Herein in die gute Stube!
Liestal Das Rotstab-Cabaret besinnt sich auf traditionelle Spielarten – und kommt gut an
Vorbei mit der Bühnen-Fasnacht, die sich zum Teil als Video-Show ab Bildschirm zwar sehr innovativ präsentierte, vom Publikum aber mit geteilter Zustimmung aufgenommen wurde. Zum diesjährigen Fasnachts-Showdown haben sich die Cabaret-Macher Thomas von Arx, Maik van Epple, Barbara Kleiner sowie die Co-Präsidentinnen Beatrix Schlebach und Carol Zumbrunn nun etwas ganz besonderes einfallen lassen. Sie haben nämlich zu einer Stubete in ein Restaurant eingeladen. Und das als Theaterstück in drei Akten, in denen die Protagonisten ihren Einzel-Auftritt haben. Klar, Cabaret bleibt Cabaret, aber das Ganze kam in dieser «Verpackung» – eben als Stubete – doch irgendwie gemütlicher daher.
Wobei der Unterhaltungswert natürlich weit über das «Gemütliche» hinausging. Denn wie immer zum Kick-off in die närrische Zeit wurde das ganze Spektrum der Vorfasnachtskunst mit viel humoristischem Tingeltangel ausgebreitet, das auch die verwöhntesten Liestaler Fasnachtshabités zu begeistern vermochte. Die Essenzen dazu: Gefällige Fasnachtsmusik auf hohem Niveau, gut inszenierter Wortwitz, allerlei absurde Komik und viel scharfe Satire. Dazu kam der Anspruch, angesichts der düsteren Weltlage die Balance zwischen Heiterkeit und bedrückender Realität zu bewahren.
So viel vorweg: Im Restaurant Sonne, einer im Bühnenbild als authentisch dargestellten Beiz, spielten sich in einem guten Mix aus Schauspiel und Musik heitere Szenen und Begegnungen ab, wie es halt im Leben so abgeht. Und das alles eingebettet in Ereignisse, über die dann eben genüsslich gelästert wurde.
Kontrolle muss sein
Nach einem Werbespot «Made in Baselland» mit dem die Cabarettisten vor prächtiger Landschaftskulisse das Programm singend eröffneten, wurde dem Publikum mit dem Marsch «San Carlo» eindrücklich bewiesen, dass in der Rotstab-Clique der herkömmlichen Fasnachtsmusik auf hohem Niveau gehuldigt wird. Da verdienten sich denn auch die Pfeifer und Tambouren des Stamms wie auch die junge Garde uneingeschränkt Bestnoten.
Dann ging’s ab in die Beiz, wo sich die verschiedenen Gäste die Klinke in die Hand gaben. Über dem ganzen Betrieb stand indes René Frei, alias Thomas von Arx, der als Sicherheitsbeauftragter der Stadt misstrauisch alles Mögliche zu kontrollieren hatte. Ein wirklich witziger Auftritt dieser «Nervensäge»!
Dem stand Wirtin Sonja, alias Sabine Cissé, mit ihren gesanglichen Einlagen und dem bissigen Umgang mit ihrem Gatten in nichts nach. Kleiner Kritikpunkt: Das Geschehen und die Dialoge wirkten gelegentlich etwas holprig. Beim Auftritt der Liestaler Schnitzelbänkler «Die Rabeschwarze» gabs an dieser Stubete dann viel zu lachen über lokale Ungereimtheiten. Ihr Trost zur Stedtliflaute: «Ab de halbachte vo Mensche kei Spur, immerhin, am Törli lauft jetzt wieder d Uhr.»
Im Weiteren sorgte mit den Reigoldswiler «Rampassadore» eine gut disponierte 15-köpfige Gugge für Betrieb in der Beiz. Mit ihrem gepflegten und dezent gespielten «Am Louenesee» kam sogar etwas Melancholie auf. Gleiches Lob gibt’s auch für die in glänzend silbrigen Kapuzenjacken gekleideten Tambouren, die mit dem «Sopimus» das Premierenpublikum beinahe schwindlig ruessten. Und beim «Beatles-Medley» haben die Pfeifer und Tambouren zum Abschluss mit Songs wie «Yellow Submarine» angedeutet, dass fasnächtlich gespielter nostalgischer Rock ganz schön unter die Haut gehen kann.
Für den ultimativen finalen Rausch sorgten dann wie immer die Stedtlisingers. Die allesamt begnadeten Sängerinnen und Sänger haben die Gabe, sich als ulkiges Septett, darunter drei Frauen, über Geschehnisse in pfiffigen Pointen lustig zu machen, und das verpackt in bekannte Songmelodien.
Fazit des Cabarets 2026: Bestnoten und viel Begeisterung für eine vorfasnächtliche Bühnenshow mit gut gelungenen neuen Aufführungsformen.








