Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Humortage Tucholsky-Abend zum Nachdenken: «Stossseufzer in bewegter Nacht»

Robert Schmid Sprecher am Klavier, Alex Ruef mit den Sängerinnen Andrea Suter und Rachel Maria Kessler  Foto: E. Bachmann
Robert Schmid Sprecher am Klavier, Alex Ruef mit den Sängerinnen Andrea Suter und Rachel Maria Kessler Foto: E. Bachmann

Werner Leupin eröffnete die Humortage Liestal in der 1852 erbauten Kornscheune, in der als Kulturscheune seit 2001 Veranstaltungen durchgeführt werden. Erfreut konnte er am Ende der Veranstaltung feststellen, dass es besser nicht geht, als Tucholskys Gedanken auf diese Art in der heutigen Zeit wieder in Erinnerung zu rufen. Die Humortage Liestal (noch bis 25. März) zeigen hochkarätig Humoristisches aus der Schweizer Kunst- und Kulturszene und sollen auch zum Nachdenken anregen.

Der «Stossseufzer in bewegter Nacht» wurde von Rachel Maria Kessler (Gesang), Andrea Suter aus Liestal (Gesang), Alexander Ruef (Klavier) und Robert Schmid, (Schauspiel) unter der Spielleitung von Stephan Mathys, eindrucksvoll präsentiert.

Der Auftritt wurde mit einem fulminanten Klavier-Einstieg eröffnet und mit den Gedanken von Kurt Tucholsky (*1890 in Berlin) an seine Geliebte Hedwig Müller, genannt Nuuna in Zürich vom Sprecher Robert Schmid vorgetragen. Er machte sich Sorgen, dass es vielleicht irgendein Heilmittel gegen seine gesundheitlichen Probleme gäbe, das er nicht habe, da er doch wieder ins Leben kommen und lachen möchte.

Die Lieder und Texte von Tucholsky wurden witzig, bitter, zärtlich und mit politischer Schärfe in den Ablauf eingebettet. Die Klammer bildeten Briefe aus dem Exil an die Zürcher Geliebte. Dazu lieferten gefühlsbetonte Chansons über das kleine Glück, über desaströse Männer und selbstbewusste Frauen, über die Macht und autoritäre Auswüchse die musikalische Note.

Die Texte wurden von Robert Schmid mit augenzwinkerndem Pathos und Leidenschaft gelesen. Die Sängerinnen brachten, begleitet vom Klavier, mit ihren Stimmen, ihren Texten und den unterschiedlichen Farben in den Chansons, die Themen von grell bis zart stark zum Ausdruck.

Vom Humor zur Realität

Tucholsky, versuchte unerschütterlich, die Würde und die klare politische Haltung zu bewahren – und den Humor nicht zu verlieren. «Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft», vorgetragen als zweistimmiges Lied, war die drastische Antwort auf die Enttäuschung der fehlenden Gegenwehr. Humor ist die Fähigkeit, und Bereitschaft, auf eher unschöne Dinge heiter und gelassen zu reagieren.

So wurden singend verschiedenste Gedanken formuliert, zum Beispiel, ob es den Mann, der nett, aufmerksam, wie am ersten Tag, ein Freund und Liebhaber ist, überhaupt gibt? Und die Sängerinnen kamen zur Erkenntnis, dass wer mehr liebt, auch mehr leiden muss.

Weiter folgte die Analyse über die Verwandtschaft als Ansammlung vieler Menschen, deren Hauptaufgabe es sei, die Nase in die Angelegenheiten der Anderen zu stecken, mit dem Rat «fang nie etwas mit der Verwandtschaft an, dann bist du wirklich glücklich dran» kommentiert.

Humor war auch erkennbar bei der Geschichte über die Beine des Mannes und der Frau im Bett, wenn der Mann längst schläft und die Analyse des Sinns über das «Loch», das ist, wo es nicht ist. Das Merkwürdigste an einem Loch sei der Rand, eben kurz vor dem Nichts.

Dagegen blieb die leider so reale Frage im Raum stehen, ob die Menschen es nie lernen werden, weiter Kriege zu beginnen? Die Antwort war der Aufruf «Krieg dem Kriege».

Humor als Ventil

Tucholsky wollte mit seinen Worten etwas verändern und verzweifelte, dass er dies nicht schaffte und nutzte den Humor als Fähigkeit, die hilft, dass man nicht durchdreht oder einem der Kragen platzt. Er musste als linker Demokrat, Pazifist und Warner vor den Nazis flüchten und starb 1935 vereinsamt in Schweden. Er ging leise aus dem Leben fort, vorsichtig, um die Anderen nicht zu stören. Die beiden Sängerinnen und der Sprecher verliessen die Bühne, um dem Klavier noch den letzten Klang zu überlassen.

Der Spielleiter Stephan Mathys möchte mit dem Stück animieren, Literatur wieder zu lesen und sich den Bezug alter Texte zur Gegenwart bewusst zu machen. Das interessierte Publikum erlebte einen interessanten gesprochenen und gesungenen Kontrast von heiter und melancholisch, politisch und intim, zu messerscharf und poetisch.

Die Vertonungen stammen von Hanns Eisler, Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky, Juriaan Andriessen und Anderen, die mit musikalischem Schwung Tucholskys Texte zu Gassenhauern in den Berliner Kabaretts der wilden Zwanzigerjahre formten.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Humortage Liestal: 19.3. Ke Panik, Guggenheim; 24.3. Remo Zumstein, DISTL; 25.3. Helga Schneider, Guggenheim

Programm: humortage-liestal.ch

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