Hirngespinste, Erwartungen und Enttäuschung
Spoken Word Daniela Dill im DISTL

Für die Spoken-Word-Künstlerin war es sozusagen ein Heimspiel. Sie ist in Liestal geboren und arbeitete während viereinhalb Jahren im Dichter- und Stadtmuseum Liestal DISTL. Dementsprechend wimmelte es im Publikum von Freunden und Verwandten, die gespannt waren auf den dritten Auftritt der mehrfach preisgekrönten Performerin mit ihrem ersten Soloprogramm «Trotzdäm» in ihrer früheren Heimatstadt.
Ganz in schwarz gekleidet, entsprechend ihrem zum Teil schwarzen Humor jonglierte sie mit Worten, Gedanken und präzis gesetzten Pointen. Es ging um die Enttäuschung einer Mutter, deren Tochter leider nicht den Erwartungen und Vorstellung entsprach. Letztendlich zeichnete sie stellvertretend für Eltern, Verwandtschaft und Gesellschaft, die Normen festsetzt seit Generationen, wie die Kinder und heranwachsenden Nachkommen zu sein und zu handeln haben. Gute Schul- und Ausbildung, Karriere, Familie, möglichst nicht homosexuell – ein Hirngespinst aus Wünschen, das die junge Generation einengt und ihr keine Freiheit lässt in der eigenen Entwicklung.
Die einen fügen sich diesen Vorstellungen und die anderen möchten sich selber sein nach ihren eigenen Fähigkeiten und Lebensweisen, die nicht dem Klischee entsprechen. Sie sind aber glücklich und frei. Es kann eine Erlösung sein, wenn die Enttäuschung einer Mutter bedeutet, dass die Täuschung weg bröckelt und man die Wahrheit auf den Tisch legt.
Dieser brillant und mit Witz vorgetragene autofiktionale Text ging unter die Haut, da sich eigene Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Freund/-innen erkennen liessen und er einen deutlichen Appell bedeutete an ihr Publikum, die Mitmenschen, besonders die Jungen, nicht in ein Schema zu pressen, das aus Gotthelfs «Schön-oder-schlecht»-Zeiten oder noch weiter zurück stammt.


