Region Waldenburg
20.11.2019

Das Ende eines Mittagstischs

Das Team des Hölsteiner Mittagstisches. Fotos: E. GysinSara Hofer, Präsidentin des Frauenvereins (l.) dankt Barbara Weber für das langjährige Engagement.Christine Degen war zuständig für das Dessert.

Das Team des Hölsteiner Mittagstisches. Fotos: E. Gysin

Sara Hofer, Präsidentin des Frauenvereins (l.) dankt Barbara Weber für das langjährige Engagement.

Christine Degen war zuständig für das Dessert.

Hölstein Frauenverein beendet sein Engagement

Edi Gysin

Von Tristesse keine Spur, miese Stimmung auch nicht. Das exakte Gegenteil, elf fröhliche, aufgestellte Frauen sind im Hölsteiner «Sunnewirbel» dabei, ein Mittagsmenu vorzubereiten. Zum letzten Mal, deshalb sind alle Gäste diesmal eingeladen und können sich kostenlos verpflegen. Barbara Weber ist die Verantwortliche, die Chefin, in einer Küche muss jemand entscheiden, es muss ja vorwärtsgehen, es bleibt keine Zeit für lange Diskussionen. Und eine Salatsauce ist eine Salatsauce und fertig! Ganz so streng geht es hier aber nicht zu. Diskutiert wird schon. Das beherrschende Thema ist aber das Ende dieses Mittagstisches. Hätte man und könnte man? Man könnte schon, wenn, eben wenn jemand die Verantwortung übernehmen würde. In die Fussstapfen von Barbara Weber treten und diese eine, so wichtige Rolle übernähme. Dann, ja dann ginge die Geschichte weiter.

In Hölstein gibt es zwei Mittagstische, die sich abwechseln, der eine wird von der Kirchgemeinde geführt, der zweite vom Frauenverein. Jede Organisation offeriert fünfmal pro Jahr ein preisgünstiges Mittagessen. Genutzt wird das Angebot jeweils von 70 bis 80 Menschen aus drei Generationen. Dort hinten in der Ecke, das ist der Expresstisch, erklärt Esther Häner, sie ist zuständig für den Abwasch. «Diese Gäste haben bloss wenig Zeit, eine kurze Mittagspause also.» Dort wird zuerst serviert. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot und dann ist da der Tisch mit einer stattlichen Gruppe älterer Hölsteinerinnen und Hölsteiner, sie können sich mehr Zeit nehmen und geniessen das ganz offensichtlich. Am Tisch herrscht eine entspannte Stimmung, lebhafte Gespräche, Gelächter und ein Ausdruck von Wertschätzung. Hier manifestiert sich der Sinn des Mittagstisches, ein Treffpunkt, Schwatz, Austausch und Zusammensein.

Es fehlt wenig Infrastruktur

Gret Gisin von diesem Tisch erhebt sich und dankt den Frauen für das Mittagessen, «ich schlage vor, dass wir alle ein anständiges Trinkgeld geben heute, damit die Köchinnen sich etwas leisten können». Der Vorschlag findet einhellige Zustimmung. «Ich habe während vielen Jahren mitgemacht hier am Mittagstisch, jetzt bin ich in einem Alter, da darf ich schon sitzen und essen», sagte sie zufrieden lachend. «Der Frauenverein Hölstein ist der beste Frauenverein im ganzen Kanton», ruft Dora Jörin dazwischen. Zustimmendes Gelächter.

Heute gab es Nüssler mit Crôutons, Ei und Speck, Spätzli und Geschnetzeltes vom Kalb. Zum Dessert hat Christine Degen eine Roulade vorbereitet, alles selbst gemacht. Bei diesem Menu zeigt sich das Dilemma der Infrastruktur, «ich kann hier so viel Geschnetzeltes nicht anbraten, auch Spätzli für 80 Personen geht nicht mit der hier vorhandenen Infrastruktur, da müsste man etwas ändern», sagte Barbara Weber. Weil gerade Gendertag ist, sind drei Jungs mit Begeisterung dabei und helfen mit wo’s nur geht. Dann kommt auch Sara Hofer, die Präsidentin des Frauenvereins Hölstein, vorbei. Sie hat elf Blumensträusse im Gepäck, «mir blutet das Herz, dass jetzt fertig ist», sagte sie und dankt allen elf Frauen mit grosser Herzlichkeit. Dora Huber vom Hölsteiner Wullestübli schenkte jeder Mitwirkenden einen vielfarbigen Wollenknäuel. Danach muss der Saal aufgeräumt und geputzt werden, das Geschirr ist bereits gewaschen und versorgt, die Tischdekoration abgeräumt, Tische und Stühle versorgt. So, wie sie den Raum angetroffen haben, verlassen sie ihn wieder. Das erwarten die nächsten Nutzerinnen. Jetzt ist noch immer die Frage offen, ob wirklich Schluss ist. Bei so viel positiven Gesprächen und Optimismus ist das fast nicht zu glauben. Vielleicht sieht das nach Weihnachten im Neuen Jahr dann wieder anders aus. Wer weiss?