Kein Feuer, keine Raketen, kein Zünseln

Liestal Der Nationalfeiertag auf Sichtern war trotz Feuerwerksverbot ein fröhliches Fest

Franz Thür sprach von den Schweizer Tugenden.Fotos: U. Fluri
Franz Thür sprach von den Schweizer Tugenden.Fotos: U. Fluri

Die grosse Schweizer Geburtstags-Fete war es diesmal nicht. Der Hitzesommer hat den 1. August-Pyromanen so ziemlich alles vermiest, was dann doch etwas auf den Publikumszuspruch drückte. Sogar die Feuerwehrleute lümmelten gelangweilt herum, es gab ja nichts zu löschen. Immerhin: Als strenge Parkwächter, die das Abstellen der Autos auf den dürren Wiesen staatlich verordnet zu verhindern hatten, war ihr Dienst dann doch sehr sinnvoll.

Wer diesen schwül-heissen Abend aber als ruhiges und gemütliches Zusammensein verbringen wollte, kam trotzdem auf seine Rechnung. Umso mehr, als rund um die Chornschüre auf Sichtern – sozusagen auf dem Liestaler Rütli – auch ohne Feuer und Knall nebst der gehaltvollen Rede von Bürgerratspräsident Franz Thür noch vieles geboten wurde, was so zu einem fröhlichen Fest gehört. Dazu natürlich die Festwirtschaft mit den köstlichen Grilladen, deren Absatz Metzgermeister Martin Zimmermann trotz allem als sehr zufriedenstellend bezeichnete. Zudem hat die Stadtmusik Liestal, die Örgelimusik «Sorpresa» sowie die Partyband «Flugmodus» mit ihren untereinander ganz gegensätzlichen Stilrichtungen musikalische Duftnoten gesetzt, die beim Publikum je nach Präferenz und Geschmack gut ankamen.

Und über allem stand Domenic Schneider, der als OK-Chef und Tätschmeister in diskreter Omnipräsenz durch den Abend geführt hat. Ihm ist auch nicht entgangen, dass das Volk beim Absingen des Baselbieter Liedes träge sitzen geblieben ist, so dass er vom Podium herab ab der zweiten Strophe zum Aufstehen aufgefordert hat. Als Hüter von in Stein gemeisselten Traditionen – bei der Baselbieter «Landeshymne» aufzustehen – hat Schneider da den Liestalern die nötige Nachhilfe erteilt! Genauso wie mit der Uraufführung seines selbst getexteten und komponierten Liestaler Liedes «Chum, mir gön ins Stedtli», schwungvoll vorgetragen von Sophia Tsoka.

Verlegenheitslösung Schweiz?

Mit Franz Thür stand ein Festredner am Pult, der am Geburtstag der Schweiz nicht in Hurra-Patriotismus verfallen ist. Ohne den Mahnfinger zu erheben, aber auch ohne Lobhudelei hat der Bürgerratspräsident das Privileg, Schweizer oder Schweizerin zu sein, ganz pragmatisch angedeutet. «Ist die Schweiz eine Verlegenheitslösung?», so Thürs rhetorische Frage. «Mit unseren natürlichen Sprach- und Kulturgrenzen müssten wir eigentlich Teil von Italien, Frankreich, Deutschland oder Österreich sein.» Die Vielfalt in den unterschiedlichen Gruppen sei aber keine Bedrohung, sondern zwinge uns, aufeinander Rücksicht zu nehmen und statt Konfrontation Kompromisse einzugehen. «Das ist unsere Stärke, die zeigt, dass die Verlegenheitslösung Schweiz gar kein schlechtes Konstrukt ist.»

Der Redner warnte indes auch vor einem gewissen Schlendrian, der als Kultur der Unverbindlichkeit allmählich Überhand nimmt. So würden etwa Reservationen in Restaurants nicht eingehalten oder schamlos «last minute» annulliert. Mit dem Aufruf, die Schweizer Tugend der Zuverlässigkeit, so wie wir sie von unseren Vorfahren erhalten haben, hochzuhalten, hat Thür sodann auch lokales Geschehen in seine Betrachtungen einbezogen und mit einem «Happy birthday Schweiz» diese würdige Feier abgeschlossen. Den optischen Abschluss machten dann die Kinder mit ihren Batterie-betriebenen Lämpchen-Lampions.

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