Der direkte Weg nach Olten

Liestal Dominik Wunderlin referierte zum Eisenbahnbau im Baselbiet

Referent Dominik Wunderlin erklärt die beiden Linienvarianten durchs Ergolztal und Liestal.Foto: L. Degen
Referent Dominik Wunderlin erklärt die beiden Linienvarianten durchs Ergolztal und Liestal.Foto: L. Degen

Fast reichten die Stühle im «Dichter:innen- und Stadtmuseum Liestal» (DISTL) nicht, um dem herbeiströmenden Publikum eine Sitzgelegenheit zu bieten. Über 50 Personen wollten hören, was Dominik Wunderlin, bekannter Kenner der Liestaler Geschichte, zu den Anfängen der Eisenbahn im Baselbiet im Allgemeinen und zum Liestaler Bahnhof im Speziellen zu sagen hatte. Wunderlin schöpfte aus seinem reichhaltigen Wissensschatz und spannte einen weiten Bogen, von der ersten Dampflokomotive in England bis zum abgesagten Bahnhofs-Einweihungsfest, für welches sein Vortrag ursprünglich geplant gewesen war. Der Volkskundler war jedoch nicht unglücklich darüber, dass im Plenum keine «Bierlaune» herrschte, sondern eine gespannte Erwartungshaltung.

Wut über abgeschnittene Feldwege

Erste Schienen erreichten Basel 1844 vom Elsass her, im Gebiet der Spitalstrasse entstand ein Bahnhof mit Eisenbahntor in der Stadtmauer. Das Grossherzogtum Baden baute seine Bahn auf eigener Breitspur von Karlsruhe her durchs Rheintal hinauf mit dem Ziel Waldshut. Dort wollte Zürich den Anschluss an die Nordbahn herstellen, doch die so genannte «Spanisch-Brötli-Bahn» kam 1847 nicht über Baden hinaus. Prägend für den jungen Kanton Baselland wurden die Pläne der Schweizerischen Centralbahn, die 1853 in Basel gegründet wurde.

Wunderlin stellte die Biografien der Gründer Speiser, Geigy und Bischoff vor und zitierte aus zeitgenössischer Literatur. Dabei gab es nicht nur Lobesworte, der Eisenbahnbau rief auch Gegner auf den Plan. Einerseits wurden dramatische medizinische Gründe gegen das Bahnfahren verbreitet (der Mensch vertrage diese Geschwindigkeiten niemals), andererseits gab es handfeste Tatsachen für Empörung. Denn der Bahnbau erforderte Land, das zum Teil unzimperlich erworben wurde. Böses Blut gaben vor allem die Enteignungen, die manchmal auch vor Bundesgericht endeten. Wunderlin berichtete von wütenden Prattelern, die Bauarbeiter vertrieben, um ihre gewohnten Feldwege weiterhin nutzen zu können. Auch unterschiedliche Entschädigungszahlungen und Einschüchterungsversuche bei Weigerung eines Verkaufes wurden kantonsweit übel registriert. Bei den Wahlen 1857 wurden daher die als bahnfreundlichen geltenden Landräte allesamt abgewählt, auch Regierungsrat Johannes Meyer verpasste die Wiederwahl. Gewinner dieser Situation war Christoph Rolle von der «Revi»-Partei, die gegen die «Eisenbahnbarone» wetterte.

Doch dessen ungeachtet legte die Centralbahn ihre Schienen immer weiter vom ersten Bahnhof beim Aeschenplatz Richtung Oberbaselbiet. Liestal bildete 1854 für ein Jahr den Endpunkt der Strecke, ehe die Linie 1855 bis Sissach weiterführte. 1858 war die Linie durchgehend über Läufelfingen bis Olten befahrbar.

Wunderlin berichtete von den beiden Linienvarianten, so gab es auch einen Plan, die Bahn der Ergolz entlangzuführen, mit einem Liestaler Bahnhof auf der Höhe der ehemaligen Giesserei Erzenberg. Schnelle Spekulanten kauften dort bereits Boden, in der Erwartung, ihn dann später mit Gewinn der Centralbahn weiterzuverkaufen. Doch der Bahnhof wurde beim damaligen Schützenstand realisiert, wobei die Schützengesellschaft von der Centralbahn eine ansehnliche Summe als Entschädigung erhalten hatte. Baulich ist vom ersten Bahnhof nichts mehr übrig, ebenso vom zweiten von 1949, der für die jetzige «Cremeschnitte», so Wunderlin, dem Abbruch geweiht wurde. Mit dem Adlertunnel hätte Liestal bereits vor rund 35 Jahren einen neuen Bahnhof erhalten sollen, mit schrägen Lärmschutzwänden oder gar in Tieflage, nach dem Willen des Liestaler Stadtrates. Gebaut wurde in den letzten Jahren schliesslich, was die SBB bereits damals wollten: Eine offene Linienführung mit vier Gleisen. Seit 1854 hat sich also wenig geändert: Die Bahn setzt sich immer durch, heute einfach nicht mehr so rasch wie damals.

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