Form, Fläche und Farbe
Kunsthalle Palazzo Einzelausstellung zum 80. Geburtstag von Peter Brunner Brugg

Peter Brunner Brugg setzt sich seit Jahrzehnten mit Form, Fläche, Raum und Farbe auseinander. Als Arbeitsmaterial dient ihm oft Karton, den er zu Quadern oder anderen kantigen Körpern zusammensetzt, die in den Raum hineinragen. Oder sich an eine Fläche schmiegen, scheinbar prekär an einer Wand hängen. Auch die Illusion interessiert ihn: Ein gemalte Schachtel-Konstruktion stellt sich als wirklich dreidimensionales Objekt heraus, während sich umgekehrt eine strukturierte Oberfläche als flach, aufgedruckt, entpuppt. Oft nimmt er Bezug auf Architektur – Gebäude, Fassaden, Wohnungsgrundrisse, Siedlungspläne – oder greift Alltagsgegenstände auf und streicht das Ästhetische, das Visuelle an ihnen heraus, etwa Steckdosen oder eine Game-Konsole (2026). Aus dem Spiel mit Reproduktion und Rhythmus, Farben und gebrochenen Flächen, Trennlinien und agglomerierten Einzelteilen bringt er faszinierende Werke hervor, die eine spielerische Ruhe ausstrahlen, trotz Bewegtheit eine fast meditative Wirkung entfalten. Und oft liefert Peter Brunner Brugg einen leisen, humorvollen Kommentar mit: Auch wenn es um Flächen und Formen geht, ist der Mensch immer irgendwie präsent.
Zu seinem 80. Geburtstag widmet ihm die Kunsthalle Palazzo eine Einzelausstellung. Der 1946 in Brugg geborene und in Basel lebende und arbeitende Künstler zeigt in Liestal Werke von den 1980er-Jahren bis heute.
Ein typisches Werk ist ein Quader aus zusammengefügten «naturbelassenen» Kartonschächtelchen mit grünen Details und gelber Grundfläche. Erst der Titel lässt es zu einem architektonischen Objekt werden: «Geschlossenes Laborgebäude mit Löschwasser-Rückhaltebecken» von 1986 spielt auf den damaligen «Brand von Schweizerhalle» an. Ähnlich imitiert «Block» von 1995 die Fassade eines Hauses beim Schützenmattpark mit rechteckigen Fensteröffnungen und roten Balkonen, während «Die Spekulanten» von 1993 Immobilienobjekte mit Augen versieht und lebendig werden lässt. Köpfe sind übrigens ein weiteres Thema, das Peter Brunner Brugg interessiert: Im «länglichen» Kunsthalle-Raum hängt eine Serie von Kopfdarstellungen in verschiedenen kunstgeschichtlichen Stilen.
Witziger Abschluss im «kleinen» Raum: Die «Kunstbücher» von 2016 sind Attrappen – sie brauchen keinen Text, denn Form, Fläche und Farbe zeigen, dass es um eine Auseinandersetzung mit Kunst geht. Bis 25. Oktober, palazzo.ch/kunsthalle


