Zeugnisse der WB von damals

Fotograf Christian Zellweger (76) übergibt seine WB-Aufnahmen ans Staatsarchiv

Triebwagen Nr. 3 zieht im Herbst 1984 einen Güterzug Richtung Waldenburg. Foto: Christian Zellweger

Triebwagen Nr. 3 zieht im Herbst 1984 einen Güterzug Richtung Waldenburg. Foto: Christian Zellweger

Christian Zellweger bei seinem ersten Besuch der neuen WB in Waldenburg am 16. September 2025. Foto: L. Degen

Christian Zellweger bei seinem ersten Besuch der neuen WB in Waldenburg am 16. September 2025. Foto: L. Degen

Mitte der 1980er-Jahre stand die Waldenburgerbahn (WB) vor einem grossen Umbruch. Neue Pendelzüge waren bestellt, aber noch nicht abgeliefert, Ausbauten an den Stationen waren schon realisiert (wie die neue Haltestelle Hirschlang) oder absehbar (Totalumbau Niederdorf), noch verkehrten die alten Triebwagen von 1953. Auch Güterzüge fuhren noch zwischen Liestal und Waldenburg, doch auch dieses Ende stand 1984 unweigerlich bevor.

Die WB unter Direktor Ernst Tanner wollte ihren bald historischen Betriebszustand dokumentieren. Durch Vermittlung von Beat Eggenschwiler, Verlagsleiter der Dietschi AG in Waldenburg, bekam der Fotograf Christian Zellweger den Auftrag, die WB ausführlich bildlich festzuhalten. Zellweger, in Hinterkappelen bei Bern wohnhaft, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Namen als hervorragender Eisenbahn-Fotograf geschaffen und mehrere Bücher, unter anderem über SBB-Elektrolokomotiven, publiziert.

Umbruch im Waldenburgertal

Zwischen 1984 und 1986 reiste er immer wieder tageweise ins Waldenburgertal und fertigte Aufnahmen an. Einige davon durchweht Melancholie, wie etwa die Serie über einen der letzten Güterzüge, andere zeigen mit dem neuen Rollmaterial ein Gefühl von Aufbruchstimmung. «Im Waldenburgertal vollzog sich, ähnlich wie in jüngster Zeit, ein grosser Modernisierungsschub. In gewisser Weise wurde dabei eine Idylle zerstört, andererseits die Bahn als Transportmittel zukunftsfähig gemacht», berichtet Zellweger, der die unwiederbringlichen Szenen festhielt. Spektakuläre Zugkreuzungen in Niederdorf, mit einem Weichenhebel über dem Bach und einem Stumpengleis entlang der Hauptstrasse, gehörten der Vergangenheit an. Noch aber stand der alte Bahnhof Waldenburg, der 1993 einem Feuer zum Opfer fallen sollte, und gelegentlich schnaubte die Dampflok «G. Thommen» durch die Dörfer. Daneben hat Zellweger auch Bauzüge und Einsätze des Bahndienstes fotografiert. «Es ging darum, den Alltag möglichst breit einzufangen.»

Heute, vierzig Jahre später, stellte sich Zellweger die Frage, was mit seinen Aufnahmen in Zukunft geschehen soll. «Ich bin in einem Alter, wo man sich solche Gedanken macht.» Das Staatsarchiv Baselland erklärte sich bereit, seinen WB-Bestand zu übernehmen. «Für mich ist Liestal der richtige Ort», freut sich Zellweger, der dem Staatsarchiv seine ganze WB-Sammlung als Schenkung vermachte. Dabei handelt es sich um schwarzweisse und farbige Negative, Abzüge sowie um Diapositive, total rund 2500 Stück. Mehrheitlich fotografierte Zellweger im Mittelformat 6 cm x 7 cm.

Das Staatsarchiv erklärte sich bereit, die Aufnahmen dem bestehenden WB-Archiv anzugliedern, worin sich bereits Alben mit Abzügen von Christian Zellweger befinden. In naher Zukunft sollen seine Fotos Negative und Diapositive digitalisiert und dadurch online verfügbar sein. Zellweger ist sehr zufrieden: «Wenn sich meine Fotos auch in der jungen Generation verbreiten, bleibt die Erinnerung an die frühere Zeit, das ist mir wichtig.»

Heute Modelleisenbahnund Krokodil

Mit der Eisenbahnfotografie hat Zellweger weitgehend abgeschlossen. «Bildmässig interessiert mich der heutige Betrieb kaum noch. Ich pflege vor jetzt meine Modelleisenbahn, für die ich früher nie Zeit hatte und arbeite im Depot Olten im Team von SBB Historic mit welches die ‹Krokodil›-Lokomotive Ce 6/8 III 14305 von 1925/26 betriebsfähig ‹am Leben› hält.».

Die neue WB hat er diesen Herbst erstmals besucht. «Ich hätte nie gedacht, dass aus der kleinen beschaulichen Nebenbahn einmal ein ultramodernes Niederflur-Tram werden würde.»

Zellweger, der zu den bedeutendsten Eisenbahn-Fotografen der Schweiz zählt, findet es wichtig, dass die WB eine gesicherte Zukunft besitzt: «Ich bin dankbar, dass ich die WB in den 1980er-Jahren als Fotograf begleiten durfte und dass sie bis heute so sicher und nach, einigen Anfangsschwierigkeiten, auch zuverlässig fährt.»

Weitere Artikel zu «Region Waldenburg», die sie interessieren könnten

Die beiden Geister (Hans Probst, Waldenburg, und Jörg Meier) besprechen das weitere Vorgehen.
Region Waldenburg20.01.2026

Wie werden wir bloss die Geister los?

Theatergruppe Holderbank Eine turbulente Geisterkomödie mit Spukeffekten
Hanspeter Gautschin beim Signierenseines neuen Buchs. Foto: P. Aenishänslin
Region Waldenburg09.12.2025

«Solange wir erzählen, bleibt

Waldenburg Hanspeter Gautschin stellt sein neues Buch «Erlebtes & Erzähltes» vor
Der Musikverein Hölstein überzeugt durch seine spielerische Qualität. Fotos: zVg
Region Waldenburg25.11.2025

Einfach das Beste

Jahreskonzert Der MV Hölstein holte die beliebtesten Stücke aus seinem Archiv