Analyse, Ziele, Wirksamkeit
100 Tage im Amt Regierungsrat Markus Eigenmann redete über seine Pläne

Das Wort «wirksam» fiel an Markus Eigenmanns Medienkonferenz von vergangener Woche mehr als einmal. Der neue Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor machte deutlich, dass er die Bildung als Standortfaktor für den Kanton betrachtet – eine hohe Qualität sei wichtig für Gesellschaft und Unternehmen. Er betonte jedoch ebenso, dass die vorhandenen Mittel so eingesetzt werden müssen, dass sie die grösstmögliche Wirkung erzielen.
Nach seinen ersten 100 Tagen im Amt trat er erstmals mit seinen Zielen für die laufende Legislaturperiode an die Medien. Auch hier setzte er Prioritäten und beschränkte sich auf drei grosse Themen: die Fremdsprachenkompetenz, die Kosten der Sonderschulung und die Uni-Finanzierung. Nur am Rande kam er auf die beiden anderen Bereiche neben der Bildung – Sport und Kultur – zu sprechen, in denen «mit wenig Mitteln viel für die Lebensqualität in der Region gemacht» werde. Als Sachgeschäft erwähnte in diesem Zusammenhang die anstehenden organisatorischen Änderungen beim Amt für Kultur.
Baselbiet soll besser bei den Fremdsprachen werden
Wenn sich Markus Eigenmann «gut ausgebildete Leute, die ihr Leben selber gestalten und sich in die Wirtschaft einbringen» wünscht, dann tue er dies nicht aus ideologischen Gründen oder aus dem hohlen Bauch heraus, sondern mit Blick auf finanzielle und politische Realitäten. Am Anfang steht die Analyse der Ausgangslage: Tatsache ist, dass das Baselbiet besonders in der Fremdsprache Französisch schlecht abschneidet. Bis Mitte 2027 soll ein Variantenentscheid gefällt werden, wie die Wirkung des Fremdsprachenunterrichts verbessert werden kann, die Umsetzung ist spätestens 2030 geplant. Eigenmann unterstrich, dass es nicht nur um die Frage des Startzeitpunkts gehe, sondern auch um andere Faktoren wie die Alltagsnähe des Unterrichts, Stundendotation oder Kompetenz der Lehrpersonen. Gespräche zur Abstimmung mit den Nachbarkantonen laufen bereits.
Ein schweizweites Phänomen ist die Zunahme von Schülerinnen und Schülern mit Sonderschulbedarf. Auch das Baselbiet sah von 2020 bis 2024 ein überproportionales Wachstum auf 39 Prozent. Besonders die Zuweisungen aufgrund schwerer Verhaltensstörungen nehmen zu. Zusammen mit mehr komplexen Fällen und der Teuerung ergibt sich ein Kostenwachstum von 50 auf 88 Millionen Franken. «Das ist wahnsinnig viel in fünf Jahren», stellte Markus Eigenmann fest. Mehrere Massnahmen sind aufgegleist, wie der Neu-Regierungsrat unterstrich: «Vieles wird bereits gemacht.» Unter anderem sollen der Schulpsychologische Dienst und die sonderpädagogische Kompetenz an der Regelschule gestärkt werden. Trotz einer Aufgabenüberprüfung («Programm PGA») sollen Angebot und Qualität erhalten werden. Das heisst aber auch: «Wir müssen schauen, dass wir Kinder nicht unnötig in ein Sonderschulsetting stecken», so Eigenmann.
Uni: Vorteil quantifizieren, Kosten gerecht verteilen
Was die «gerechte und stabile Finanzierung» der Universität Basel betrifft, verwies Markus Eigenmann auf eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem Kanton Basel-Stadt, um die Höhe des Baselbieter Beitrags zu überprüfen. Dabei gehe es auch, den Nutzen des Kriteriums «Standortvorteil» im Finanzierungsschlüssel zu quantifizieren. Ausserdem soll geprüft werden, ob sich die übrigen Kantone auf gerechtere Weise an den Kosten beteiligen können.
Bei all seinen drei Schwerpunktthemen stellte Markus Eigenmann klar, dass nur sorgfältige Eingriffe ins Bildungssystem gemacht werden sollen: «Wir wollen nicht zurück in die Bildungsreformitis!» Das bedinge aber eine angemessene Vorbereitungszeit.


