Der neue Wurstsalatkönig steht fest

Sissach Cervelat, Röstzwiebeln und eine Prise Glück: So holte sich Remo Marchioni die Krone

Die stolzen Gewinner (v. l. ): Philipp Scholer aus Tenniken (3. Platz), Remo Marchioni aus Muri/AG (Wurstsalatkönig 2026), Thomas Schaffner aus Diepflingen (2. Platz). Foto: M. Degen
Die stolzen Gewinner (v. l. ): Philipp Scholer aus Tenniken (3. Platz), Remo Marchioni aus Muri/AG (Wurstsalatkönig 2026), Thomas Schaffner aus Diepflingen (2. Platz). Foto: M. Degen

Es riecht nach Zwiebeln, Essig und Cervelat, als sich am Samstagabend das SIX-Areal in Sissach füllt. Auf 32 Tellern liegt, fein aufgeschichtet und mit sichtlicher Hingabe drapiert, das Herzstück des Abends: Wurstsalat. Nicht irgendeiner. Der beste der Welt soll hier gekürt werden – zum 14. Mal.

Beat Buser, OK-Mitglied und so etwas wie der Hohepriester dieser Zunft, erzählt die Geschichte gerne und mit einem Schmunzeln im Gesicht. 2013 waren es einfach ein paar Wurstsalatliebhaber, die sich gegenseitig Fotos ihrer Kreationen in den Chat schickten und darüber fachsimpelten, wer wohl den besten mache. Aus dem Fachsimpeln wurde eine Idee, aus der Idee ein Anlass – und weil eine gewöhnliche Meisterschaft dem Ehrgeiz der Beteiligten nicht genügte, wurde gleich eine Weltmeisterschaft daraus. Man gründete, halb im Ernst, halb im Spass, den «WeltWurstsalatVerband».

«Ursprünglich fand die WM immer dort statt, wo der amtierende Weltmeister wohnte», sagt Buser. Das habe mit der Zeit aber Wirren gegeben, schliesslich kämen die Teilnehmenden längst nicht mehr nur aus der Nachbarschaft. Seit drei Jahren hat der Anlass darum ein festes Zuhause: das SIX-Areal beim Joker in Sissach. Die Pokale, die am Ende vergeben werden, sind übrigens keine Wanderpokale. Jedes Jahr ein neuer – auch der Ruhm soll frisch bleiben.

Dass die WM ausgerechnet in den Sommerferien stattfindet, ist kein Zufall, sondern Absicht. Seit 13 Jahren schon. Für all jene gedacht, die eben nicht ans Meer fahren, sondern zu Hause bleiben – und trotzdem etwas zu feiern haben wollen.

Zehn Juroren, fünf Tische, ein Los

Die Jury besteht traditionell aus mindestens zwei Beizern, zwei Metzgern und ein paar Vertretern von Presse und TV. In diesem Jahr sitzen zehn von ihnen an fünf Tischen, ihre Plätze wurden zuvor ausgelost, damit auch ja alles mit rechten Dingen zugeht. Die Teilnehmenden richten ihre Salate in einem abgesperrten Bereich an – kein Juror darf hinein, keine Bevorzugung soll möglich sein. Erst wenn die Teller fertig sind, herrscht am Verkostungstisch konzentrierte Stille. Pro Tisch werden die besten zwei Salate bestimmt. Zehn schaffen es so ins Finale.

Kaum stehen die Finalisten fest, ist es mit der Ruhe vorbei. Das Publikum drängt sich an die Tische der Ausgeschiedenen, um sich sein eigenes Bild zu machen – oder eher: seinen eigenen Geschmack. Es wird diskutiert, verglichen, probiert. Über Saucen, über Zutaten, über die Optik. Der Geschmack ist bekanntlich Geschmackssache, und an diesem Abend hat jeder eine Meinung dazu.

Als ein paar Regentropfen fallen, wird der Finalistentisch kurzerhand ins Trockene verlegt. Die Wurstsalat-Weltmeisterschaft lässt sich schliesslich nicht vom Wetter beirren.

Der König heisst Remo Marchioni

Am Ende des Abends steht der neue Wurstsalatkönig fest: Remo Marchioni aus Muri AG. Der zweite Platz geht an Thomas Schaffner aus Diepflingen, der bei der Rangverkündigung sichtlich aus dem Häuschen ist. Rang drei sichert sich Philipp Scholer aus Tenniken.

Für Marchioni ist es der Lohn für Beharrlichkeit. Es ist bereits sein viertes Antreten, letztes Jahr reichte es «nur» für Platz vier. Sein Rezept? Die Sauce stammt von seinem Dorfmetzger, dazu gute Cervelat, kleine Cornichons und Käse von Mont Vully, jenem Hügel bei Murten. Entscheidend sei aber vor allem eines: dass alle Zutaten fein geschnitten sind, damit sich die Sauce gleichmässig verteilt. Als i-Tüpfelchen streute er fein geröstete Zwiebeln über den Salat. «Ich wollte mich jedes Mal ein bisschen verbessern», sagt er.

Auch Juror Adi Frischknecht, der zum dritten Mal in der Jury sitzt, erinnert sich gut an den Moment, als Marchionis Teller auf dem Tisch stand. «Meine Juror-Kollegin und ich haben uns angeschaut und gefragt: Hast du schon einen Favoriten?» Beide hatten. Und beide meinten denselben Teller. Frischknecht bewertet nach einem einfachen Prinzip: Würde er als Metzger diesen Wurstsalat im Restaurant nochmals bestellen? Bei Marchionis Kreation lautete die Antwort klar Ja. Die Röstzwiebeln taten ihr Übriges. «Einfach numme fein», sagt er.

Platz zehn als Achtungserfolg

Nicht nur die Jury hatte an diesem Abend das letzte Wort. Auch das Publikum durfte abstimmen – für den kreativsten Teller. Da gab es eine Lokomotive aus Wurstsalatzutaten, ein ganzes Haus, fein aufgebaut aus Cervelat, Käse und Gurken. Gewonnen haben am Ende zwei Debütantinnen: Julia Hachen (12) und Samira Sutter (13) aus Diegten, die mit ihrem Cervelat-Blumenstrauss die Herzen des Publikums eroberten. Zum ersten Mal dabei – und gleich siegreich.

Marco und Sabine Manser, ebenfalls aus Diegten, waren zum zweiten Mal dabei und wollten nach Rang sechs im Vorjahr nochmals nachlegen. Am Ende wurde es Platz zehn. Kein Podest, aber ein solider Platz in den Top Ten – und ein Ansporn fürs nächste Jahr.

32 Teilnehmende, ein volles Areal, eine Stimmung irgendwo zwischen Chilbi und Kochshow: Die Wurstsalat-WM in Sissach ist längst mehr als ein Spass unter Fachsimplern. Sie ist zur festen Grösse im Sommerkalender geworden. Remo Marchioni trägt die Krone nun für ein Jahr – so lange, bis einer kommt, der es besser kann.

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