Wie Mascagnis Drama die Stadtkirche erleuchtete

Classic Festival Waldenburg Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» feierte in Liestal Premiere – vor erschreckend leeren Bänken

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Bildlegende Fotos: P.-G. Cacciatori

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Ein Hauch von der Mailänder Scala wehte im Rahmen des IV. Classic Festivals Waldenburg am letzten Freitagabend durch die Stadtkirche Liestal. Der Kulturclub Kirschgarten brachte Pietro Mascagnis Meisterwerk Cavalleria rusticana zur Aufführung – gemäss Recherchen eine Premiere für Liestal. Der Abend transportierte die archaische Hitze des sizilianischen Bergdorfs Vizzini direkt ins Baselbiet.

Zerreissprobe vor dem ersten Ton

Der Auftakt geriet zur Zerreissprobe für die Nerven: Der Dirigent N. Yakobenchuk kam eine Viertelstunde zu spät. Die Musiker warteten ebenso ungeduldig wie die mageren 39 Nasen im spärlich besetzten Publikum. In den Bankreihen machte sich bereits die leise Angst breit, dass der eine oder andere Besucher frustriert nach Hause gehen würde. Das hätte die ohnehin schon spärlich besetzten Reihen noch weiter dezimiert. Dieser verspätete Start war definitiv kein guter Auftakt für den Abend.

Als es endlich losging, war die Anspannung verflogen. Die gewählte halbkonzertante Form rückte Musik und Mensch in den Fokus. Die Lichtregie tauchte den Altarraum in kühles Blau und warmes Rot. Im Vordergrund stand ein grosses Holzkreuz mit bunten Mosaiksteinen, während der schlichte Altar und das dahinter platzierte, farbenprächtige Gemälde einer Madonna mit Jesuskind von brennenden Kerzen stimmungsvoll erleuchtet wurden. Zusammen mit den Buntglasfenstern der Kirche und den historischen Kostümen der Akteure brachte dies sofort das Flair jenes schicksalhaften Ostermorgens von 1880 nach Liestal, an dem sich das veristische Drama entfaltet.

Starke Stimmen und die Pracht von Lemberg

Die Besetzung bot Operngesang auf sehr hohem Niveau. Als Santuzza brillierte Anna Herbst mit grosser Kraft und einer Verzweiflung, die durch Mark und Bein ging – besonders eindringlich in ihrer Arie «Voi lo sapete, o mamma». Ihr Counterpart Giorgi Meladze glänzte als stolzer, zerrissener Liebhaber Turiddu mit einer hellen, energiegeladenen Stimme. Einen mächtigen Kontrast bildete Alexander Forkuschak als Alfio, der mit einem dunklen, gewaltigen Bariton die bittere Rache auf die Bühne brachte. Evgenia Asanova als Lola und Tamara Tarskih (Mamma Lucia) komplettierten das Ensemble mit viel Tiefe. Eine der dramatischsten Geschichten der Opernwelt ist zum Leben erwacht.

Für die instrumentale Pracht sorgte das Kammerensemble «Lemberg’s Virtuosen». Trotz kleiner Besetzung entfalteten die Musiker einen reichen, warmen Klang. Die Spitzenmelodien bildeten den emotionalen Höhepunkt – allen voran das berühmte «Intermezzo sinfonico». Es wurde so intensiv vorgetragen, dass ein Zuhörer bewegt meinte, es habe einem „«ast das Herz aus dem Leibe gerissen».

Grosses Engagement, traurige Resonanz

Dass die Stadtkirche bei dieser historischen Erstaufführung so leer blieb, schmerzt besonders mit Blick auf die Organisatoren. Der Kulturclub Kirschgarten bemüht sich unermüdlich und mit enormem Herzblut darum, hochkarätige Kultur in die Region zu bringen, und betrieb auch hier einen grossen finanziellen Aufwand. Dass dieser Einsatz mit gerade einmal 39 Personen belohnt wurde, ist schlicht traurig. Während Komponisten wie Verdi oder Bach jedermann ein Begriff sind, ist Mascagni dem breiten Publikum offenbar weniger bekannt – für eine Kulturstadt wie Liestal ein unverständlicher Zustand.

Geglückte Inszenierung

Rein künstlerisch ist die ambitionierte Inszenierung absolut geglückt. Die Stadtkirche bewies einmal mehr ihre wunderbare Akustik für klassische Meisterwerke und bot den perfekten Rahmen für Turiddus dramatischen Abschied von seiner Mutter («Mamma, quel vino è generoso») sowie den finalen Entsetzensschrei. Das kleine, aber feine Publikum bedankte sich für das packende Drama über Liebe, Ehre und Tod mit herzlichem, anhaltendem Applaus.

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