Aufhören ist fast so schön wie anfangen

Bilanz Ein bodenständiger und volksverbundener Regierungsrat verlässt die kantonale Politikbühne

Isaac Reber tritt zurück.



Schon im Februar gab Isaac Reber seinen Rücktritt aus der Baselbieter Regierung. Nach 15 Jahren in der Kantonsregierung verabschiedet er sich Ende September 2026 als Regierungsrat. Ein Rücktritt mit 65 war schon immer sein Plan. Im Staatsarchiv zog er letzte Woche Bilanz.
Reber ist die Freude an seiner Arbeit noch nicht vergangen. Er will bis zum letzten Tag seinen Verpflichtungen nachgehen. Sein persönlich gefärbter Rückblick begann mit der Grossen Wahlplakat-Aktion, um sich bekannt zu machen. Immerhin musste der zum liberalen Flügel der Grünen gehörende Aussenseiter gegen einen bisherigen Amtsinhaber antreten. In seiner Exekutivrolle sah er sich nicht als Parteivertreter. «Man braucht eine Linie und ist für das Volk da», sagte er.
Nach acht Jahren (2011 bis 2019) als Sicherheitsdirektor folgte Reber seinem Herz und wechselte in die Bau- und Umweltdirektion. Das Regierungspräsidium 2014/15 mit gleichzeitiger Wiederwahl war für ihn ein grosse Herausforderung und ein Härtetest. Das zweite Präsidium 2019/20 forderte ihn nochmals sehr stark. «Es kam Corona und gar nichts mehr war normal. Man musste schnell handeln und niemand wusste, was falsch und richtig war», kommentierte Reber. Der Einstieg in sein neues Departement war sehr schwierig, da alle im Homeoffice arbeiteten.   


Halbierte Einbrüche und Baustoffkreislauf
Während seiner Zeit als Sicherheitsdirektor wurde die Anzahl Polizeiposten halbiert, aber auch die Anzahl der Einbrüche reduzierte sich auf die Hälfte. Er wollte seine Leute draussen haben und nicht im Büro. Dazu kam die Gründung der Cybercrime-Abteilung. 
Ein weiteres Thema waren die Deponien, die zu 80 Prozent mit Baustoffen gefüllt werden. Als Steuerungsinstrumente werden Rückbaubewilligungen und Deponieabgaben genutzt. Zudem verwendet der Kanton viele sekundäre Baustoffe für eigene Bauten.   
2024 verabschiedete die Regierung eine Klimastrategie, der ein «Massnahmenplan 2026» folgte. «Wem nach einem Sommer wie jetzt nur Klimaanlagen in den Sinn kommen, ist ein Teil vom Problem. Der fliegt auch weiter umher», kommentierte Reber. 


Probleme mit Verkehrsverbindungen
Als Erfolgsgeschichte bezeichnete Reber das Energiepaket und PV-Anlagen auf kantonalen Gebäuden. Das «Waldenburgerli» ist die modernste Meterspur-Bahn von Europa und sie soll ab 2030 vollautomatisch gefahren werden. Grössere Probleme verursachen die verschiedenen Verkehrsverbindungen, die neu oder ausgebaut werden müssen. Allschwil ist die grösste Schweizer Gemeinde ohne Bahnanschluss. In der Region fehlen Tramlinien und Strassen, um die Staus abzubauen und die Leute effizienter an ihre Destinationen zu bringen. Da an mehreren Orten auch Nachbarn wie Frankreich, Basel-Stadt oder der Bund involviert sind, verzögern sich solche Planungen enorm. 
Die kantonale Verwaltung soll an einem Standort zentralisiert werden. Einsprachen gegen Baugesuche konnten durch ein schlankeres Verfahren um ein Drittel reduziert werden. Nach 30 Jahren in öffentlichen Ämtern macht Reber gerne Platz für die jüngere Generation. «Allein kann man wenig bewirken und zusammen ziemlich viel», betonte er zum Schluss nochmals und bekräftigte, wie wichtig die Zusammenarbeit in der Regierung oder in einem anderen Gremium ist. Jetzt freut sich Isaac Reber auf «mehr Zeit für andere Sachen», zum Beispiel «Isi’s und Stephan’s Buvette» als einmalige Aktion in Pratteln! 

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