Magische Zusammenarbeit

Schützenstube Liestal Denkmalpflege und Bauherrschaft gingen Hand in Hand

Der freigelegte Innenhof lässt Licht ins Restaurant und bietet Platz für die Balkone, die zu den Wohnungen gehören.Foto: M. Schaffner

Der freigelegte Innenhof lässt Licht ins Restaurant und bietet Platz für die Balkone, die zu den Wohnungen gehören.Foto: M. Schaffner

Auf dieser Darstellung aus dem 17. Jahrhundert sind rot umrandet die Vorder- und Hinterhäuser zu sehen. (Original von Jakob Meyer, Umzeichnung: Karl Gauss, 1910.) Foto: Archäologie Baselland

Auf dieser Darstellung aus dem 17. Jahrhundert sind rot umrandet die Vorder- und Hinterhäuser zu sehen. (Original von Jakob Meyer, Umzeichnung: Karl Gauss, 1910.) Foto: Archäologie Baselland

Wörter wie «Rendite» und «Investor» verwendet Mathias Hirt eigentlich nicht gern. Die «Schützenstube» in der Liestaler Altstadt sei für ihn nicht ein Renditeobjekt, sondern ein Privileg: «Das Gebäude wird noch Jahrhunderte hier stehen, wenn wir alle schon zu Staub zerfallen sind.» Als Vertreter der Eigentümerschaft muss er jedoch einer Realität ins Auge blicken: Eine Immobilienfirma, selbst wenn es sich um ein lokales Familienunternehmen wie die Zedrima AG handelt, muss darauf bedacht sein, dass ihre Objekte «nachhaltig über Investitionszyklen kostendeckend» sind, sprich «eine gewisse Wirtschaftlichkeit» aufweisen. Und Erträge lassen sich nur durch möglichst grosse vermietbare Flächen erzielen – was je nachdem zu einem Interessenskonflikt mit denkmalpflegerischen Aspekten führen kann.

Der kürzlich abgeschlossene Umbau der «Schützenstube» beweist aber, dass das nicht zwingend der Fall sein muss. Die Kantonale Denkmalpflege nahm das Projekt als Aufhänger für ihr alljährliches «Mediencafé» und lud die Medien zu einer speziellen Führung ein. Zu dem Gebäudeensemble gehört nämlich nicht nur die «Schützenstube» – die ObZ hatte anlässlich der Wiedereröffnung ausführlich über den Umbau des Restaurants berichtet –, sondern auch das Nachbarshaus an der Rathausstrasse sowie drei Hinterhäuser an der Mühlegasse (siehe Grafik rechts). Während zweieinhalb Jahren wurden die Häuser renoviert, es entstanden moderne Wohnungen, und der ehemalige Innenhof, der mit der Küche und dem alten Lift zugebaut war, wurde freigelegt.

Laut Architekt Christoph Löliger ist der neu entstandene Lichthof quasi das «Rückgrat» des Ensembles. Er bietet Platz für die Balkone, die zu den Wohnungen gehörten und lässt Licht in die ehemals sehr düstere «Schützenstube» fallen. Ausserdem wird hier die Erschliessung über Lift und Treppe zentralisiert. Da die Stockwerkniveaus in jedem Haus anders liegen und das Ensemble überhaupt sehr verwinkelt ist, war viel Kreativität gefragt.

Dabei sei zwischen Eigentümerschaft und Denkmalpflege ein Vertrauensverhältnis entstanden, sagte Mathias Hirt. Die Denkmalpfleger/-innen, die ja nichts Anderes seien als Anwälte für die Bausubstanz, die selber nicht reden könne, hätten den Spagat geschafft und die Bauherrschaft gecoacht, um das Optimum herauszuholen: «Wenn man einander hilft, kommt diese Magie zustande.» Mathias Hirt wünscht sich, dass diese Art, miteinander umzugehen, Schule macht: «Wir alle haben Interesse daran, unser Kulturgut zu erhalten.»

Ortsbildpfleger Philippe Allemann zeigte auf dem Rundgang, wie sich moderne Wohnbedürfnisse bei engen Platzverhältnissen in einer Altstadt realisieren lassen. Beispielsweise wurde ein Teildach angehoben, um mehr Wohnraum zu gewinnen – eine Lösung, auf die die Bauherrschaft vielleicht nicht alleine gekommen wäre.

Die Kantonale Denkmalpflegerin Sabine Sommerer strich heraus, dass es bei so einem Umbau eine Vision brauche. Wenn Mathias Hirt den ideellen Wert der Bausubstanz nicht erkannt hätte, wäre es nicht zu diesem Resultat gekommen.

Für die vorbildliche Zusammenarbeit bedankte sich auch Nora Näf, Leiterin Bauforschung bei der Archäologie Baselland. Für sie war besonders interessant, dass die Oberflächen, die im Lauf der zeit dazugekommen waren, schichtweise zurückgebaut wurden. Unter anderem kamen verschalte Deckenbalken, die fürs 16. Jahrhundert unüblich sind, oder eine mit Ranken bemalte Decke zum Vorschein.

Mehr zum Projekt gibt es im Jahresheft 2025 der Kantonalen Denkmalpflege und in der Broschüre «Beispielsammlung Ortsbildpflege» zu finden (beides online verfügbar unter baselland.ch/search, dort «Denkmalpflege» als Suchbegriff eingeben).

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