Denkwürdiger Liederabend

Baselbieter Konzerte Konstantin Krimmel und Ammiel Bushakevitz in der Stadtkirche Liestal  

Gesanglich, emotional und mimisch grossartig: Konstantin Krimmel.Fotos: T. Brunnschweiler

Das 5. Konzert der Baselbieter Konzerte am 28. Januar war dem Liedschaffen von Franz Schubert und Carl Loewe gewidmet. Die Ausführenden waren der Bariton Konstantin Krimmel, der 2024 bei den Opus Classic Awards zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, und der renommierte Pianist Ammiel Bushakevitz. Am Anfang und am Ende des Konzerts erklangen insgesamt elf der über 600 Lieder von Franz Schubert. In seiner Schaffenszeit komponierte er also durchschnittlich mehr als 30 Lieder pro Jahr. «Der Wanderer», nach einem melancholischen Gedicht von Georg Schmidt von Lübeck, beginnt langsam, mit Triolen in der Begleitung. Der Schlussteil ist tragisch, endet aber in Dur. Schon in diesem wunderschönen Lied zeigte Krimmel seine grosse sonore Stimme, präzise Artikulation, Emotion und eine leidenschaftliche musikalische Durchdringung. Es folgten Schuberts «An den Mond» nach Ludwig Hölty, «Hoffnung» nach Friedrich Schiller und das lyrische Lied «Der Jüngling an der Quelle» nach J. G. von Salis-Seewis mit seiner feinen Begleitung, die leise verklingt.

Gedenken an Silviane Mattern

Der produktive Komponist Carl Loewe dürfte dem Publikum weniger bekannt gewesen sein. Er schrieb 400 Balladen und gilt allgemein als «pommerscher Balladenkönig.» In «Herr Oluf» nach Johann Gottfried Herder wird das Erlkönig-Motiv musikalisch dramatisiert. Loewe gelingt es, bereits in der spannenden pianistischen Einleitung die Tragik des Schlusses zu antizipieren. Krimmel sang die Personen mit unterschiedlichen stimmlichen Nuancen und mimisch kongenial veranschaulicht, sodass sich Gänsehauteffekte einstellten. Nach dem «Erlkönig» nach Goethe, dem «Geisterleben» nach Ludwig Uhland sang er «Der Totentanz» nach Goethe mit teilweise fast diabolischer Mimik. Nach der Pause folgten nochmals sieben Schubert-Lieder. Schubert schickte Goethe 1819 eine Sendung mit Liedern zu, unter anderem den «Erlkönig». Goethe reagierte nicht, er mochte die durchkomponierte Liedform nicht und spürte vielleicht, dass die Musik Schuberts seinen Gedichten die «Show» stahl; er hörte das Lied erst 1830 und erfreute sich besonders an der jungen Sängerin. Nach «Am Bach im Frühling» nach Franz Schober erklang das berühmte «Der König in Thule» nach Goethe und «Totengräbers Heimweh» nach Jakob N. Craigher. Mit dramatischer Begleitung beginnt «Gruppe aus dem Tartarus» nach Schiller, auch wieder sehr emotional interpretiert. Den Höhepunkt bildete Schuberts «Erlkönig» mit der pulsierenden Klavierbegleitung in der rechten Hand und der rollenden in der linken. Es folgten Standing Ovations für die beiden herausragenden Künstler.

Vreni Schäfer vom Vorstand würdigte die im Dezember verstorbene Silviane Mattern-Cuendet, welche die Baselbieter Konzerte ins Leben rief. Mattern wurde dank ihres Engagements Ehrenbürgerin von Liestal. In Memoriam der Verstorbenen sang Krimmel Schuberts berührende «Litanei auf das Fest Allerseelen».

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