Fertig lustig für Thomi Jourdan

100 Tage im Amt Neo-Regierungsrat Thomi Jourdan zieht ein erstes Resumé 

Thomi Jourdan ist seit dem 1. Juli Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft und Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD). Seine damalige Wahl als Mitglied der kleinen EVP im Februar dieses Jahres war eine kleine Sensation. Und das trotz seiner beachtlichen politischen und beruflichen Erfahrung. Heute, nach einer «Schonzeit» von 100 Tagen, weiss man, da hat ein eloquenter und sozial engagierter Politiker ein Regierungsamt übernommen, der wirtschafts- und finanzpolitisch bürgerlich denkt und handelt und beherzt anpackt, um den Kanton weiter zu bringen. Diese traditionelle 100-Tage-Frist bemisst die Zeitdauer, die einem Amtsinhaber zugestanden wird, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Ab sofort steht Thomi Jourdan nun stärkerer unter Beobachtung. Das politische Klima könnte rauer werden, also «fertig lustig» für den Neo-Regierungsrat. Vor diesem Hintergrund ist Jourdan am letzten Montag im Liestaler Café Mühleisen den Medien Red und Antwort gestanden und hat seine bisherige und zukünftige Regierungstätigkeit aufgezeigt und selbstkritisch reflektiert.

Überblick verschaffen

Obschon Thomi Jourdan als ehemaliger Landrat und langjähriger Muttenzer Gemeinderat die politischen Abläufe des Kantons bereits gut kennt, sei ihm die Grösse des 450-köpfigen Departements eigentlich erst jetzt so richtig bewusst geworden. «Da musste ich mir rasch einen Überblick verschaffen», blickt er auf seine ersten Arbeitstage zurück. Dabei habe er die Vielfalt der acht Dienststellen in der VGD entdeckt und insbesondere kompetente Teams kennengelernt. Dort basiert Jourdans Führungstätigkeit nebst der Förderung von Innovation unter Anderem darauf, die Involvierten zusammenzubringen, Entscheidungsgrundlagen einzufordern und Entscheidungsverantwortung zu übernehmen. Der neue Regierungsrat attestiert seinem Vorgänger Thomas Weber, ein perfekt funktionierendes Departement übernommen zu haben. Wobei bei inhaltlich neuen Schwerpunkten und Kurswechseln strukturelle oder personelle Veränderungen als Anpassung an die Zukunft nie auszuschliessen seien. «Und da sind die veränderten Rahmenbedingungen des Bundes mitentscheidend», so Jourdan.

Baustelle Gesundheitspolitik

Die Wiederaufnahme von Gesprächen zur Fusion der Baselbieter Spitäler mit der Uni-Klinik Basel hat für Jourdan keine Priorität. Vielmehr geht es dem Gesundheitsminister um die Realisierung eines Gesundheitsraums BL/BS. «Da ist der vermehrte Dialog mit Basel gefragt», fordert Jourdan. Es gelte zu hinterfragen – das ist zwar nicht neu – was die Uni-Klinik besser könne, wo sind Doppelspurigkeiten und wo sind Überkapazitäten. Für die Spitäler Liestal und Bruderholz, deren Rentabilität ungenügend ist, fordert Jourdan sodann nebst einer Erweiterung der Grundversorgung ein verbessertes Zuweisungsmanagement, Reduktion des administrativen Aufwands und mehr Dialog in Bezug auf Infrastrukturneubauten. Im Übrigen nimmt er für die beiden Baselbieter Kantonsspitäler in Anspruch, sie seien im schweizweiten Vergleich immer noch kostengünstig unterwegs. Zu der bevorstehenden Corona-Welle: Jourdan sieht ihr aufgrund der während der letzten Pandemie gut organisierten Massnahmen mit Zuversicht entgegen und steht auch der Impfung positiv gegenüber.

Wald und Standortförderung

Er habe mit grosser Begeisterung den Wald neu entdeckt, sagte der Regierungsrat, der jetzt auch oberster Förster ist. Und da sieht er in der Bewirtschaftung nicht nur lokale Wertschöpfung, sondern auch klimapolitisch grosses Potenzial: «Holz als grosser Teil der Wärmeproduktion und als Ersatz für CO2-intensive Baustoffe.»

Zu den Pflöcken, die Jourdan in seinen ersten 100 Amtstagen thematisch bereits eingeschlagen hat, gehören die Bestrebungen, nicht nur die Agglomeration, sondern auch Randgebiete wie das Oberbaselbiet oder das Laufental mit Wirtschaft, Bildung und Forschung zu vernetzen. Dazu gehört etwa das Bereitstellen und Erschliessen von Wirtschaftsflächen oder die Innovationsförderung.

Nach der Präsentation seiner 100-Tage-Bilanz und den bisherigen Auftritten ist klar erkennbar: Der neue Regierungsrat Thomi Jourdan ist ein anpackender Politiker, der christliche Werte wie Bescheidenheit, Demut, Respekt und Nächstenliebe nicht vorgaukelt sondern vorlebt.

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