Ein Sommer auf der Alp

Reigoldswil Annette und Thomas Rieder bringen ihr Vieh seit sechs Jahren auf Sömmerungsweiden 

Wer möchte nicht gerne den heissen Sommer auf einer kühlen, coolen Alp verbringen? Für Rieders Aberdeen Angus Mutterkühe mit ihren Jungen ist das möglich.  Foto: zVg

Wer möchte nicht gerne den heissen Sommer auf einer kühlen, coolen Alp verbringen? Für Rieders Aberdeen Angus Mutterkühe mit ihren Jungen ist das möglich. Foto: zVg

Annette und Thomas Rieder-Gysin sind stolz auf ihre schönen Aberdeen-Angus-Tiere, welche seit sechs Jahren rund drei Monate auf Alpen verbringen. Foto: zVg

Annette und Thomas Rieder-Gysin sind stolz auf ihre schönen Aberdeen-Angus-Tiere, welche seit sechs Jahren rund drei Monate auf Alpen verbringen. Foto: zVg

Der Bauer Thomas Rieder schätzt eine harmonische Stimmung zwischen der bäuerlichen und nichtbäuerlichen Bevölkerung und tut dies an geeigneten Anlässen auch kund.Foto: Benildis Bentolila

Der Bauer Thomas Rieder schätzt eine harmonische Stimmung zwischen der bäuerlichen und nichtbäuerlichen Bevölkerung und tut dies an geeigneten Anlässen auch kund.Foto: Benildis Bentolila

«Der Alpaufzug ist für unsere Familie und Helfer/-innen ein besonderer Tag; hier sind wir auf dem Fussweg auf die Alp Ochsenbergli ob Iseltwald», erklärt Annette Rieder.  Foto: zVg

«Der Alpaufzug ist für unsere Familie und Helfer/-innen ein besonderer Tag; hier sind wir auf dem Fussweg auf die Alp Ochsenbergli ob Iseltwald», erklärt Annette Rieder. Foto: zVg

«Immer wieder staunen Leute, wenn wir ankündigen, dass wir mit unseren schönen schwarzen Mutterkühen z’Alp gehen», lächelt Annette Rieder-Gysin vom Hof Hoggen in Reigoldswil. «Besonders nichtbäuerliche Personen glauben weiterhin, es werde nur Milchvieh auf Sömmerungsweiden getrieben.» Annette und Thomas Rieder bringen ihre Aberdeen Angus seit sechs Jahren auf verschiedene Alpen. Dieses Jahr stehen 14 Kühe und elf Kälber auf Prünella in la Punt, sieben Kühe, ein Rind und acht Kälber auf dem Ochsenbergli oberhalb Iseltwald, und je drei Kühe und Kälber auf dem Stierenberg Bretzwil. Die Tiere verbringen je nach Witterung 90 bis 105 Tage auf den Alpen. «Damit können wir die Sommerarbeitsspitzen brechen und uns Tätigkeiten widmen, die liegen geblieben sind», erklärt Betriebsleiter Thomas Rieder. «Es ist uns möglich, mehr Futter zu produzieren für den Winter, da im heimischen Stall nur die Stiere und vor dem Abkalben stehende Kühe stehen. Die Tiere auf den Bergen profitieren hinsichtlich Gesundheit und Robustheit und schätzen das kühlere Klima.» Rieders besuchen ihre Tiere, die von Hirten betreut werden, möglichst einmal während der «Ferien».

Sechs Wochen vor der Alpfahrt werden die Tiere im heimischen Stall in Gruppen eingeteilt und zwei Tage vor dem Alpaufzug ihnen die Glocken umgehängt. Am Tag selbst werden des morgens früh die Mütter mit ihren Kälbern in Viehtransporter verladen. Diese Transporte unterliegen dem Tierschutzgesetz und werden schonend und ohne unnötige Verzögerung ausgeführt. Den letzten Teil des Weges müssen Mensch und Tier zu Fuss zurücklegen. Rieders schwärmen vom Moment, wo ihre Tiere am Urlaubsort eintreffen. Sie hätten das Gefühl, sie würden sich freuen wie Menschen, wenn sie in ihrer ursprünglichen Umgebung ankommen.

Eigenes Gras statt Soja und Kraftfutter

Auch daheim legen Rieders grossen Wert auf natürliche Haltung: Dort gibt es weder Soja noch Kraftfutter und Medikamente nur in Notfällen. «Unsere Aberdeen-Angus-Mutterkühe, die zwei Stiere und die Rinder erhalten nur eigenes Gras», erklärt die Bäuerin. Sie kümmert sich um die Direktvermarktung des Fleisches von dem Moment an, nachdem die Tiere vom Kundenmetzger Peter Andrist, Nusshof, geschlachtet wurden. Als sie vor ein paar Jahren die erste Herde aufstockten, kauften sie einen zweiten kleinen Hof in der Nähe und verfügen über 55 Hektaren Grasland.

Die Gleichstellung von Frau und Mann sei auf Hoggen nie ein Thema gewesen: Annette mischt sich nicht ein in die Tierhaltung und Tierzucht, auch wenn sie täglich im Stall arbeitet; Thomas lässt ihr freie Hand bei der Direktvermarktung, im Hofladen und der Administration. Bevor sie aus einem nichtbäuerlichen Haushalt auf den Hof kam, hielten Vater Hans und Sohn Thomas eine Generationengemeinschaft; Thomas’ Mutter lebte noch. Bis letzten Herbst arbeitete Annette 30 Prozent auswärts. «Jetzt, wo unsere Kinder Alina, Laura und Tim ins Teenage-Alter kommen und die Herde umfangreicher ist», sagt sie, «habe ich die Stelle aufgegeben.» Wichtig sind für Rieders gemeinsame Auszeiten. «Wir versuchen», schmunzelt sie, «drei Wochen aufs Jahr verteilt zusammen in die Ferien zu gehen. Wenn Leute darüber staunen, antworte ich: Früher, als ich angestellt war, hatte ich fünf Wochen Ferien. Ohne schlechtes Gewissen!» Sie wünscht sich, dass Bauernfamilien mehr Anerkennung erhalten von den Konsumentinnen. Nicht nur mit Worten! Die Wertschätzung sollte sich noch mehr niederschlagen in fairen Produktepreisen für einheimische Erzeugnisse.

www.hoggen.ch

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