Startschuss fürs Rheinstrasse-Quartier

Liestal Der 160-jährige Hauptsitz der Basellandschaftlichen Kantonalbank wird saniert

Der BLKB-Hauptsitz wird aufgestockt, behält aber seinen Charakter und schafft attraktive Sicht- und Wegverbindungen: ein erster Schritt für die Realisierung der Masterplanung Rheinstrasse.Visualisierungen: zVg
Der BLKB-Hauptsitz wird aufgestockt, behält aber seinen Charakter und schafft attraktive Sicht- und Wegverbindungen: ein erster Schritt für die Realisierung der Masterplanung Rheinstrasse.Visualisierungen: zVg

Gefühlsmässig «beginnt» Liestal, wenn man von Norden her in die Stadt hineinfährt, an der sogenannten Kantonalbank-Kreuzung: Der im Jahr 1864 gebaute Hauptsitz der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) spielt in der Stadtplanung eine wichtige Rolle, denn die Kreuzung verbindet die Altstadt und das Bahnhofsareal mit dem Gebiet entlang der Rheinstrasse. Etwa alle 50 Jahre seit seinem Bestehen ist das BLKB-Gebäude saniert oder umgebaut worden, und jetzt ist es wieder so weit. Der Bau erhält ein zusätzliches Stockwerk und die Gebäudetechnik wird modernisiert, die Sandsteinfassade und der umgebungstypische, gestaffelte Charakter der Gebäudetürme bleibt erhalten.

Die grösste Veränderung ist jedoch, dass alles durchlässiger und offener wird: Rund um den Hauptsitz herum – und durch ihn hindurch – entstehen neue Sicht- und Wegverbindungen. Ein Grossteil des Erdgeschosses wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – in Form einer einladenden Co-Working- und Café-Zone – und die Arkaden, die heute zum Teil mit Anbauten zugebaut sind, werden wieder durchgehend geöffnet.

Neu wird auch der «Floragarten», eine kleine Grünfläche an der Florastrasse, zugänglich gemacht. Ausserdem erhält der Hauptsitz einen zweiten, grosszügigen Haupteingang, der die Besucher/-innen aufnimmt, die vom Bahnhof her kommen. Bisher ist die Situation auf der oberen, dem Bahnhof zugewandten Seite nämlich eher unübersichtlich. Neu werden die Passant/-innen entscheiden können, ob sie vom Bahnhof her kommend über die Florastrasse zur Rheinstrasse gelangen möchten, oder ob sie durch das Gebäude hindurch oder um es herum gehen möchten. Durch die offene Gestaltung wird der Blick auf die weiterführenden Wege frei sein, sodass es leichter sein wird, sich zu orientieren. Diese kleinteilige Durchwegung ist ein Element, das auch im benachbarten Lüdin-Areal geplant ist.

«Wir sind uns unserer Rolle an der Rheinstrasse 7 bewusst», sagte Christoph Schär, der stellvertretende CEO der BLKB, vergangene Woche an einer Medienkonferenz. «Wir nehmen eine Scharnierfunktion zwischen dem neu gebauten Bahnhof, dem Stedtli und der Rheinstrasse ein, die sich in den nächsten Jahren entwickeln wird.»

In der Bauphase bis zur Wiedereröffnung 2030 bleibt der Hauptsitz geschlossen. Die Kundenhalle wurde bereits an den Bahnhofplatz 13 verlegt, in der zweiten Jahreshälfte erfolgt die Baueingabe, sodass 2027 die Sanierung beginnen kann. Die Nutzungsfläche steigt um einen Viertel auf 12400 Quadratmeter, wovon rund 2000 Quadratmeter für Drittnutzungen (entspricht rund 150 Arbeitsplätzen) vorgesehen sind. Dank der Aufstockung kann die BLKB zentrale Funktionen am Hauptsitz bündeln: Somit werden anstatt 600 künftig 800 BLKB-Mitarbeitende, die heute in Sissach und anderen Orten arbeiten, in Liestal zusammengezogen.

Das Sanierungsprojekt kostet 92 Millionen Franken und erfüllt die Anforderungen für die Gold-Zertifizierung des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz. Trotz mehr Fläche bleibt der bisherige Fussabdruck bestehen, wie Daniel Monheim von Architekturbüro Christ & Gantenbein erklärte. «Es ist ein sehr solides Gebäude, deshalb haben wir entschieden, es weiter zu nutzen und nicht neu zu bauen.»

Auch Daniel Spinnler, Stadtpräsident von Liestal, erwähnte an der Medienkonferenz den Aspekt der Nachhaltigkeit. Schliesslich sei auch die Stadtverwaltung auf dem Weg zum Netto-Null-Standard, um ihren Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase zu leisten – ein Ziel, das der BLKB-Hauptsitz ab 2030 erfüllen wird.

Rheinstrasse-Quartier soll besser ans Stedtli angeschlossen werden

Vor allem aber stellt die BLKB-Sanierung für Daniel Spinnler den «Startschuss für die Realisierung der Masterplanung Rheinstrasse» dar. Heute ist das Gebiet entlang der Rheinstrasse stark unternutzt – «strukturschwach» im Jargon der Stadtplanung – und durch die kantonale Verwaltung belegt, unter anderem mit Parkplätzen. In Zukunft soll hier gemäss Spinnler ein «innovatives Ökosystem für Unternehmen im Gesundheitsbereich» entstehen und auch Wohnen soll ermöglicht werden. Die ganze Achse soll aufgewertet werden und ihre Trennfunktion verlieren: «Das Kantonsareal bildet einen Riegel im Siedlungsgebiet», stellte Daniel Spinnler fest. Die Leute aus dem Stedtli kämen hier nicht vorbei, weil sie das Gefühl hätten, es gebe zu wenig Wege. Und dies, obwohl ihnen beim Spital einen «wunderschönen Central Park» zur Verfügung stünde.

Die bisherige Anordnung hat historische Gründe, wie Daniel Spinnler ausführte: «Der Junge Kanton brauchte eine Vision für seine Hauptstadt und begann sich an der Rheinstrasse zu entwickeln.» Diese Entwicklung sei jedoch nicht koordiniert abgelaufen. Die Masterplanung Rheinstrasse soll diese Probleme beheben – neben dem BLKB-Hauptsitz und den neuen, attraktiven Wegverbindungen ist etwa der geplante Verwaltungsneubau des Kantons ein wichtiges Element. Weitere Projekte würden hoffentlich bald folgen, hofft der Stadtpräsident.

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