Römische Villa lüftet ihre Geheimnisse – aber nicht alle

Ormalingen Ausstellung über den vor mehr als 2000 Jahren erbauten Gutshof  

Rekonstruktionszeichnung des Gutshofs während der Blütezeit, etwa zu Beginn des 3. Jahrhunderts. Foto: zVg

Würde sie noch stehen, stünde sie zweifellos unter Denkmalschutz. Gemeint ist die aus der Römerzeit stammende Villa im heute überbauten Gebiet «Wolhusen» in Ormalingen. Nun widmet der Verein «Ortssammlung Ormalingen» dieser Villa im Bürgerhaus eine Ausstellung, die noch heute Donnerstag und zusätzlich am Samstag, 28. Juni 2025, jeweils von 14 Uhr bis 16 Uhr, besucht werden kann. Der Eintritt ist frei. Der Verein hat unter der Federführung von Bürgerratsschreiber Markus Schaub die Geschichte der «villa rustica» minutiös nachgezeichnet und in einer 40-seitigen Broschüre festgehalten. Das handliche Büchlein kostet acht Franken und kann an der Ausstellung oder beim Autor bezogen werden. Die Broschüre zeichnet sich nebst dem Text durch zahlreiche Fotos, Zeichnungen, Visualisierungen und weiteren Illustrationen aus.

Der Verfasser der Schrift und Kurator der Ausstellung arbeitete vor seiner Pensionierung während 40 Jahren bei der Archäologie Baselland. «Die Archäologie hat mich schon in meiner Jugendzeit fasziniert», gab Schaub zu verstehen. Beruflich befasste er sich intensiv mit der Römerstadt Augusta Raurica und mit der Farnsburg. Letztere hat er vor ein paar Jahren ausführlich dokumentiert und im Modell rekonstruiert. Gestützt auf die Erkenntnisse der Ausgrabungen zwischen 1906 und 1908 des Ormalinger Pfarrers Fritz La Roche im Auftrag der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft Basel sowie die Aufzeichnungen der Notgrabung der Archäologie Baselland vor acht Jahren im Zusammenhang mit einem Bauvorhaben, bewogen Schaub und seine Mitstreiter Daniel Freivogel, René Semadeni und René Völlmin, sich intensiv mit dem Römerhaus zu befassen. Funde aus der Umgebung und Sagen trugen das Übrige dazu bei. 2017 und 2023 entdeckten die Archäologen Relikte von Nebengebäuden, die vorher nicht bekannt waren.

Gepflegte Badekultur

Die bei den Grabungen freigelegten Fundamente zeigten, dass es sich beim Gutshof um das Herrenhaus einer römischen Villa mit 13 Räumen, einer Länge von 44 Metern und einer Breite von knapp 12 Metern gehandelt haben muss. Vermutlich wurde das Gebäude im ersten Jahrhundert nach Christus erbaut und bot aufgrund der enormen Grösse einerseits der Besitzerfamilie mit etwa zehn Personen und andererseits etwa 20 Bediensteten Raum. Die Villa war sehr komfortabel eingerichtet und verfügte sogar über ein Bad mit Warm- und mit Kaltwasserbecken sowie über eine Wandheizung. Die Bediensteten waren wohl in der Landwirtschaft tätig. Die Erzeugnisse des Gutshofs wurden vermutlich nach Augusta Raurica geliefert, wo in der Blütezeit der Stadt am Rhein gegen 20000 Menschen wohnten. Im dritten Jahrhundert nahm der Druck der germanischen Stämme, die von Norden her die Römer bedrängten, zu. Das hatte einen teilweisen Rückzug der Römer zur Folge, verbunden mit einem Rückgang der Wohnbevölkerung. Nach etwa 200-jähriger «Betriebsdauer» wurde der Gutshof aufgegeben, und die Gebäude zerfielen. Den nachrückenden Alemannen, die das Land wieder besiedelten, dienten die Ruinen wahrscheinlich als willkommene Materialquelle, um Gebäude aus Stein zu errichten. Markus Schaub vermutet, dass im Gemäuer der Kirche von Ormalingen Steine aus römischer Zeit vorhanden sind. Von der Bausubstanz des einstigen Gutshofs ist heute nichts mehr vorhanden. Nach den Notgrabungen gab die Archäologie Baselland das Areal für eine neue Überbauung frei. Viele Geheimnisse sind mit den archäologischen Untersuchungen gelüftet worden. Parallel dazu sind noch mehr Fragen aufgetaucht, die den Blick in die Vergangenheit spannend machen. Langweilig wird es erst, wenn wir alles wissen.

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