Wirtschaft ist mehr als Börse

Sissach Historiker und Ökonomin im Cheesmeyer-Gespräch  

Rolf Soiron, Susanne Leutenegger Oberholzer und Moderator Ueli Mäder (v.l.). Foto: E. Gysin
Rolf Soiron, Susanne Leutenegger Oberholzer und Moderator Ueli Mäder (v.l.). Foto: E. Gysin

«Den Wind spüren und den Apfel riechen», der Satz könnte von Sitting Bull stammen. Doch es war Rolf Soiron, der ihn ins Gespräch im Cheesmeyer einflocht und bedauerte, dass uns die sinnlichen Erfahrungen zunehmend abhanden kommen. Die Frage des Gesprächs drehte sich an diesem Abend um Möglichkeiten einer Humanisierung der Wirtschaft. Rolf Soiron, der Historiker, den es in die Wirtschaft verschlug und Susanne Leutenegger Oberholzer, Ökonomin, die zeitlebens in der Politik ihr Handlungsfeld fand, waren die Gäste von Ueli Mäder, der dem Gespräch den Faden gab. Klar doch, dass die aktuelle Bankenkrise zu dominieren drohte, aber sie wurde bloss gestreift und als die Katastrophe bezeichnet, die sie ja unbestrittenermassen auch ist.
Um es vorweg zu nehmen, es gibt keine Patentlösung, die zu einer humaneren Arbeitswelt führen könnte. Einigkeit bestand darin, dass es nicht der Staat sei, der es richten könnte. Wir alle sind gefragt, postulierte Soiron, wir hätten die Macht in diesem Staat. Wir nehmen sie einfach zu wenig wahr. Der Staat bezahle pro Einwohnerin und Einwohner rund 40000 Franken an die Rettung der Banken, sie sei da nicht so überzeugt, dass alle damit einverstanden seien, sagte Leutenegger. Dagegen müssten wir uns wehren, so ihr Aufruf. Stossend sei, dass gleichzeitig bei der AHV eine Sparübung angekündigt werde. Aber Demokratie sei eben auch anstrengend.
Hoher Wert von unbezahlter Arbeit
Rolf Soiron meinte, dass bei dieser Bankenkrise viel früher hätte eingegriffen werden sollen. «Die Aufsichtsbehörden verfügen über die rechtlichen Möglichkeiten hiezu», sagte er. Ein grosses Anliegen sind ihm die Kinder, dabei hat er stets seine Enkel im Fokus. Von ihnen weiss er, dass wenn Kinder Kriegerlis spielen, alle wissen wie das geht, wenn Frieden gespielt werde, so wisse keiner wie das gehen könnte.
Wirtschaftlicher Erfolg müsse der Gemeinschaft dienen, die derzeitige Bonuskultur mache ganz vieles kaputt, «das ist der Holzweg», so Soiron. Unsere Gesellschaft brauche eine spirituelle Dimension und die sei nicht messbar mit Geld. Einig waren sich beide darin, dass Wirtschaftsführer vom Schlage eines Alex Krauer selten geworden sind. Der damalige Präsident von Ciba-Geigy und danach Novartis geniesst auch posthum ein grosses Ansehen, «sein Erbe wurde kaputt gemacht», so Soiron.
Während des Gesprächs bekamen Heidi Kronenberg und Samuel Geiser Raum um ihr Forschungsprojekt vorzustellen. Die in der Schweiz geleistete unbezahlte Arbeit sei 434 Milliarden Franken wert, so Heidi Kronenberg. Das Bundesamt für Statistik habe diese Zahlen veröffentlicht. Die Wohnbevölkerung ab 15 Jahren habe 9,8 Milliarden Stunden unbezahlt und 7,6 Milliarden Stunden gegen Bezahlung gearbeitet. Den grössten Anteil an der unbezahlten Arbeit machen die Hausarbeiten aus, so Samuel Geiser. Kronenberg und Geiser stecken mitten in einem Forschungsprojekt über dieses Thema, im kommenden Jahr soll darüber ein Buch erscheinen, wurde angekündigt. 
Der Abend wurde musikalisch eingerahmt von der ukrainischen Pianistin Liudmyla Kholodtsova. Eingangs des Abends wähnte man sich ob des Pianospiels in einem Kaffeehaus. Die Pianistin verstand es vorzüglich dem Gesprächsabend den passenden Rahmen zu geben, was vom zahlreich erschienen Publikum mit viel Applaus bedacht wurde.
 

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