Aus der Wunderkammer des Sammlers

Liestal Das DISTL zeigt kuriose Objekte aus der Sammlung von Hans Peter Straumann

Auf seinen zahlreichen Reisen hat Hans Peter Straumann viele Objekte gesammelt und nach Hause gebracht.Foto: Roland Schmid

Auf seinen zahlreichen Reisen hat Hans Peter Straumann viele Objekte gesammelt und nach Hause gebracht.Foto: Roland Schmid

Hans Peter Straumann. Foto: Kenneth Nars

Hans Peter Straumann. Foto: Kenneth Nars

Eisbärschädel. Foto: M. Schaffner

Eisbärschädel. Foto: M. Schaffner

Feldbett mit Moskitonetz. Foto: Roland Schmid

Feldbett mit Moskitonetz. Foto: Roland Schmid

Als die Verantwortlichen des Dichter/-innen- und Stadtmuseums (DISTL) erfuhren, dass es in Liestal ein Museum gibt, von dem sie noch nie gehört hatten, waren sie sofort gepackt. Nach einigen Stunden in der Privatsammlung von Hans Peter Straumann waren sie überzeugt, dass sie sich als Thema für eine Sonderausstellung im DISTL eignen würde.

Hans Peter Straumann, geboren 1935, ist ein Liestaler Biologe, Lehrer, Reisender, Entdecker und Sammler. Er reiste unter anderem nach Grönland, durchquerte die Sahara und verbrachte im Auftrag der Basler Mission einige Jahre mit seiner Familie in Kamerun. Von überall her brachte er Objekte zurück, etwa einen Eisbärschädel, eine Schlangenhaut, eine Pygmäen-Armbrust, Bronzefiguren aus Ostkamerun. Er stellte ausserdem Schaukästen mit Käfern und Faltern, eine Mineraliensammlung und ein Herbarium zusammen und ergänzte sein Sammlung mit Kuriositäten aus der Region Basel. Diese ungeheure Vielfalt an Objekten präsentiert er seit einigen Jahren im ehemaligen «Konsum»-Ladenlokal an der Sichternstrasse in Liestal – eine wahre «Wunderkammer», so auch der Titel der aktuellen Sonderausstellung im DISTL.

Diese gibt einen kleinen Einblick in die Sammelleidenschaft von Hans Peter Straumann. Neben Tierpräparaten und ethnologischen Objekten sind auch Ausschnitte aus seinen Reisefilmen zu sehen, die mit persönlichen Kommentaren unterlegt sind. Ergänzend sind Fotografien der Fotografin Marion Bernet von einzelnen Sammlungsobjekten ausgestellt.

Mit dem Tonband durch den Busch

Zu jedem Objekt weiss Hans Peter Straumann eine Geschichte zu erzählen. «Ich kann nicht ins Detail gehen, sonst sind Sie um neun Uhr noch hier», scherzte er an der sehr gut besuchten Vernissage vom vergangenen Freitag. Einige Anekdoten teilte er trotzdem, beispielsweise wie er über die Niederlande mit dem Schiff nach Afrika reiste und Träger engagierte, die sein Tonbandgerät durch den Busch trugen. Auch Kannibalismus-Gebiete habe er besucht, erzählte er, die selbst von den Einheimischen gemieden worden seien. Mit «Zartes weisses Fleisch angekommen!» sei sein Eintreffen angekündigt worden – dazu demonstrierte Hans Peter Straumann die «Sprechtrommel», ein Instrument, das verschiedene Töne erzeugt, mit denen Mitteilungen über weite Entfernungen «verschickt» werden können. Mit seinem Tonband habe er ein ganzes Wörterbuch dieser Trommelsprache aufgenommen.

Passend umrahmt wurde die Vernissage von zwei Musikern der Gruppe Durangodance. Die beiden Männer aus Mali und Côte d’Ivoire spielten auf verschiedenen Trommeln und dem Balafon (eine Art Xylofon) und ernteten dafür begeisterten Applaus vom Publikum.

Ein Leben voller Geschichten

«Das Leben von Hans Peter Straumann ist ein Leben voller Erlebnisse und Geschichten, voller Freude und Neugier», meinte Cyrill Willi, der die Sonderausstellung für das DISTL kuratiert hatte. Die Ausstellung könne nur einen ganz kleinen Teil dieser Geschichten abbilden. Cyrill Willi hat die Ausstellung in vier Themen gegliedert: «Auf Reisen», «Familiengeschichte und -geschichten», «Sammeln und Entdecken», und als Höhepunkt: «Wunderkammer».

Dorothee Lanz, die Schwiegertochter von Hans Peter Straumann, verglich seine «wilde Sammlung» mit den Kuriositätenkabinetten vergangener Jahrhunderte, die naturkundliche, ethnografische, technische oder künstlerische Objekte zur Schau stellten, bevor spartenspezifische Museen aufgekommen seien.

Die Sammlung von Hans Peter Straumann passe zum Thema «Liestal und die Welt», das sich durch die Dauerausstellung des DISTL ziehe, von den Römern über die Spitteler-Nobelpreismedaille bis zu Liestaler Produkten, die es in alle Welt geschafft hätten, so die DISTL-Mitarbeiterin Rea Köppel.

Museumsleiter Stefan Hess konnte unfallbedingt nicht an der Vernissage teilnehmen. Auch Hans Peter Straumann musste sich aus gesundheitlichen Gründen früh von den Vernissagegästen verabschieden. Kurator Cyrill Willi entliess ihn mit den Worten: «Danke, dass du heute dabei bist, auch wenn du nicht mehr so fit und munter bist wie auch schon!», worauf der 88-Jährige verschmitzt meinte: «Munter schon!»

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