Es lebe das Cello!

Liestal «VivaCello» – vier Tage voller Emotionen, Virtuosität und Bühnenpräsenz

Ein Höhepunkt des Finales: Saint-Saens, interpretiert von Camille Thomas und den CHAARTS.

Ein Höhepunkt des Finales: Saint-Saens, interpretiert von Camille Thomas und den CHAARTS.

Lucas Debargue spielt sein Stück Trio Nr. 2 mit David Castro-Balbi, Violine, und Alexander Castro-Balbi, Cello.

Lucas Debargue spielt sein Stück Trio Nr. 2 mit David Castro-Balbi, Violine, und Alexander Castro-Balbi, Cello.

Schubert vierhändig vom Feinsten: Lucas Debargue und Julien Brocal (v. l.).

Schubert vierhändig vom Feinsten: Lucas Debargue und Julien Brocal (v. l.).

Betörender Celloklang: Lucas Debargue und Camille Thomas (v. l.).Fotos: T. Brunnschweiler

Betörender Celloklang: Lucas Debargue und Camille Thomas (v. l.).Fotos: T. Brunnschweiler

Liestal «VivaCello» – vier Tage voller Emotionen, Virtuosität und Bühnenpräsenz

Das Festival rund um das sonor klingende Streichinstrument umfasste von Donnerstag bis Sonntag sechs Konzerte. Die grösste Veranstaltung dieser Art in der Schweiz wurde erstmals von einer Frau geleitet, der international gefeierten Cellistin Camille Thomas aus Paris.

Im hochkarätigen Freitagskonzert in der Stadtkirche wandten sich Thomas und der Pianist Julien Brocal zuerst der französischen Romantik zu. Im melancholischen Prélude op. 28/4 von Frédéric Chopin übernahm Thomas mit insistentem Strich und dem warmen Timbre ihrer Stradivari die schwebende Oberstimme. In Auguste Franchommes lyrisch-elegantem Nocturne op.14/1 wirkt die Cellostimme sehr gesanglich. Das Klangbild von Thomas wurde schon mit heisser Schokolade verglichen: «köstlich, wärmend, voller Geschmack». Zudem überzeugte die Cellistin mit charismatischer Bühnenpräsenz und Emotionalität.

Weiter ging es mit dem «Regentropfen-Prélude» und dem Nocturne in b-Moll op. posth. von Chopin. Julien Brocal liess den Steinway-Flügel buchstäblich singen. In Chopins ernster, komplexer und spannungsvoller Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 65 erweisen sich die beiden Instrumente als gleichberechtigte Partner. Im leidenschaftlichen und introspektiven Stück trug selbst das Pianissimo des Cellos, und im Finale brillierte Brocal in den virtuosen Prestopassagen.

Die Fantasie f-Moll D 940 zu vier Händen wurde von Brocal und dem französischen Pianisten Lucas Debargue interpretiert, ein musikalischer Genuss der höchsten Klasse. In Schuberts Spätwerk kam Debargues Spielweise zum Ausdruck, die durch Vergeistigung und Imagination geprägt ist und alle Effekthascherei meidet. Die beiden Pianisten setzten pointiert Akzente und überzeugten durch perfektes Zusammenspiel. Debargue, David Castro-Balbi (Violine) und Alexandre Castro Balbi (Cello) spielten schliesslich Debargues Trio Nr.2, ein genial strukturiertes Stück zwischen impressionistischen Passagen und höchster Expression.

«Das Fest der Genies»

Unter diesem Titel stand das grosse Finale am Sonntagabend. Es bezog sich sowohl auf die Komponisten als auch auf die Solisten: Lucas Debargue, das intellektuell-intuitive Genie, Camille Thomas, das musikantisch-emotionale. Zuerst spielten die CHAARTS sieben Stücke aus den beiden Carmen-Suiten von Georges Bizet, behutsam geleitet von Konzertmeister David Castro-Balbi.

Anschliessend begab sich das Orchester in Kleinstbesetzung für Mozarts Klavierkonzert Es-Dur KV 449 auf die Bühne. Aber wo war der Pianist? Debargue erschien erst nach einigen Takten und begeisterte in diesem ausgewogenen Konzert mit perlendem, dezidiertem Anschlag und guter Abstimmung mit dem Orchester, das durch Transparenz und Subtilität überzeugte.

Im Anschluss spielten Camille Thomas und Debargue Nadia Boulangers «Trois pièces» für Cello und Klavier, die von der zarten «Improvisation» über das ruhige «Prélude» bis zur nervösen und rhythmisch bewegten «Danse espagnole» reichten. Auch im Konzert für Cello und Orchester von Camille Saint-Saens berückte Thomas mit ihrem energetisch aufgeladenen und virtuosen Spiel das Publikum, das sich zu stehenden Ovationen erhob und nach dem Kabinettstückchen von David Popper, der «Hungarian Rhapsody», nochmals aufstand, um zu applaudieren.

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