Die Bauern sind ein Teil der Lösung

Sissach Klimatagung im Ebenrain

Elektrisch betriebener Hoflade. Fotos: E. Gysin

Elektrisch betriebener Hoflade. Fotos: E. Gysin

Der Klimawandel ist wohl eine der grössten Herausforderungen, vor der die hiesige Landwirtschaft steht. Sie ist gleich in dreifacher Hinsicht betroffen, als Verursacherin, als Betroffene und als Teil der Lösung. An der Tagung im Ebenrain wurde in hochkarätigen Referaten eine breite Auslegeordnung zu Perspektiven und Lösungsansätzen präsentiert. Tierhaltung, Pflanzenbau und Mechanisierung waren die wichtigen Themenbereiche, es wurden in den Pausen die neuesten elektrisch angetriebenen Maschinen vorgeführt.

Weil unsere Region als sehr verletzlich gilt, die Veränderungen zu spüren bekommt und einen schlechten Zugang zu Wasser hat, seien die Gründe gewesen, diese Tagung zu organisieren, sagte Lukas Kilcher, Gastgeber am Ebenrain. Zudem spiele auch die Grenznähe und der damit verbundene Einkaufstourismus eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Einhergehend mit den höheren Temperaturen schaffen es Schadinsekten immer wieder, die Alpen zu überqueren, sich festzusetzen und zur Plage zu werden. Andere kommen als blinde Passagiere per Schiff oder Flugzeug mit Importen aus fernen Ländern zu uns. Viele davon sind in der Lage in landwirtschaftlichen Kulturen massive Schäden anzurichten. Zur Bekämpfung stehen kaum Mittel zur Verfügung.

Gefragt sind Neuzüchtungen

Die höheren Temperaturen haben zur Konsequenz, dass die Fahrpläne durcheinander geraten, die Kirschen werden früher reif, der Mais hält sich auch nicht mehr an frühere Zeiten. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden, mit Neuzüchtungen versuchen die Forscher diesem Phänomen gerecht zu werden. Die Züchtung ist eine langwierige Arbeit, oft dauert es Jahre, bis zum Beispiel ein «neuer» Weizen auf dem Markt ist, sagte Karl-Heinz Camp von der Firma DSP in seinem Referat. Der Nutztierhaltung widmete sich Christoph Notz vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Als Schlüsselprobleme gelten Treibhausgasemissionen, vor allem das Methan, die Landnutzung für die Futterproduktion sowie die Landübernutzung, die zu Erosion bis hin zu Wüstenbildung führen kann. Dazu kommen die ethischen Herausforderungen, das Tierwohl, Vegetarismus/Veganismus und die Nutztiere als Mitgeschöpfe. «Können wir eine nachhaltige und klimafreundliche Fütterung mit dem Tierwohl in Übereinstimmung bringen?», fragte Notz. Fütterung könne nie klimaneutral sein und Wiederkäuer seien keine Nahrungskonkurrenten, so Notz. «Die Schweiz ist ein Grünland und als das sollten wir unser Land auch sehen!» Ein wichtiger Faktor sei die Tiergesundheit, allerdings müsste die Nutzungsdauer wesentlich erhöht werden. Kühe sollten nicht geschlachtet werden, wenn sie auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit sind, es sollten noch drei bis vier weitere Laktationen angehängt werden.

Der Besatz pro Hektare müsste gesenkt werden und der Futterzukauf eingeschränkt werden. Notz geht davon aus, dass der Absatz von tierischen Eiweissen in der Schweiz rückläufig ist und es auch bleiben werde.

Einen denkwürdigen Schlussakzent an dieser Tagung setzte Franz Keiser. Er bewirtschaftet den Hof Wies im luzernischen Neuheim. Ein begnadeter Pröbler und Pionier, aber auch ein Unternehmer mit grosser Willenskraft. Sein Credo: «Klimapositive Landwirtschaft ist möglich». Keiser gewann 2019 den Agropreis, seit 20 Jahren habe er Erfahrung mit klimapositiver Landwirtschaft. «Dank der Kreislauf- und Humuswirtschaft konnte ich meinen Hof zukunftsfähig machen», sagte er. Mit Freude säen und ernten, so liessen sich die aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft bewältigen, ist Keiser überzeugt.

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