Gemeinsam heiss gejodelt und gefeiert

Eidgenössisches Jodlerfest in Basel Auch das Oberbaselbiet war engagiert dabei

 Jodlerfründe Wisebärg, Rünenberg
Wagen mit den Jodlern der Jodlerfründe Wisebärg, Rünenberg. Foto: E. Bachmann

Nachdem das Jodlerfest in Basel 2020 Corona zum Opfer fiel, verzichtete Bern 2026 zunächst auf dieses Fest, damit es in Basel nun nachgeholt werden konnte. Die Fortsetzung gibt es dann 2029 in Burgdorf (BE).

Am dreitägigen Volksfest haben sich die beiden Basel mit ca. 12000 Jodler/-innen, Alphornbläser/-innen und Fahnenschwinger/-innen zur Feier der Tradition getroffen und bestens verstanden.

Am Freitag und Samstag konnte man in zehn Kirchen und ähnlichen Räumlichkeiten rund 1200 Bewertungsvorträgen aus den Sparten Jodelgesang, Alphornblasen und Fahnenschwingen zuhören und zusehen.

Das Festgelände bot in drei Teilen (Jodlerdorf auf dem Petersplatz, Jodlermeile beim Petersgraben und auf dem Jodlerberg mit dem Gebiet der Altstadtgassen) eine riesige Vielfalt. Die Gruppen musizierten offiziell und spontan mit grosser Begeisterung da und dort.

Am Sonntag Vormittag fand der offizielle Festakt mit Ansprachen und Musik statt. Mittags spielte das Christoph Walter Orchestra mit Gästen auf dem Marktplatz in der sengenden Sonne flott auf.

In über 100 Festbeizen und Ständen wurden die Besuchenden und Aktiven bestens verpflegt und wegen der grossen Hitze wurde sehr gut darauf geschaut, dass viel Wasser getrunken wird. So kam am Anfang des grossen Umzugs am Sonntag zuvorderst der Tribelhorn der Eptinger Mineralquelle (historischer, rein elektrisch betriebener Lastwagen aus dem Jahr 1918) und gab grosszügig Wasser für alle aus.

Ein farbenfroher Umzugdurch die Hitze

Der Umzug wurde durch die Freie Strasse, am Marktplatz vorbei, über die Mittlere Brücke bis zur Messe geführt. Ein langer Parcours für die ca. 80 Einheiten und über 1500 Aktiven in farbenprächtigen Trachten, mit Wägen, Instrumenten und viel Liebe zum Detail im jeweiligen Auftritt.

Mit dem Umzug wurde das volkstümliche Brauchtum in allen Facetten auf Wagen, als marschierende Formationen mit und ohne Musik, mit Fahnen und kleinen flüssigen oder festen Gaben für das Publikum in die Strassen und über den Rhein in Basel gebracht. Das Oberbaselbiet war engagiert dabei; zum Beispiel mit dem Jodlerklub Spitzeflüeli Waldenburg, dem Jodlerchörli Wildenstein Bubendorf, dem Heini vo Sissech als Solo-Büchelbläser, den Jodlerfründen Wisenberg Rünenberg, dem Jodlerklub Hohwacht Lauwil und den Schweizer Drehorgel-Freunden, angeführt von Edi Niederberger, der als offizieller Liestaler Stadtdrehorgler gilt.

Die Jodlerfründe Wisenberg aus Rünenberg führten an ihrem schönen Wagen gleich noch einen Aussichtsturm mit und zeigten mit vielen Oberbaselbieter Wappen am Wagen wo man daheim ist.

Der Jodlerclub Hohwacht Lauwil durchfuhr den Umzug mit 26 singenden Frauen und Männern auf dem Wagen und bewarb die Wanderwege des Baselbiets mit einer Bergwanderung durch den Baselbieter Jura. Mit ihrem Auftritt in den Bewertungen erreichte der Jodlerclub die Bestnote 1.

Präsident Raymond Tanner lobte die gute Organisation der Basler und hatte grosse Freude an diesem einzigartigen, ganz lässigen Anlass aktiv dabei sein zu können. Das «Gässle» im Sommer fiel mit der besonderen Stimmung zwischen Rümelinsplatz und Spalenberg auf grossen Anklang. Man traf drei Tage lang lauter offene und freundliche Menschen, die einfach ein grosses Fest in bester Stimmung zelebrierten.

Die Bauernfamilien des Baselbiets prägen die Region mit vielfältiger Landwirtschaft, innovativen Hofläden, «Besenbeizli» und lokalem Engagement. Über 1700 Pensionspferde, Milchwirtschaft, Schweinezucht und der weitbekannte Obstbau (unter anderem Kirschen und Zwetschgen) bilden das wirtschaftliche Rückgrat der lokalen Bauernbetriebe.

Eine in grüne T-Shirts gekleidete Gruppe lief am Umzug mit und verteilte grosszügig «Chirsi». Von zwei Bauernfamilien aus Bretzwil und Buus wurden je 400 kg Kirschen auf zwei Wägen mitgeführt und verteilt. Die verschenkten Kirschen waren dunkelrot, saftig und sehr willkommen.

Die drei «scheenschte Dääg» im Sommer

An den drei Festtagen konnte man Tradition und Freude an Gesang und Musik hautnah erleben. Die Temperaturen kletterten jeden Tag über 35 Grad und liessen den Schweiss tropfen. Die Basler Brunnen dienten der Erfrischung oder gleich als Badewannen. Die Teilnahme von Einheiten der Basler Fasnacht brachten das Feeling einer Sommer-Fasnacht und die Gastronomen konnten sich über den Gästeaufmarsch draussen und drinnen freuen. In manchem Gasthaus sangen Jodelgruppen neben der Verpflegung gleich am Tisch weiter.
Der ehemalige Basler Regierungsrat Dr. Carlo Conti amtete als OK-Präsident des grossen Fests. Es galt das Vorurteil, dass Basel eine Stadt und keine Bergregion ist und damit keine Tradition im Jodeln habe, obwohl Basel einst zu den Hochburgen des Jodelns zählte. Nun kamen die Lieder der vielen verschiedenen Herkunftsgegenden in Basel zusammen und zauberten einen einzigartigen Jodel-Groove in der ganzen Stadt über die drei Festtage. Sogar in der SBB und in den Bussen wurde man mit einem Jodeleinspieler begrüsst und bei der Haltestelle «Universität» gab es den Untertitel «Jodlerdorf» im Fahrplan. 
Die Jodelvereine warben auch um Nachwuchs und suchen immer engagierte junge Sänger/-innen, um das Fortbestehen der Vereine und solch schöner Feste zu sichern.

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