Supernova am Gesangshimmel

Baselbieter Konzerte Chelsea Marilyn Zurflüh und die CHAARTS Chamber Artists begeisterten das Publikum

Überzeugende Interpretation: Die CHAARTS Chamber Artists spielen Mozart «Eine kleine Nachtmusik» unter der Leitung von David Castro-Balbi (links).Fotos: T. Brunnschweiler
Überzeugende Interpretation: Die CHAARTS Chamber Artists spielen Mozart «Eine kleine Nachtmusik» unter der Leitung von David Castro-Balbi (links).Fotos: T. Brunnschweiler

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Aber im Falle der jungen Sopranistin Chelsea Marilyn Zurflüh wäre die Bezeichnung «Shooting Star» («Sternschnuppe») untertrieben. Sie ist – astronomisch gesprochen – eine Supernova. Davon konnte sich das Publikum des 5. Baselbieter Konzerts in der Stadtkirche am 20. Januar selbst überzeugen. Entsprechend euphorisch waren der Beifall und das Echo auf dieses Gänsehautkonzert.

Zu Beginn ertönte «Eine kleine Nachtmusik» von Wolfgang Amadé Mozart, die Serenade Nr. 13 für Streicher in G-Dur. Die Brüder David und Alexandre Castro-Balbi agierten markant als Klammer des Ensembles, das durchhörbar und äusserst alert das oft gehörte Stück zu einem Erlebnis machten. Die CHAARTS befreiten die Serenade mit subtilen Phrasierungen, guten Tempowechseln und teils mit Attacca-Attitüde aus dem Korsett der musikalischen Harmlosigkeit. Das Entrée zum zweiten Teil bestand aus Mozarts Sinfonia concertante KV 364 in Es-Dur. Dieses «Grande Sestetto» mit Kontrabass gilt nicht zu Unrecht als Höhepunkt von Mozarts instrumentaler Ausdruckskunst. Es ist ein Werk reifer Humanität und Ausgewogenheit zwischen Orchesterfülle und solistischer Vertrautheit. Schon im Allegro maestoso beginnt der Dialog zwischen Violine und Viola. Der emotionale Kern ist das melancholische, expressive und ja tragische Andante, dessen Tiefe das Ensemble hervorragend zu evozieren verstand. Im tänzerischen Presto kehrt die Heiterkeit zurück; doch auch hier gilt wie stets bei Mozart: «Die Tiefe liegt an der Oberfläche».

Sopranistin als Offenbarung

Bereits in den Arien «Ach ich fühl’s» aus «Die Zauberflöte» und «Strider sento la procella» aus Mozart «Lucia Silla» war dem Publikum klar, dass es einem besonderen Moment beiwohnte. Die Arien waren emotional und dramatisch überzeugend gesungen. Chelsea Marilyn Zurflüh besitzt einen lyrisch-dramatischen Sopran mit einem enormen Volumen. Das Timbre ist warm und dunkel grundiert, die Mittellage tragfähig, und die Sängerin hat eine starke, emotional intensive Bühnenpräsenz. Das Stimmprofil erinnert an Christa Ludwig und Renée Fleming. Sehr klar und bittersüss interpretierte sie Henry Purcells «Music for a while» aus «Oedipus». In der Arie «Se pietà di me non senti» aus «Giulio Cesare in Egitto» konnte sich ihre Stimme gegen das Ensemble behaupten. Ein furioser Höhepunkt war Vivaldis «In furore iustissimae irae». Nach der Pause trug Zurflüh Schuberts «Du bist die Ruh’» sehr lyrisch und innig vor. Bei Puccinis «Quando m’en vo» aus «La Bohème» demonstrierte Zurflüh ihre grosse Opernstimme, die auch im Verismo trägt.

Es folgte Donizettis Arie «O luce di quest’ anima» aus «Linda di Chamounix», die Zurflüh leicht und mit grossem Volumen vortrug. Den Abschluss bildete Gounots «Je veux vivre» aus «Roméo et Juliette», bei dem die Sängerin die Bühne verliess und singend durch die Zuschauer flanierte. Standing Ovations waren diesem Stimmwunder gewiss; danach griff Zurflüh zum Mikrofon und brillierte noch mit «I Look To You» von Whitney Houston.

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