni kurz, denn was haben die Werke dieser drei so unterschiedlichen Musiker miteinander zu tun? Ein Russe, ein amerikanischer Russe und der grosse Spätromantiker Brahms? Hilfe leistete der nasskalte Abend am Samstag. Einerseits spiegelt die Melancholie in der Musik die düstere Stimmung des Abends, andererseits trug eben diese Melancholie mit ihrer Farbigkeit und Helle auch zur Linderung und Erwärmung des dunklen Abends bei. Melancholie kann nämlich beides.

Eröffnet wurde das Konzert mit Nikolai Rimski-Korsakows Ouvertüre zu seiner Oper «Die Zarenbraut». Die krude Handlung der Oper sei mal dahingestellt, sie ist als Werk vor allem für die Geschichte der russischen Musik wichtig. Nun ist es der Ouvertüre am Konzert so ergangen, wie es solchen Stücken oft geschieht. Man kann sich der Musik erfreuen, ein Zusammenhang fehlt halt dann doch, ausser derjenige der Melancholie. Das OLI hat sich beherzt des Stücks angenommen und so viel slavische Musikbilder als möglich wie möglich gespielt. Die ganze Farbigkeit überstrahlte den düsteren Abend. Das Stück endet etwas abrupt und genauso abrupt haben es die Zuhörerinnen und Zuhörer wegapplaudiert.

Das Solistenkonzert war ganz dem jungen Basler Kontrabassisten Laurin Biesenbender gewidmet. Das Konzert für Kontrabass und Orchester in fis-moll op. 3 von Serge Koussevitzky gehört zu den wenigen Konzerten für dieses Instrument. Der Komponist war zuerst im zaristischen Russland sehr populär, vor allem als Dirigent. 1920 wanderte er in die USA aus, wo ihn dasselbe Schicksal vieler seiner Kollegen traf – Heimatlosigkeit. Im Konzert zeigt sich, dass das Instrument selbst Grund ist, dass es mit ihm so wenig Konzerte gibt. Zu dunkel, zu melancholisch ist sein Tonumfang. Doch wenn es mit der Leichtigkeit von Biesenbender gespielt wird, zieht es einen nicht in den Boden, sondern lässt die Zuhörerinnen und Zuhörer mitfliegen. Das Publikum belohnte ihn mit einem grandiosen Applaus.

Interessanterweise gilt Johannes Brahms’ Sinfonie Nr.2 D-Dur op. 73 als seine heiterste Sinfonie. Doch auch hier, wie in der 1. Sinfonie, spürt man den Albdruck seines grossen Vorbildes Beethoven. Setzt er zum Jubilieren an, konterkariert bestimmt eine weitere Stimme zur Dunkelheit hin und färbt das Ganze in mal heiteres, mal dunkleres Zwielicht. Und ja, auch hier herrscht Melancholie, auch wenn in der helleren Version. Natürlich ist diese Musik nicht nur für die Zuhörenden schwierig, auch für die Musikerinnen und Musiker. Dass ein Orchester an diesem Riesenwerk immer etwas zu feilen hat, ist normal. Dass dabei aber trotz allem die Spielfreude und das Engagement zu spüren war und die Gesichter der Spielenden am Schluss nicht nur erlöst wirkten, sondern erfreut und glücklich, spricht für sich. So half die Musik dieses Konzertes der Dunkelheit eines verregneten Herbstabends mit heiterer Melancholie zu einem schönen Abschluss.

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