Der Gelterkinder, der dem Gold so nah war

Sport Tino Polsini gehört zur Weltspitze – und war an der WM in Genua dem ganz grossen Coup so nah wie nie

Während des Laufs ist höchste Konzentration gefragt. Fotos: Sandro Anderes

Während des Laufs ist höchste Konzentration gefragt. Fotos: Sandro Anderes

Triumphaler Zieleinlauf beim Staffelsieg.

Triumphaler Zieleinlauf beim Staffelsieg.

Die Orientierungslauf-Weltmeisterschaft in Genua liegt inzwischen einige Wochen zurück. Für Tino Polsini bleibt sie dennoch ein Wettkampf, der seine Karriere beinahe sinnbildlich zusammenfasst: ganz vorne mitlaufen, den Traum vom grossen Wurf schon fast greifen können – und ihn am Ende doch nicht ganz festhalten.

Im Einzelsprint durch die engen Gassen von Sestri Ponente führte der Gelterkinder bis zur letzten Zwischenzeit das Feld an. Ein Podestplatz schien zum Greifen nah, seine starke Leistung in der Qualifikation hatte diese Hoffnung zusätzlich genährt. Doch auf der Schlussroute unterliefen ihm entscheidende Fehler. «Ich wollte nicht zu viel riskieren, doch am Ende war mir sehr heiss. Dort sind mir dann die Fehler passiert», sagte der 27-Jährige nach dem Rennen. Am Ende resultierte Rang fünf – bester Schweizer, aber eben knapp an einer Medaille vorbei. Weltmeister wurde der Norweger Kasper Harlem Fosser mit seinem sechsten WM-Titel, bei den Frauen setzte sich erwartungsgemäss Simona Aebersold durch.

Die Antwort auf die Enttäuschung folgte bereits einen Tag später. In der abschliessenden Sprintstaffel gewann Polsini gemeinsam mit Natalia Gemperle, Fabian Aebersold und Simona Aebersold die Goldmedaille. Als zweiter Läufer übernahm er das Rennen in aussichtsreicher Position, hielt die Verfolgergruppe auf Distanz und legte damit den Grundstein für den Schweizer Triumph. Die Schweiz verteidigte ihren Weltmeistertitel erfolgreich und verwies Schweden und Norwegen deutlich auf die weiteren Plätze.

Vom Postenlauf im Wald zur Weltspitze

Wer Polsinis Weg verfolgt, erkennt seit Jahren ein Muster, das er selbst einmal als «geradlinige Karriere mit konstanter Entwicklung» beschrieben hat. Vom regionalen Nachwuchskader über das nationale Juniorenkader bis ins Elitekader, dem er seit 2020 angehört, hat sich der gebürtige Gelterkinder Schritt für Schritt an die Weltspitze herangearbeitet. In der Schweiz startet er für die OLV Baselland, in Skandinavien zusätzlich für den schwedischen Verein Södertälje-Nykvarn OF. Diese Doppelbelastung zeigt, mit welcher Konsequenz er seinen sportlichen Weg verfolgt.

Was von aussen nach einer geradlinigen Erfolgsgeschichte aussieht, hat allerdings einen weniger sichtbaren Unterbau. Spitzensport kostet Geld, und Polsini macht daraus kein Geheimnis. 2021 absolvierte er anstelle der regulären Rekrutenschule die Spitzensport-RS und profitiert seither als Sportsoldat von der Unterstützung der Armee.

Hauptsponsor Dispopharm ermöglicht ihm seit seinem ersten Elitejahr die zahlreichen Trainingslager, seit diesem Jahr gehört er zudem zum Team der Schweizer Sporthilfe. Dennoch sagt er offen: «Trotzdem bin ich stets knapp bei Kasse und freue mich über weitere Gönner.» Es ist dieser Kontrast, der seine Geschichte so bodenständig macht – ein Weltklasseathlet, der seine Karriere bis heute auch mit Fanartikeln und Spendenaufrufen mitfinanziert.

Seinen bisher grössten Einzelerfolg feierte Polsini 2024 in Edinburgh. Dort gewann er im Sprint WM-Silber – seine erste Medaille an einem Grossanlass überhaupt. Wenig später sicherte er sich an der Schweizer Meisterschaft in Einsiedeln seinen ersten nationalen Einzeltitel. Sein persönlicher Betreuer Fabian Hertner sprach damals von einer Bestätigung auf allen Ebenen – technisch, mental und physisch.

Die Erfolge brachten Polsini nicht nur die Selektion ins Schweizer A-Kader, sondern auch die Nomination für den Baselbieter Sportpreis, eine Auszeichnung, die ihm nach eigener Aussage besonders viel bedeutet.

Ein perfekter Saisonstart

Dass Polsini an der WM zu den Medaillenkandidaten gehörte, kam nicht überraschend. Bereits beim Weltcup-Auftakt in Locarno-Ascona hatte der Oberbaselbieter den Einzelsprint gewonnen und dabei den Tschechen Tomáš Krivda sowie den Belgier Yannick Michiels hinter sich gelassen.

Es war der perfekte Start in eine Saison, die ihn als einen der Hoffnungsträger des Schweizer Männerteams nach Genua führte. Heute, einige Wochen nach den Titelkämpfen in Italien, überwiegt trotz der verpassten Einzelmedaille das Positive.

Der fünfte Rang im Sprint und das Weltmeistergold mit der Staffel haben eindrücklich gezeigt, dass Polsini endgültig zur erweiterten Weltspitze gehört. Gleichzeitig dürfte gerade das Sprintfinale seinen Ehrgeiz weiter verstärkt haben.

Gold hat Tino Polsini in Genua bereits gewonnen – wenn auch mit der Staffel. Im Einzel fehlt ihm diese eine Medaille noch. Betrachtet man seine Entwicklung der vergangenen Jahre, scheint sie längst keine Frage des Könnens mehr zu sein, sondern vielmehr des perfekten Rennens im entscheidenden Moment. Der Gelterkinder hat bewiesen, dass er mit den Besten der Welt mithalten kann. Nun jagt er nicht mehr bloss die Weltspitze – er ist selbst einer jener Athleten geworden, die es zu schlagen gilt. Und genau deshalb dürfte seine grösste Geschichte noch vor ihm liegen.

Weitere Artikel zu «Region Gelterkinden», die sie interessieren könnten

Die stolzen Gewinner (v. l. ): Philipp Scholer aus Tenniken (3. Platz), Remo Marchioni aus Muri/AG (Wurstsalatkönig 2026), Thomas Schaffner aus Diepflingen (2. Platz). Foto: M. Degen
Region Gelterkinden04.08.2026

Der neue Wurstsalatkönig steht fest

Sissach Cervelat, Röstzwiebeln und eine Prise Glück: So holte sich Remo Marchioni die Krone
Bildlegende Foto: zVg
Region Gelterkinden07.07.2026

GESI lädt zum gemütlichenGrill-Familien-Plausch

Sissach Gut besuchter Sommeranlass auf dem Zelglihof
Bildlegende Foto: zVg
Region Gelterkinden07.07.2026

Gänsehautstimmung

Gelterkinden Kindermusical «Elia»