Hausärzten fehlt der Nachwuchs
Liestal Fachleute aus Politik und Medizin suchen nach Lösungen

Bei gesundheitlichen Fragen und Problemen sind die Hausärzte meistens unsere erste Ansprechperson. Da bei den Medizinstudenten der Beruf eines Spezialisten attraktiver erscheint und die Bürokratie immer mehr zunimmt, besteht schon seit vielen Jahren ein Mangel an Hausärzten. Die noch aktiven Familienärzte werden älter und die Zahl der Pensionierungen übersteigt ohne Gegenmassnahmen die Zahl des Nachwuchses immer mehr. An einem Podium des Kantonsspitals Baselland (KSBL) im Elefantehuus in Liestal wurde die aktuelle Lage erklärt und nach Massnahmen gesucht, um das Problem zu lösen.
Professor Andreas Zeller, Leiter des Universitären Zentrums für Hausarztmedizin beider Basel, lobte das Hausarztmodell als bunt und sehr vielseitig. Man begleitet seine Patienten in diesem Beruf fast «von der Wiege bis zur Bahre». Nach einem sechsjährigen Studium folgen weitere fünf Jahre bis zum Facharzt. Jetzt ist es möglich, eine eigene Praxis zu eröffnen. Neben der täglichen Arbeit gehört eine lebenslange Weiterbildung zu diesem anspruchsvollen Beruf. Ohne Gegenmassnahmen könnte sich die Anzahl Hausärzte in den nächsten 25 Jahren halbieren.
ZufriedeneHausärzte
Jährliche Untersuchungen seit 2015 ergeben, dass etwa zwei Drittel der Hausärzte mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Als Haupttreiber für Stress wird die überbordende Bürokratie angegeben. Als Lösung wird die Praxisassistenz diskutiert. Bei diesem Weiterbildungsmodell für junge Mediziner hilft Baselland bei der Finanzierung mit 63 Prozent während sechs Monaten mit. Gefordert werden mehr solche Stellen, gezielte Rotation in Spitälern und Abbau der Bürokratie. Die Assistenten sind wichtig für die Hausärzte, denn sie kommen aus den Spitälern und haben Beziehungen dorthin.
Regierungsrat Thomi Jourdan ist überzeugt von diesem Modell und befürwortet Investitionen. «Die Hausärzte haben einen grossen Anteil an der medizinischer Grundversorgung», sagte er dazu. Er möchte die Rotationsstellen in Zusammenarbeit mit den Spitälern ausbauen und ein gemeinsames Weiterbildungskonzept, das auch die Hausärzte stärkt.
Silvana Romerio von der Gemeinschaftspraxis Bachtanne in Oberdorf stört das ständige Gejammer, denn «wir sind nicht die einzigen, die viele Zettel für nichts ausfüllen müssen. Es sind Rahmenbedingungen, die besser sein könnten.» Sie bezeichnete ihren Beruf als absolut lässig, interessant und cool.
Für Eliska Potluková, Chefärztin Klinik und Leiterin Universitäres Zentrum Innere Medizin am KSBL, reicht es nicht, mehr Ärzte auszubilden, wenn nicht gleichzeitig genügend Stellen in Praxen und Spitälern geschaffen werden. Ein weiteres Problem sieht sie bei der Arbeitsbelastung, die nicht mit einer Familie kompatibel ist.
Pampersbürokratie
Als negatives Beispiel wird das «Pampersformular» erwähnt. Für ein Inkontinenzrezept verlangen Krankenkassen, dass in einem Formular Stärke und Urinmenge in Millilitern pro Stunde angegeben wird. Hausarzt Carlos Quinto, Vorstand Ärztegesellschaft Baselland, würde die Zeit und die Kosten von 120 Franken lieber in Pampers oder in die Behandlung von Patienten investieren!


