Winterstrom dank Wind

Petition Baselland soll Windenergie fördern und Bewilligungen vereinfachen

Sabine Mehring, Vizepräsidentin Pro Wind Nordwestschweiz, und Markus Stokar, Präsident, übergaben die 840 Unterschriften an den 2. Landschreiber Nic Kaufmann.Foto: M. Schaffner
Sabine Mehring, Vizepräsidentin Pro Wind Nordwestschweiz, und Markus Stokar, Präsident, übergaben die 840 Unterschriften an den 2. Landschreiber Nic Kaufmann.Foto: M. Schaffner

Im Baselbiet könnten jährlich 600 Gigawattstunden aus Windkraft genutzt werden. Eine der Hürden, die es erschweren, dass das Potenzial ausgeschöpft wird, stellt jedoch das aufwendige Bewilligungsverfahren dar. Dauert es im angrenzenden Ausland wenige Jahre bis zur Baubewilligung, so ist bei uns je nachdem mit Jahrzehnten zu rechnen. Der Verein Pro Wind Nordwestschweiz hat nun vergangene Woche eine Petition zuhanden des Land- und Regierungsrats eingereicht, die eine «massive Beschleunigung» fordert.

Die 840 Unterzeichnenden wünschen sich, dass der Kanton generell die Windenergie fördert und die Ausschöpfung des Potenzials aktiv anstrebt. Dazu sollen genügend geeignete Windstandorte in die kantonalen Richtpläne aufgenommen werden. Im Zusammenhang mit der Forderung nach mehr Tempo bei Windenergieprojekten schlagen sie ausserdem vor, die kantonale Zonenplanung mit dem Baubewilligungsverfahren zusammenzulegen.

Mit dem Anliegen steht Pro Wind Nordwestschweiz keineswegs alleine da: Die Baselbieter Regierung hat bereits Gesetzesanpassungen angekündigt, die sie im Energieplanungsbericht 2026 vorschlagen wird. Unter anderem will sie ein kantonales Plangenehmigungsverfahren einführen, das mehrere Bewilligungsschritte zusammenfassen würde. Den Anstoss dazu gab Landrat Rolf Blatter mit einer Motion, die 2023 als Postulat überwiesen wurde. Blatter betonte insbesondere die Versorgungssicherheit und die starke Abhängigkeit der Baselbieter Energieversorgung von fossilen Energien und vom Ausland.

«Mit der Petition möchten wir Schub geben und zeigen, dass die Bevölkerung auch dahinter steht», sagte Markus Stokar, Präsident von Pro Wind Nordwestschweiz, bei der Petitionsübergabe vor dem Regierungsgebäude in Liestal. Bis 2050 müsse die Schweiz klimaneutral werden und das Schweizer Stimmvolk habe mit drei Abstimmungen – über die Atomenergie, das Klimagesetz und das Stromgesetz – den Boden dazu bereitet. «Jetzt geht es an die Umsetzung», erklärte Markus Stokar, und die Windkraft spiele dabei eine bedeutende Rolle. «Ohne Wind werden wir die Energiewende nicht schaffen.»

Vor allem könnte der Wind das Problem mit dem Winterstrom lösen: Während Wasserkraft und Solarenergie im Sommerhalbjahr stark sind, liefern Windanlagen zwei Drittel ihrer Energie im Winter – also genau dann, wenn der Energiebedarf fürs Heizen und die Beleuchtung am höchsten ist.

Im Baselbiet konnte noch keine Anlage realisiert werden

Im umliegenden Ausland stehen laut Pro Wind Nordwestschweiz über 8500 Windenergieanlagen, unter anderem 808 in Baden-Württemberg und 2145 in der französischen Region Grand Est. In der Schweiz sind es hingegen erst 50. Im Baselbiet sind verschiedene Standorte im Gespräch, darunter Muttenz, Liesberg, Challhöchi sowie der Schleifenberg bei Liestal, doch bisher wurde noch keine Anlage realisiert. «EBL, Primeo und ADEV versuchen es seit Jahren, aber sie sind noch nicht mal zur Baubewilligung gekommen», bedauerte Markus Stokar.

Laut Vizepräsidentin Sabine Mehring sind für Baselland sechs Potenzialgebiete ausgeschrieben, was viel zu wenig sei.Damit werde lediglich ein Potenzial von 125 Gigawattstunden erfasst, also viel weniger als das Gesamtpotenzial von 600 Gigawattstunden.

Die Ästhetik-Frage – oder Gas und Atom als Alternative

Auf nationaler Ebene sind kürzlich die «Waldschutz-Initiative» und die «Gemeindeschutz-Initiative» gegen Windparks und Windkraftanlagen zustande gekommen. In der Nordwestschweiz setzt sich der Verein «wind-still» für den Schutz der «einzigartigen Jurahöhen» und der «Schönheit der Berg- und Hügellandschaften» ein.

Sabine Mehring von Pro Wind Nordwestschweiz hält dem entgegen, dass bei anderen Infrastrukturprojekten die Ästhetik nicht dermassen im Vordergrund stehe. Etwa mit Blick auf Muttenz: «Bei einem Gaskraftwerk fragt niemand danach, ob es schön ist.» Und wie Markus Stokar ergänzte, gibt es in der Schweiz «Kräfte, die nur darauf warten, dass die Energiewende scheitert.» Die Alternative seien dann Gaskraftwerke, die fürs Klima besonders schädlich seien, oder Atomkraftwerke. Eine Windkraftanlage könne nach 25 bis 30 Jahren Lebensdauer abgeräumt werden und die Landschaft sei danach wieder unversehrt, bei einem Atomkraftwerk sei das nicht der Fall.

www.prowind-nwch.ch

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