«Die drei schönschte Dääg z’Oltige»
Dorffest Oltingen Einer für alle, alle für einen – so feiert ein Dorf, das weiss, wie’s geht

Pünktlich um 13.30 Uhr standen sie bereit: Willi Pfaff, Urs Gass und Jürg Erny – hoch zu Ross in originalgetreuen Kavalleriekostümen, um den festlichen Einmarsch anzuführen. Pfaff war schon vor 50 Jahren dabei, damals als Oltingen das letzte Mal so aufgedreht war. Nun war es also wieder so weit.
Hinter ihnen zog ein ganzes Dorf durch sein eigenes Dorf: der Musikverein Gelterkinden, die Kreisschule Oltingen-Wenslingen, die Trachtengruppe Waldenburgertal, der Jodlerklub Farnsburg, eine Feuerwehr «Anno Dazumal» und eine Kutsche mit den Ehrengästen. Wer am Strassenrand stand, wusste: Das war kein gewöhnlicher Freitagnachmittag. Und auch das Wetter schien es zu wissen – strahlend blauer Himmel, die Sonne lachte. Genau wie 1976, als das legendäre Dorffest ebenfalls bei makellosen Bedingungen stattfand. Erst am Sonntagabend um 19 Uhr fing es damals an zu «räägele» erinnert man sich. Auch diesmal meinte es der Himmel gut mit Oltingen.
Das Dorf hatte sich für drei Tage in sich selbst verwandelt. Scheunen wurden zu Beizli, Garagen zu Marktständen. 75 Ausstellende am Määrt – vom Leimenhof Wenslingen mit Rapsöl und Linsen bis zur Drechslerei Iberg mit Gewürzmühlen, von Bio-Weinen aus dem Baselbiet bis zu handgefertigten Messern, von Eisenskulpturen bis zu Bürsten und Besen in Handarbeit. Und mittendrin: Selbstgemachtes von Kindern der Freien Schule Funke.
18 Beizli, 12 weitere Imbiss- und Barbetriebe – und durch alles hindurch rollten sie: 20 Kugelbahnen, von lokalen Sponsoren finanziert. 20000 Kugeln hatte das Komitee eigens herstellen lassen. Am Ende des Festes war praktisch keine mehr übrig. «z’Oltige rollt’s» – das Motto war buchstäblich gemeint. Die Bahnen bleiben nach dem Fest dauerhaft auf dem Kugelbahnweg zwischen Oltingen und Wenslingen – als Teil des Erlebnispfads Passepartout.
An der Eröffnungsfeier auf der Grossbühne stand OK-Präsident Michael Gass vor seinen Leuten und erzählte, was ihn in zwei Jahren Vorbereitung am meisten bewegt hatte: «Die schönsten Momente waren jeweils samstags, wenn ich durchs Dorf gefahren bin und gesehen habe, wie die Kleinsten Kanthölzer umhergeschleppt haben, die schwerer waren als sie selbst», sagte Gass. Er stockte kurz. «Da habe ich wirklich immer Gänsehaut bekommen – auch jetzt schüttelt es mich gerade.» Dann warf er einen Blick zu OK-Vizepräsidentin und Gemeinderätin Andrea Brenna und fügte trocken hinzu: «Das war übrigens meine Frau in den letzten zwei Jahren. Am Montag haben wir die Scheidung – ohne Ehevertrag.» Gelächter und grosser Applaus.
Brenna hatte auf der Bühne betont, wie wichtig ihr die lebendigen Traditionen seien – und dass sie von niemandem ein Nein bekommen habe. Im Nachgang verriet sie, was ihr persönlich am meisten bedeutet hatte:
«Gemeinsam mit so vielen Menschen durch unser Dorf zu ziehen und danach diese grossartige Feier zu erleben, war der schönste Lohn für all die vielen Stunden.» Wichtig sei ihr gewesen zu zeigen, «dass sich Altes und Neues wunderbar miteinander verbinden lässt». Der Erlös soll Vereine unterstützen, ein Tourismusprojekt finanzieren – und das Dach der Turnhalle sanieren. Jener Halle, die das Dorffest von 1976 erst ermöglichte.
Markus Christ, damals OK-Finanzchef und Pfarrer in Oltingen, war auch diesmal dabei. Er erinnerte sich, wie damals der Raclette-Käse schon am ersten Abend aufgebraucht war und dass jede Frau im Dorf mindestens sieben Kuchen hätte backen müssen – und dass eine davon alleine 600 Kuchen garniert hätte. Jetzt lieferte sie erneut tatkräftig ihre Crèmeschnitten. Manche Dinge ändern sich eben nicht. Beim Geld schon: Damals lagerte so viel Münz im Pfarrhaus, dass ein Architekt die Statik prüfen musste. Diesmal wurde mit Twint und Nötli bezahlt. Den Statiker brauchte es nicht mehr – die Hoffnung auf einen stattlichen Erlös für das Turnhallendach aber schon.
Insgesamt 21500 Besucherinnen und Besucher kamen über die drei Festtage nach Oltingen – zählt man Määrtler, Helfer und Einheimische dazu, waren es 25000 Menschen. Und beide Freinächte wurden bis 4 Uhr in der Früh zum Feiern und Tanzen ausgekostet.
Regierungsratspräsident Anton Lauber hatte es bei seiner Ansprache treffend auf den Punkt gebracht: «Diejenigen, die sich damals vor 50 Jahren kennengelernt haben, feiern heute schon fast ihre Goldene Hochzeit.»
Bleibt zu hoffen, dass nicht wieder 50 Jahre vergehen müssen bis zum nächsten grossen Fest in Oltingen.


